Fußball Uefa-Cup
Riesige Freude oder riesige Enttäuschung

Im letzten Uefa-Cup-Finale der Geschichte kann sich Werder Bremen nach einer enttäuschenden Bundesliga-Saison heute gegen Schachtjor Donezk doch noch ein Happy-End bescheren.

Am Ende einer Bundesliga-Saison zum Vergessen winkt Werder Bremen auf europäischer Bühne ein Triumph für die Ewigkeit. "Wir freuen uns riesig auf diese Partie. Nach dem Spiel wird es nur riesige Freude oder riesige Enttäuschung geben", sagte Trainer Thomas Schaaf vor dem 38. und letzten Endspiel um den Uefa-Cup am heutigen Mittwoch (20.45 Uhr Mesz/live bei Premiere und Sat.1) in Istanbul gegen Schachtjor Donezk.

Als Sonderflug AB 1 004 am Dienstagvormittag Richtung Türkei abhob, blieben Enttäuschung und Frust über das Mittelmaß in der Liga in der Hansestadt zurück. Man scherzte und lachte an Bord, selbst der für das Finale gelbgesperrte Bremer Superstar Diego hatte sein Lächeln wiedergefunden und versprühte Optimismus: "Meine Kollegen werden den Pokal gewinnen - ohne mich, aber vielleicht auch ein bisschen für mich."

Diegos Zukunft weiter ungeklärt

Dabei ist die sportliche Zukunft des Brasilianers weiter ungeklärt, denn eine weitere Gesprächsrunde zwischen Werder-Sportdirektor Klaus Allofs und Diegos Vater Djair da Cunha brachte noch keine Einigung. Knackpunkt in den Verhandlungen um den anvisierten Wechsel zu Juventus Turin ist die Frage, wer Diegos Beteiligung an der Ablösesumme bezahlt. Und es muss geklärt werden, ob der Nachfolger für den zu Wochenbeginn gefeuerten "Juve"-Coach Claudio Ranieri überhaupt an dem Mittelfeldstar interessiert ist.

Unabhängig davon ist dem Bundesliga-Zehnten nach sieben internationalen Auswärtsspielen in Folge ohne Niederlage vor dem Endspielneuling aus der Ukraine nicht bange. "Gerade in den engen Spielen in Mailand, Udine und Hamburg waren wir nicht nur spielerisch gut, sondern auch sehr stark im Kopf. Da hat die Mannschaft ihren Willen gezeigt", sagte Torjäger Claudio Pizarro auch mit Blick auf das 3:2 im Halbfinal-Rückspiel beim HSV, über den man auch das DFB-Pokal-Finale am 30. Mai in Berlin erreichte. Der Peruaner muss allerdings nicht nur auf die Vorlagen Diegos verzichten, auch Sturmpartner Hugo Almeida ist gelbgesperrt.

Besonderes Spiel für Özil

Insgeheim hofft man bei den Norddeutschen darauf, dass sich die neutralen Besucher im Sükrü-Saracoglu-Stadion von Fenerbahce Istanbul auf die Werder-Seite schlagen werden. Schließlich hat Jung-Nationalspieler Mesut Özil türkische Wurzeln. "Man wird stolz auf mich sein", erklärte der 20-Jährige, der im Land seiner Vorfahren einen langersehnten Wunsch erfüllen kann: "Als Kind und Fenerbahce-Fan habe ich immer davon geträumt, einmal in diesem Stadion spielen zu dürfen.

Für seinen zwölf Jahre älteren Teamkollegen Torsten Frings ist die bloße Teilnahme nach zwei verlorenen Endspielen mit der Nationalmannschaft bei der WM 2002 und der EM 2008 nicht genug. "Ein Sieg mit Werder gleich in meinem ersten Klubfinale wäre die Krönung meiner Karriere", sagte der Mittelfeldspieler im kicker. Taktisch müsse man Donezk und speziell den vier Brasilianern im Team mit einer gewissen Härte die Lust am Spielen nehmen.

Baumann kann mitmischen

Dabei helfen kann voraussichtlich auch Kapitän Frank Baumann. Der 33-Jährige, den zuletzt Adduktorenprobleme zu schaffen machten, absolvierte am Dienstagabend das Abschlusstraining ohne Probleme. Nationalspieler Per Mertesacker (Bänderriss im Knöchel) fällt dagegen definitiv aus. Meldungen, Baumann werde nach zehn Jahren an der Weser seine Karriere beenden, wollte Coach Schaaf nicht bestätigen: "Wir konzentrieren uns ganz auf das wichtige Endspiel."

Ganz ohne personelle Sorgen geht aber auch Schaafs Kollege Mircea Lucescu nicht ins Finale. Dem rumänischen Coach des viermaligen ukrainischen Meisters steht der tschechische Nationalspieler Tomas Hübschman wegen einer Gelbsperre nicht zur Verfügung. Das erste Europacup-Finale der Klubgeschichte hat in der Bergbauregion einen immensen Run auf Endspielkarten ausgelöst. 7 000 Fans begleiten Schachtjor an den Bosporus, aus Bremen werden "nur" 5 000 Anhänger der Grün-Weißen erwartet.

© SID

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