Fußball und die Russland-Krise
Gazprom macht Schalke 04 völlig sprachlos

Der Fußballverein Schalke 04 steckt in einem Dilemma. Sein wichtigster Geldgeber Gazprom kommt aus Russland – dem Land, das im Ukraine-Konflikt steckt. Schadet das dem Klub vielleicht? Schweigen, lautet die Antwort.
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DüsseldorfFußballvereine sollten sich ihre Geldgeber mit Bedacht aussuchen. Diesen gut gemeinten Rat von Sponsoring-Experten hat Schalke 04 schon vor Jahren ignoriert. Nun zahlt der Verein die Zeche – in Form von negativer Werbung. Denn der wichtigste Sponsor des Vereins kommt ausgerechnet aus Russland, ist dort nach dem Militär der größte Arbeitgeber. Doch Russland führt Krieg gegen die Ukraine.

Fragt man Offizielle von Schalke nach diesem Thema, kommt als Reaktion nur: „Besten Dank für ihre Frage, die wir nicht beantworten möchten.“ Immerhin etwas offenherziger reagierte Gazprom selbst im August auf eine Anfrage von Handelsblatt Online. Das Unternehmen meldete sich nach einer knappen Woche, ging allerdings nicht auf die detaillierten Fragen ein.

Der russische Konzern verwies nur auf Deutschland als „großen Abnehmer von russischem Gas und langjährigen Partner von Gazprom“. Weiter schrieb der Konzern: „Wir glauben, dass die Verbindung mit dem traditionsreichen Klub unsere Ziele der Markenpositionierung stützt und zu einer weiteren Verbesserung geschäftlicher Zusammenarbeit beiträgt.“

Zumindest aus Schalker Sicht wird das immer fraglicher. Der Verein hat gleich in mehrfacher Hinsicht ein Problem. Der Vertrag mit Gazprom läuft noch bis 2017. Und er ist dermaßen gut dotiert, dass er nicht gleichwertig zu ersetzen wäre. Bereits seit Anfang 2007 läuft die Zusammenarbeit, die dafür sorgte, dass Schalke sich in der nationalen Spitze festsetzte und auch international zur Marke wurde.

Um wie viele Millionen Euro es noch geht, lässt sich schwer sagen. Denn solche Sponsorenverträge sind komplex und hängen auch immer vom sportlichen Erfolg ab. Doch Experten gehen davon aus, dass Schalke sich die zweitbesten Konditionen in der Bundesliga gesichert hat – hinter den Bayern und noch vor den Dortmundern.

Bereits 2006 hieß es in den Medien, dass der Vertrag innerhalb von sechs Jahren bis zu 125 Millionen Euro in die Schalker Kassen spülen könnte. Es ging also um 20 Millionen Euro pro Jahr. Dabei wurde auch immer ein Sockelbetrag von 12 Millionen Euro genannt, sozusagen das Minimum. 2011 dann wurde der Vertrag um weitere 4,5 Jahre verlängert, bis Mitte 2017.

 

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  • GAZPROM-EHRLICH WÄHRT AM LÄNGSTEN
    .................................
    Deutschland hat nach wie vor langfristige verträge mit
    gazprom und bezieht ca. 30% des gasbedarfes aus rußland.
    ..
    gazprom ist auch an vielen deutschen firmen beteiligt -
    also ein verlässlicher Wirtschaftspartner.
    ..
    das Handelsblatt sollte besser recherchieren und nicht
    Propaganda verbreiten..
    ..

  • Der Autor scheint nicht verstehen zu wollen:

    Schalke ist nicht bedeutend im deutschen Fußball, weil es Gazprom als Sponsor hat. Schalke hat Gazprom als Sponsor, weil es bedeutend im deutschen Fußball ist, und zwar unabhängig vom sportlichen Erfolg.

    Darf ich daran erinnern, dass die gesamte Liga damals den Abschluss des Sponsoringvertrages gelobt hat und die deutsche Bundesregierung den Sponsorenvertrag mit Gazprom ausdrücklich befürwortet hat ("Beitrag zur Versorgungssicherheit in Deutschland").
    Und darf ich daran erinnern, dass Ende 2012 noch der FC Bayern sich Gazprom regelrecht angebiedert hat um ebenfalls einen ähnlichen guten Sponsorenvertrag abzuschließen. Gazprom lehnte öffentlich ab, mit der Begründung man wolle in Deutschland nur einen Verein sponsern.

    Im Übrigen können Menschenrechtsorganisationen (z.B. Jürgen Franck von amnesty international) hinsichtlich Gazprom lediglich einen problematischen Fall nennen, der die Pressefreiheit betrifft (Übernahme eines russischen TV-Senders durch Gazprom Media). Und dieser Fall ist schon älter und zudem bereits abgeschlossen mit einer Verurteilung von Russland (nicht von Gazprom!) durch den Europäischen Menschenrechtsgerichtshof (Schadensersatz wurde den Geschädigten zugesprochen). Da kommen selbst die kritischsten Menschrechtler nicht umhin zuzugeben, dass amerikanische Firmen oder die USA sich niemals internationalen Gerichten unterwerfen würden.

    Unabhängig davon: Wieso sollte ausgerechnet Schalke die Politik sämtlicher Bundesregierungen der letzten Jahrzehnte selbständig konterkarieren? Es ist oder war jedenfalls immer ausdrückliches (und vernünftiges) außenpolitisches Ziel Deutschlands, ein enges und unumkehrbares Netz wirtschaftlicher und politischer Beziehungen zu Russland aufzubauen, nicht zuletzt in Anlehnung an die Brandtsche Ostpolitik nach dem Leitmotiv "Wandel durch Annäherung und Verflechtung", der alle Aspekte des politischen, gesellschaftlichen und besonders des wirtschaftlichen Lebens umfassen soll.

  • "...Wenn in diesem Dilemma überhaupt noch was geht, dann durch den Sport..."

    Guter Punkt, denke ich. So korrupt das Sportgeschäft auch ist, gab ja einige Hammer in der letzten Zeit, aber so bekloppt und kleinkindhaft wie die westlichen Regierungen verhalten sich die Sportfunktionäre nicht, jedenfalls gehen die nicht über hunderte von Leichen um sich bestätigt zu fühlen.

    Schade das das letzte Olympia von der Politik kaputt gemacht wurde. Erbärmlich und Abstossend was das ZDF da ablieferte: Nur Hass und Propaganda. Kleber versuchte sich als Freissler, kassierte aber eine mehr als gerechte Ohrfeige von Herr Kaeser (Siemens).

    Obama und Co. sind viel zu arrogant und weltfremd um dem kleinen Mann seine bunten Spiele zu lassen. Die werden weiter gegen Russland sticheln und diffamieren. Die mögen es nicht wenn es in Nachbars Garten auch blüht.

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