Fußball und Geld

Mythos Schalke 04 – Chaos, Glanz und Leid

Neuer Trainer, große Ziele: Deutscher Meister soll Schalke 04 nun endlich werden. Doch auch wenn sie verlieren, werden sie geliebt. Warum der Klub zum Mythos wurde, fast versunken wäre und so gerne scheitert.
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Kommt mit Di Matteo königlicher Glanz?
1899 Hoffenheim - Schalke 04
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Dass es im Fußball mit dem Heuern und Feuern häufig ganz schnell gehen kann, hatte Jens Keller schon vor seiner Zwangsdemission bei Schalke 04 erkannt: „Ich weiß gut, dass Fußball eine Ergebnissportart ist. Ich bin auch Realist und weiß, wie es im Trainerberuf zugehen kann.“ Nun ist er „auf Schalke“ Geschichte.

Di Matteo CL
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Wie der Verein bestätigte, übernimmt nun der Italiener Roberto di Matteo das Traineramt auf Schalke. Der 44-Jährige, der 2011/12 mit dem FC Chelsea als Interimstrainer die Champions League gewann (Finale gegen Bayern München), in der nächsten Saison von Chelsea-Boss Roman Abramowitsch aber trotzdem nach nur 12 Spielen entlassen wurde, spricht perfekt deutsch. Im November trifft der neue Schalke-Coach in der Champions League gleich auf seinen eigenen Ex-Klub.

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Bei Chelsea konnte Di Matteo auch als Spieler seinen größten Erfolg verbuchen: 1998 gewann er mit dem Team den Europapokal der Pokalsieger, im selben Jahr auch noch den UEFA-Supercup. Außerdem wurde er 1993 Schweizer Meister mit dem FC Zürich. Für die Nationalmannschaft Italiens machte Di Matteo 34 Spiele und schoss dabei zwei Tore.

File picture of Chelsea manager Di Matteo
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Vor seinem Engagement in Chelsea trainierte Di Matteo die unterklassigen Milton Keynes Dons und West Bromwich Albion, mit denen ihm 2010 der Aufstieg in die Premier League gelang. Ironischerweise beendete eine Niederlage gegen Albion am 12. Spieltag der Saison 2012/2013 Di Matteos kurze Episode als Cheftrainer Chelseas. Mit den Londonern stand er zu diesem Zeitpunkt auf Platz 3.

huGO-BildID: 39655883 (FILES) A photo taken on April 24, 2012 shows Italy's Roberto Di Matteo, then coach of FC Chelsea, celebrating after beati
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Im Sommer wurde Di Matteo auch als Kandidat auf die Veh-Nachfolge in Frankfurt gehandelt. Der Coach erteilte der Eintracht allerdings eine Absage. Bei Schalke hat der Italiener nun einen Vertrag bis 2017 unterschrieben. Ob er der Mannschaft wieder ein Gesicht geben kann, muss sich erst noch zeigen. Aufsichtsratschef Tönnies gab sich optimistisch: „Wir wollten keinen Schnellschuss, sondern einen Trainer, der uns nachhaltig weiterbringt.“

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Keller übernahm zur Saison 2012/2013 als Cheftrainer die Schalker B-Jugendmannschaft. Als er im Dezember 2012 bei den Gelsenkirchenern „Jahrhunderttrainer“ Huub Stevens beerbte, galt diese interne Lösung als Interimsmaßnahme. Doch Keller, der frühere U17-Ausbilder der Königsblauen, hielt sich erstaunlich lange im Amt, allen Kritiken und Kritikern zum Trotz.

FC Schalke 04 - Borussia Dortmund
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Nun sahen sich die Schalker Verantwortlichen aber offenbar zum Handeln genötigt. Zwar hatten die „Knappen“ das prestigeträchtige Revier-Derby gegen Borussia Dortmund mit 2:1 gewonnen. Das enttäuschende Unentschieden gegen Champions-League-Gruppengegner Maribor und die 1:2-Niederlage im darauffolgenden Ligaspiel gegen Hoffenheim war wohl zu wenig.

DüsseldorfSchalke 04 ist nicht nur ein Fußballverein. Der Klub ist ein Phänomen. Er gehört zur modernen Pop-Kultur, er ist Religion und Lebenselixier für seine Fans. Und das, obwohl die Knappen nur mäßig erfolgreich sind. Seit fast sechzig Jahren sind sie nicht mehr Deutscher Meister geworden. Der Beste zu sein, ist im Fußball eben nicht alles.

In dem Spiel, das längst ein großes Geschäft ist, zählt das Image. Und wer so starke Emotionen wie Schalke hervorruft, sticht heraus und schwimmt in der Gunst der Geldgeber oben mit. So fühlte eine ganze Republik mit den Königsblauen, als sie 2001 viereinhalb Minuten Meister waren – und dann ganz blöd den Titel in letzter Sekunde verloren.

Der Meister der Herzen war zuvor mehrere Jahrzehnte im Mittelmaß verschwunden. Seit vielen Spielzeiten zählt er sportlich aber nun wieder zur deutschen Fußballelite. Doch im Gegensatz zur Borussia in Dortmund fehlt dem Verein noch etwas für den ganz großen Wurf: Geduld, Weitblick und Stabilität.

Das zeigt nicht nur die unglückliche und völlig aus dem Ruder geratene Debatte um den jüngst entlassenen Trainer Jens Keller. Auf Schalke gibt es Dutzende solcher Geschichten, bei denen sich unabhängige Beobachter an den Kopf fassen: Was für ein Chaos! Verwundern mag es da, dass der Verein trotzdem wieder so gut kickt.

Zufall ist das jedoch nicht. Im modernen Fußball zählen heute drei Dinge: Ein modernes Stadion, eine große Fan-Basis und ein positives Image, das Sponsoren anzieht. All das bietet Schalke. Und es ist gleichzeitig die Basis, um wiederum genügend Geld zu generieren. Denn auf Dauer schwimmen nur die finanziell Starken sportlich oben mit. Vielleicht gelingt es ja nun mit dem neuen Trainer Roberto Di Matteo endlich wieder einmal Deutscher Meister zu werden. Bei seinem Debüt konnten die „Königsblauen“ mit 2:0 gegen Hertha BSC gewinnen.

Mit den Bergleuten, die ihn schufen, verbindet die Knappen dagegen eigentlich nur noch die Erinnerung. Diese Tradition wird zwar immer noch gerne beschworen, hat aber mit dem Mythos Schalke nichts zu tun. Der entstand ganz anders – fern von Chaos, aber mit Tiki-Taka a la Barcelona. Und der Hilfe von Ruhrbaronen.

Das Erfolgsmodell
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