Fußball Uefa-Cup
Keiner glaubt an das Wunder von St. Petersburg

Nach der 1:4-Pleite aus dem Hinspiel geht es für Bayer Leverkusen heute in St. Petersburg wohl nur noch darum, sich mit Anstand aus dem Uefa-Cup zu verabschieden.

Bayer Leverkusen will sich mit Anstand von der Europacup-Bühne verabschieden, denn an ein Wunder von St. Petersburg glaubt keiner mehr. "Wenn wir schon ausscheiden, dann aber mit erhobenem Kopf. Wir haben die Pflicht, uns dort gut zu verkaufen", sagte Sportchef Rudi Völler vor dem heutigen Viertelfinal-Rückspiel im Uefa-Cup bei Zenit St. Petersburg (18.30 Uhr/live bei Premiere). Nach der 1:4-Pleite in der heimischen Bayarena sind die Chancen auf ein Weiterkommen nur noch theoretischer Natur.

"Es ist nahezu unmöglich, noch ins Halbfinale zu kommen", äußerte Torwart Rene Adler im Premiere-Interview. Und auch Trainer Michael Skibbe gibt sich keinen Illusionen hin: "Da brauchen wir keinem Sand in die Augen streuen. Wir werden nochmal alles versuchen, mehr ist aber auch nicht zu erwarten." 4:0 müssten die Leverkusener schon in St. Petersburg gewinnen. Unrealistisch, nach der katastrophalen Vorstellung im Hinspiel und angesichts des Leistungstiefs der Werkself mit zuletzt vier Pleiten in Serie.

Fokus liegt auf Duell mit Stuttgart

So genießt das direkte Duell um einen Uefa-Cup-Platz gegen den deutschen Meister VfB Stuttgart am Sonntag (17.00 Uhr/live bei Premiere) Priorität. "Bei uns hängen einige Spieler durch. Wir müssen jetzt die Kurve kriegen. Das Spiel gegen Stuttgart ist enorm wichtig", sagt Völler. Von St. Petersburg redet indes kaum einer mehr.

So dürfte Skibbe die Mannschaft nochmal kräftig durchrotieren und einige Stammspieler schonen. Der Schweizer Nationalspieler Tranquillo Barnetta (Adduktoren) reiste erst gar nicht mit nach Russland. 39 Pflichtspiele haben zudem bei einigen Bayer-Akteuren Spuren hinterlassen.

Dass aber ausgerechnet erfahrene Spieler wie Bernd Schneider und Sergej Barbarez nicht ihre Leistung bringen, wirft Fragen auf. "Was schiefgehen kann, geht derzeit schief. Uns fehlt momentan die Frische, die Leichtigkeit", sagte Simon Rolfes dem kicker.

Noch vor drei Wochen wurde Leverkusen als Bayern-Jäger gehandelt, sogar von einer Wiederholung des Uefa-Cup-Triumphes 1988 war die Rede. So war ein deutsches Halbfinale im Uefa-Cup gegen die Münchner möglich. Doch nun dürfte wie im Vorjahr im Viertelfinale - damals war Bayer gegen CA Osasuna aus Pamplona (0:3 und 0:1) chancenlos - wieder Endstation sein.

Advocaat nimmt schon die Bayern ins Visier

So muss der Traum vom erstmaligen Halbfinal-Einzug im Uefa-Cup seit 13 Jahren wohl auf das nächste Jahr verschoben werden - wenn man sich denn überhaupt für das internationale Geschäft qualifiziert. Die Situation sei nicht dramatisch, meint Völler. Man dürfe jetzt aber nicht alles wegwerfen, was man die Saison über aufgebaut habe.

Was aufgebaut hat auch der frühere Gladbacher Coach Dick Advocaat bei Zenit - auch wenn ihm dazu durch den milliardenschweren Hauptsponsor Gasprom das nötige Kleingeld zur Verfügung steht. Nach dem Gewinn des Meistertitels in Russland winkt nun der erstmalige Einzug in ein europäisches Halbfinale. "Wir können noch besser spielen", sagt Advocaat mit Blick auf das Hinspiel, was auch als Drohung in Richtung München bei einem möglichen Halbfinal-Duell zu verstehen ist.

© SID

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