Fußball Uefa
Uefa im Kampf gegen Rassismus gefordert

Die Europäische Fußball-Union (Uefa) soll Bekenntnisse und Maßnahmen gegen Rassismus seitens der Klubs in ihre Lizenzierungs-Richtlinien aufnehmen. Organisationen wie Fare verlangen zudem finanzielle Unterstützung.

Die Europäische Fußball-Union (Uefa) ist im Kampf gegen den Rassismus gefordert und soll künftig Bekenntnisse und Maßnahmen gegen Rassismus seitens der Klubs in ihre Lizenzierungs-Richtlinien für Vereine aufnehmen. Das war die zentrale Forderung der vier Arbeitskreise bei der 2. Anti-Rassismus-Konferenz, zu der die Uefa rund 300 Teilnehmer nach Barcelona eingeladen hatte. Erwartungsgemäß verlangten Organisationen wie Fare (Football against Racisme in Europe) auch finanzielle Unterstützung bei ihrer Arbeit durch den "reichen" europäischen Kontinentalverband.

Nicht einigen konnten sich die Teilnehmer auf eine Definition, was als Rassismus oder Diskriminierung im weiteren Sinn definiert werden soll. Uefa-Generaldirektor Lars-Christer Olssen sagte nach Konferenzschluss zum Sport-Informations-Dienst (sid): "Die Deutschen sind da - wahrscheinlich auch aufgrund ihrer Geschichte - sehr sensibel. Andere Länder behandeln das Problem leider viel großzügiger."

Alfred Sengle, als Sicherheitsbeauftragter des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) auch Teilnehmer der Konferenz: "Wir haben zwar nicht die Auswüchse wie in einigen süd- oder osteuropäischen Ländern. Aber selbstverständlich haben wir auch in Deutschland ein Rassismus-Problem, vor dem wir die Augen nicht verschließen durfen." Das letzte aktuelle Beispiel: Cottbus-Fans, die Dynamo Dresden per Spruchband diffamieren. DFB und Polizei haben, jeder auf seine Art, Ermittlungen aufgenommen.

Oder jenes rund ein Dutzend umfassender, in schwarz gekleideter Gestalten, die beim Länderspiel Frankreich - Deutschland die Außentreppe des Stade de France stürmten und grölten. Sengle: "Gott sei Dank haben das die Medien, weil sie schon im Innenbereich waren, nicht mitbekommen. Das hätte wieder einen Skandal gegeben."

Rainer Koch, Vorsitzender des DFB-Sportgerichtes und Mitglied in entsprechenden Uefa-Institutionen: "Bei solchen Fällen habe ich keine Toleranz. Nicht Null, sondern null Komma null Prozent." In seiner Eigenschaft als Vorsitzender des bayerischen Fußball-Verbandes beorderte er Beobachter zu einem Bayern-Ligisten, der im Verdacht stand, Fans aus der Neo-Nazi-Szene zu dulden. Und er rief in seinem Landesverband Vereine zur Ordnung, deren Jugendspieler durch rassistische Bemerkungen auffällig geworden waren. Koch: "Die wissen vielleicht gar nicht, was sie da sagen. Aber wir müssen den Anfängen wehren."

Der DFB verteilte auf der Konferenz in Barcelona ein mehrseitiges Flugblatt, auf dem er seine Kleinarbeit gegen Rassismus in den letzten drei Jahren dokumentierte. Video-Clips von Sönke Wortmann, Julius Hirsch-Preis, Buchpräsentation "Fußball unterm Hakenkreuz", Rudi Völler und die Aktion "Schule machen gegen Gewalt" sind nur ein kleines Beispiel der unprätentiösen, aber beeindruckenden Dokumentation.

Ein besonderes Lob erntete in Barcelona Schalke 04. Die "Königsblauen" hatten vor wenigen Jahren ihre Satzung geändert und soziale Integration sowie das Vermeiden von Ausgrenzung offiziell in ihre Statuten aufgenommen. Auf Schalke bekennt man sich dazu, mehr zu sein als eine Kapitalgesellschaft. Dieses Engagement wurde von den Delegierten als beispielhaft herausgehoben.

© SID

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