Fußball Uefa
Uefa bringt Finanzkontrollsystem auf den Weg

Exorbitante Finanzspritzen durch schwerreiche Gönner und zweifelhafte Zuwendungen von Investmentexperten sollen in Europas Fußball der Vergangenheit angehören. Das Uefa-Exekutivkomitee hat am Dienstag das Lizenzierungsverfahren der Bundesliga zum Vorbild genommen und die Einführung eines kontinentalen Kontrollverfahrens beschlossen. Das finanzielle Wettrüsten der Top-Clubs soll so gestoppt und ihre Verschuldung gedämpft werden.

Die Europäische Fußball-Union (Uefa) hat den Kampf gegen das Finanz-Doping forciert. "Die Eckdaten für das Financial Fair Play sind abgesegnet worden und müssen nunmehr in enger Abstimmung mit den Klubs und den Nationalverbänden weiterentwickelt und in die Statuten eingearbeitet werden, damit sie wie geplant ab der Saison 2012/2 013 greifen können. Sie sind ein deutliches Zeichen gegen die weiterhin steigenden Ablösesummen und Spielergehälter, die auf Dauer den Fußball in Europa kaputt machen", sagte Theo Zwanziger, Präsident des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) und Mitglied in der Uefa-Exekutive, nach der zweitägigen Exko-Sitzung in Nyon.

Erwartungsgemäß hatte die Uefa unter Vorsitz von Präsident Michel Platini am Dienstag die Einführung eines Finanzkontrollsystems beschlossen, um finanzielles Fair Play unter den Klubs zu gewährleisten. Die Vereinen sollen demnach nur noch soviel Geld ausgeben wie sie aus dem Bereich Fußball einnehmen. Chef des neu eingeführten Finanz-Kontrollgremiums der Uefa ist der ehemalige belgische Premierminister Jean-Luc Dehaene.

"Vereine dürfen nicht mehr ausgeben, als sie einnehmen"

Subventionen wie beim Ballack-Klub FC Chelsea durch einen Mäzen wie den russischen Oligarchen Roman Abramowitsch zählen nicht dazu. Uefa-Boss Platini hatte sich für eine stärkere Kontrolle stark gemacht, um der Verschuldung der Klubs entgegenzuwirken.

"Die Vereine dürfen nicht mehr ausgeben, als sie einehmen. Wenn Real Madrid Kredite bekommt, die zurückgezahlt werden, habe ich damit kein Problem. Wenn ein Mäzen zwei Jahre lang einem Klub hilft und der seine Schulden nicht bezahlt, dann schon", sagte Platini und fügte hinzu: "Ich will nicht der Präsident sein, der die Vereine in die Schulden treibt. Ich will auch nicht der Präsident sein, der Vereine wegen Überschuldung ausschließen muss. Ich will wieder mehr Gleichgewicht im Fußball."

Würde diese Regel schon heute und nicht erst in drei Jahren bestehen, dürften Manchester United, FC Liverpool, der FC Chelsea und Inter Mailand schon jetzt nicht mehr in der Champions League an den Start gehen. Außerdem sollen in den kommenden Jahren auch mit Blick auf die weltweite Finanzkrise die Ausgaben für Transfers, Gehälter und Beraterhonorare deutlich reduziert werden.

"Das wäre ein richtungweisender Schritt für die Entwicklung des europäischen Vereinsfußballs in wirtschaftlich nicht ganz einfachen Zeiten", sagte Zwanziger, der auf dfb.de betonte, dass "sich die Uefa mit der neuen Regelung an den Grundstrukturen der Bundesliga-Lizenzierung" orientiere: "Und wenn es zum Financial Fair Play in Europa kommt, bin ich überzeugt, dass es für die deutschen Klubs in einem dann wieder finanziell fairen Wettbewerb leichter wird, Titel in den europäischen Wettbewerben zu gewinnen."

Bayern Münchens Vorstandsvorsitzender Karl-Heinz Rummenigge zeigte sich ebenfalls erfreut: "Wir begrüßen die Einführung des Kontrollsystems als richtigen Schritt in die richtige Richtung. Es müssen jetzt aber in den nächsten Wochen auch noch die richtigen Details für dieses System gefunden werden", sagte er dem Sport-Informations-Dienst (SID).

Uefa plant Änderungen bei Terminierung

Im fernen Bayern durfte sich zudem Bayern-Manager Uli Hoeneß nach seiner Kritik am Spielplan der Nationalmannschaften über einen Punktsieg freuen. Denn das Uefa-Exekutivkomitee entschied, dass die Doppelspieltage in der Qualifikation zur Euro 2012 statt wie bislang samstags und mittwochs künftig freitags oder samstags und dienstags stattfinden müssen. Dies soll den Spielern eine frühere Rückkehr zu ihren Klubs ermöglichen. Ein Zugeständnis an die Klubs.

"Diese Änderung wurde schon lange vor den jüngsten Äußerungen des Herrn Hoeneß geplant und ist somit keine unmittelbare Reaktion darauf. Ich denke, dass diese Entscheidung jedoch ein weiterer ausgleichender Schritt im permanenten Spannungsverhältnis zwischen den Klubs auf der einen und den Nationalverbänden auf der anderen Seite ist", sagte Zwanziger.

© SID

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