Fußball Uefa: Stern: Uefa-Mitarbeiter bringen Bayern in Verruf

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Stern: Uefa-Mitarbeiter bringen Bayern in Verruf

Laut des Magazins stern ist der Verdacht, Bayern München habe ein Uefa-Cup-Spiel an die Russen-Mafia verkauft, unbegründet. Die Uefa soll einem Hochstapler aufgesessen sein.

Der FC Bayern München ist erschüttert. "Völlig aus der Luft gegriffen", seien die Vorwürfe, wehrt sich der deutsche Rekordmeister. Im Mai 2008 sollen die Münchner das Uefa-Cup-Rückspiel bei Zenit St. Petersburg (0:4) verkauft haben - an die Russen-Mafia. Der eigentliche Skandal aber ist offenkundig ein ganz anderer: Die Europäischen Fußball-Union (Uefa) in Person ihres Chefermittlers Peter Limacher saß nach Recherchen des Magzins stern bei den Untersuchungen einem Hochstapler auf, die Vorwürfe gegen die Münchner scheinen haltlos.

"Die Vorgänge sind ungeheuerlich und müssen mit aller Härte sanktioniert werden", teilte der FC Bayern in einer Stellungnahme am Mittwoch mit. Die Münchner forderten Uefa-Präsident Michel Platini auf, "zu diesen Verleumdungen Stellung zu beziehen und umgehend eine Erklärung abzugeben. Darüber hinaus erwartet der FC Bayern München sofortige personelle Konsequenzen bezüglich der Uefa-Mitarbeiter Peter Limacher und Robin Boksic.

Die Uefa wies die Vorwürfe zurück. "Ich bin extrem überrascht über die Reaktion des FC Bayern. Wir haben sie nie wegen irgendetwas als schuldig angesehen, und ich bin überrascht, dass sie die Uefa so attackieren. Es ist traurig und es sieht so aus, als ob sie überreagieren", sagte Generalsekretär Gianni Infantino. Er ergänzte: "Peter Limacher steht an vorderster Front eines sehr schwierigen Kampfes und er genießt unser volles Vertrauen."

FCB stellt Strafanzeige

Gegen Limacher und seinen Vertrauten Boksic stellte der FC Bayern am Mittwoch Strafanzeige bei der Münchner Staatsanwaltschaft I. Der mutmaßliche Hochstapler Boksic gehört zum Umfeld der Brüder S., die in Deutschland als Drahtzieher im Schiedsrichter-Skandal um Robert Hoyzer bekannt wurden. Boksic wird von Uefa-Chefermittler Limacher als "Uefa-Investigator" beschäftigt. Er gibt sich darüber hinaus als Agent des Bundesnachrichtendienstes (BND) aus.

Limacher wies die Vorwürfe, er sei bei der Aufklärung von Wettmanipulationen einem Hochstapler aufgesessen und habe falsche Beschuldigungen gegen den FC Bayern verbreitet, unterdessen zurück. Der Financial Times Deutschland (Donnerstag-Ausgabe) sagte er, die vom stern zugeschriebene Äußerungen über besagtes Uefa-Cup-Spiel Petersburg im Mai 2008 nicht getätigt zu haben. Auch von angeblichen Hausdurchsuchungen beim Präsident Hoeneß und Finanzvorstand Karl Hopfner, über die er den stern informiert habe, wisse er nichts.

"Das entbehrt jeglicher Grundlage", sagte Limacher der FTD, "das habe ich nie gesagt."Über seinen Mitarbeiter Boksic sagt Limacher: "Herr Boksic ist eine absolut sichere Quelle. Er hat uns in der Früherkennung von Auffälligkeiten bei Partien und auch vor Ort entscheidende Hinweise geliefert." Zudem durchlaufe "jeder seiner Hinweise bei uns eine Plausibilätsprüfung". Nach Recherchen des stern ist der 32 Jahre alte Boksic ein Kleinkrimineller aus dem Wettmilieu, gegen den in Deutschland und Kroatien mehrere Anzeigen wegen Betrugs anhängig sind.

Wie der stern in seiner neuen, am Donnerstag erscheinenden Ausgabe berichtet, schickte Limacher seinen nach eigenen Aussagen "besten Mann" auch zur Fußball-WM nach Südafrika. Dem Weltverband Fifa erzählte Boksic dort, mehrere Nationalteams seien bestochen. Belege lieferte er nicht, er verwickelte sich zudem in zahlreiche Widersprüche. Die Fifa-Sicherheitsleute identifizierten Limachers Gesandten binnen weniger Tage als Hochstapler.

Anlass: Mafia-Abhörprotokolle

Anlass für Vorermittlungen im Fall des FC Bayern boten 2008 mehrere Zitate aus Abhörprotokollen der spanischen Justizbehörden von russischen Mafiosi, die sich brüsteten, den Münchener Klub mit "50 Millionen" bestochen zu haben. Die Sache verlief aus Mangel an Beweisen allerdings im Sande. Uefa-Disziplinarchef Limacher war es auch, der im Mai 2010 dafür sorgte, dass Franck Ribery wegen seiner Roten Karte das Champions-League-Finale verpasste. "Jetzt wissen wir, warum wir beim Fall Ribery nie eine Chance hatten. Wir konnten machen, was wir wollten", sagte Hoeneß der tz.

Gegenüber dem spanischen Staatsanwalt Jose Grinda und mehreren stern-Journalisten sollen Limacher und Boksic behauptet haben, es gebe gerichtsfeste Belege für die Käuflichkeit des FC Bayern. Der Uefa lägen Kontoauszüge mit Summen in achtstelliger Höhe auf ein Konto des FC Bayern vor. Es habe Hausdurchsuchungen bei Präsident Hoeneß, Finanzvorstand Hopfner und bei einem Bayern-Spieler gegeben. In dessen Wohnung habe man neben einer Million Dollar auch Kokain gefunden.

Nach Recherchen des stern ist Limachers einzige Quelle Boksic.

© SID

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