Fußball Uefa
Uefa stellt Ermittlung in kriminellen Milieus ein

Uefa-Präsident Michel Platini hat bekannt gegeben, dass die Uefa nicht mehr in kriminellen Milieus ermittelt. Der Franzose hofft auf Gründung einer internationalen Sportpolizei.

Aus Angst vor den "mafiösen Strukturen" der Wettbetrüger hat Uefa-Präsident Michel Platini die Einführung einer internationalen Sportpolizei gefordert. "Es ist zu gefährlich geworden, selbst zu ermitteln", sagte Platini in einem Interview mit der Welt am Sonntag: "Da gibt es mafiöse Strukturen mit Leuten, die nicht mit sich spaßen lassen. Wir sind die Uefa, nicht Scotland Yard. Wenn es um kriminelle Machenschaften geht, sind Polizei und Justiz gefragt. Aber wir ermitteln nicht mehr selbst in kriminellen Milieus."

Aus diesem Grund brauche man "ein länderübergreifendes Instrument, eine internationale Sportpolizei. Interpol hat uns vor Kurzem kontaktiert und uns eine Arbeitsgemeinschaft angeboten. Das wäre ein Anfang."

In diesem Zusammenhang stufte Platini es auch als "großen Fehler" ein, dass die Uefa vor einigen Monaten Untersuchungen wegen einer vermeintlichen Manipulation im Uefa-Pokal-Halbfinale Zenit St. Petersburg gegen Bayern München aus dem Jahr 2008 (4:0) eingeleitet hatte. Den Informanten Robin Boksic bezeichnete er als "Betrüger" und erklärte: "Alles in allem war es ein großer Fehler, Boksic so agieren zu lassen. Wir haben die Sache so schnell wie möglich beendet. Bayern München hat damals alles richtig gemacht. Es gab ja keine Beweise gegen den Klub."

Platini: "EM wird wie geplant stattfinden"

Derweil versicherte der Franzose, dass die EM 2012 unabhängig von den Vorwürfen des Zyprers Spyros Marangos in Polen und der Ukraine ausgetragen wird. "Natürlich wird sie dort stattfinden", sagte Platini: "Sollten Unregelmäßigkeiten bei der Vergabe nachgewiesen werden können, werden wir die Verantwortlichen zur Rechenschaft ziehen. Aber die EM wird wie geplant stattfinden."

Kritik übte der Franzose an der gleichzeitigen WM-Vergabe für 2018 und 2022 im Dezember. "Eine schlechte Idee", meinte er: "Ich frage mich, was die Notwendigkeit ist. 2022, das ist in zwölf Jahren - warum müssen wir heute darüber entscheiden?"

Korruption von Exekutivmitglieder hält Platini nach den Fällen der inzwischen gesperrten Fifa-Vertreter Amos Adamu (Nigeria) und Reynald Temarii (Tahiti) nicht für ausgeschlossen. "Natürlich sind nicht alle Mitglieder des Exekutivkomitees korrupt. Aber dass es ein, zwei Leute gibt, die so etwas tun, halte ich für denkbar", erklärte er: "Das gilt aber für alle großen Verbände. Wir reden über einen Bereich, in dem es um so enorme Summen geht, dass es mich verwundern würde, wenn dort nicht mal einer schwach wird."

Forderung nach neuem Vergabe-Prozedere

Deshalb fordert der Europameister von 1980 ein neues Prozedere zur Vergabe von Großveranstaltungen. "Es geht bei der Vergabe von WMs, EMs oder Olympischen Spielen einfach um zu viel Geld", meinte er: "Vielleicht müsste man versuchen, ein besseres System zu finden."

Für das Ausscheiden von Franz Beckenbauer als Uefa-Vertreter aus dem Fifa-Exekutivkomitee hat Platini Verständnis: "Er ist zu mir gekommen und hat mir gesagt: 'Michel, ich bin jetzt 65 Jahre alt. Es ist Zeit aufzuhören. Ich möchte mich um meine Kinder und Enkel kümmern.' Das verstehe ich. Er wird ein guter Großvater sein."

Deutschland habe nun kein Anrecht auf einen automatischen Vertreter, aber "wenn die Deutschen einen starken Kandidaten stellen, wird er gute Chancen haben, gewählt zu werden".

© SID

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