Fußball Uefa: Uefa kündigt härtere Gangart gegen Rassismus an

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Uefa kündigt härtere Gangart gegen Rassismus an

Die Uefa hat im Kampf gegen Rassismus ein wesentlich schärferes Durchgreifen angekündigt. "Es ist gut möglich, dass in Zukunft häufiger Spiele abgebrochen werden", erklärte Generaldirektor Lars-Christer Olsson.

Im Kampf gegen Rassismus will die Europäische Fußball-Union (Uefa) in Zukunft wesentlich schärfer durchgreifen. Am Rande der 2. Anti-Rassismus-Konferenz der Uefa in Barcelona sagte Generaldirektor Lars-Christer Olsson dem Sport-Informations-Dienst (sid): "Es ist gut möglich, dass in Zukunft häufiger Spiele abgebrochen werden, wenn Vereine rassistische Äußerungen nicht unterbinden können. Zunächst aber müssen wir das Berichtswesen in der Uefa verbessern. Es geht nicht an, dass wir aus der Zeitung erfahren, was in einem Stadion alles vorgefallen ist, und in unseren offiziellen Berichten steht davon kein Wort."

Bewusstsein für Existenz des Rassismus schärfen

Der Spielabbruch ist aber erst die letzte aller Möglichkeiten. In seinem Redebeitrag vor knapp 300 Delegierten von Vereinen, Verbänden und des Projektes Fare (Football against Racism in Europe) hatte Olsson betont, der Fußball müsse zunächst das Bewusstsein für die Existenz des Rassismus schärfen und dann versuchen, die Überzeugungen zu ändern. Deshalb werde die Uefa Verbände und Klubs, die in ihre Tätigkeit Aufklärungsarbeit gegen Rassismus aufnehmen, finanziell unterstützen. Olsson: "Es reicht nicht, nur Pressemitteilungen zu versenden. Die Sanktionen müssen härter werden. Und die Spieler müssen öffentlich auftreten und sich gegen jede Form des Rassismus, der Diskriminierung verwahren."

Laut Olsson gibt es Bürger in Europa, die nicht wüssten, dass es Rassismus gibt, weil sie ihn nicht erlebt haben, aber: "Unwissenheit darf keine Ausrede sein." Und der Uefa-Generaldirektor räumte auch mit einem anderen Vorurteil auf: "Rassismus-Befürworter sind nicht grundsätzlich dumm. Das sind manchmal ganz intelligente Leute."

Dass viele Vereine derzeit zu lax mit dem Rassismus-Problem umgehen, hatte in seinem Eingangs-Statement William Gaillard, der Kommunikationsdirektor der Uefa, betont. "Wenn beim AS Rom Hakenkreuz-Flaggen wehen und der Verein tut nichts dagegen mit dem Argument, das sei eine politische Meinungsäußerung und die gehe den Fußball nichts an, dann schäme ich mich dafür - nicht in meiner Funktion als Uefa-Angestellter, sondern als Fan des Fußballs."

Der frühere Profi Paul Elliot meinte in seinem viel beachteten Statement: "Laut Paragraph 13 der europäischen Verträge hat jedermann das Recht auf einen rassismusfreien Arbeitsplatz. Die Vereine als Arbeitgeber sollten sich mehr darum kümmern." Elliot regte an, jeder Profi solle pro Monat bei Amateurvereinen oder Jugendmannschaften fünf Stunden Sozialarbeit leisten, um über den Unsinn des Rassismus zu diskutieren. Elliot: "Diese Affengeräusche, diese Bananen - meine Familie hat sehr darunter gelitten."

Der Europa-Abgeordnete Claude Moraes hat derweil, um der Uefa in ihrem Kampf Flankenschutz zu geben, eine "Erklärung gegen Rassismus im Fußball" ins Europäische Parlament eingebracht. In ihr heißt es unter anderem, die Verbände, Ligen, Spieler, Spielergewerkschaften und Fanklubs sollten öffentliche Aktionen gegen den Rassismus unternehmen oder zumindest unterstützen. Zur Annahme der Erklärung sind bis zum 1. März 350 Unterschriften nötig; 250 liegen vor.

© SID

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