Fußball
Unerwartete Abstiegsangst in Hannover

dpa HANNOVER. Wütend schmiss Per Mertesacker das klitschnasse Trikot auf den Boden und fluchte. „Jetzt sind wir wieder auf andere angewiesen, weil wir es selber nicht in Griff kriegen“, schimpfte Hannovers Nationalspieler nach der 1:2 (1:0)-Niederlage gegen Borussia Dortmund.

„Das Zittern geht wieder los.“ Völlig unerwartet hat Hannover 96 kurz vor dem Ende der Bundesliga-Saison noch die Abstiegsangst gepackt. Da half es wenig, dass BVB-Trainer Bert van Marwijk anerkennend sagte: „Das ist das erste Mal in zwei Jahren Bundesliga, dass wir ein Spiel mit so viel Glück und so unverdient gewonnen haben.“

Vor wenigen Wochen träumten viele Hannoveraner noch vom Uefa-Cup, doch nach zuletzt elf Spielen mit nur einem Sieg bangen sie wieder einmal um den Klassenerhalt. Der schlimmste Fall ist bei 36 Punkten zwar unwahrscheinlich, aber theoretisch noch möglich. Dabei zeigte 96 gegen den BVB ein gutes Spiel und erarbeitete sich reichlich Torchancen. „Wir hätten schon zur Halbzeit 3:0 oder 4:0 führen müssen, und dann kriegen wir die Eier-Dinger hinten rein. Da müssen wir uns nicht wundern, dass wir unten stehen“, klagte Mertesacker. Der Verteidiger hatte sein Team kurz vor der Pause in Führung gebracht, ehe Tomas Rosicky (60.) und Christian Wörns (81.) das Spiel kippten.

Dass ausgerechnet Wörns das entscheidende Tor machte, ließ den Streit um den Einsatz des Dortmunder Verteidigers erneut hochkochen. „Das ist Wettbewerbsverzerrung“, kritisierte 96-Trainer Peter Neururer, weil Wörns vom Kontrollausschuss des DFB für fünf Spiele gesperrt worden war, aber wegen der noch ausstehenden mündlichen Verhandlung vor dem Sportgericht spielen durfte.

„Ich kann ja nichts dafür, dass der DFB erst am Donnerstag entscheidet“, sagte Wörns und gab zu: „Nach der Hetzjagd der letzten Wochen war es nicht so einfach für mich.“ Weniger freundliche Worte wählte BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke. „Das unsägliche Gequassel von Herrn Neururer kann ich nicht mehr hören“, sagte Watzke. „Ich kann ihm nur ganz dringend raten, auf seine eigene Mannschaft zu schauen, statt alles in der Liga zu kommentieren.“

Deutliche Worte hatte es bei der Borussia bereits in der Halbzeit gegeben. „Der Zorc ist laut geworden, und es sind einige Sachen gefallen, die nicht druckreif sind“, berichtete Wörns über die „Kabinen-Predigt“ des Sportdirektors. Während allein Torwart Dennis Gentenaar über 90 Minuten eine starke Leistung zeigte und der eigentliche Match-Winner für den BVB war, boten einige Feldspieler erst nach dem Wechsel eine ausreichende Leistung.

Dabei wurde deutlich, wie wichtig der abwanderungswillige Rosicky ist. Erst mit der Einwechselung des Tschechen kurz nach der Halbzeit wurde das Offensivspiel der Dortmunder druckvoller und gefährlicher. „Wir können sagen, dass wir viele Talente haben, aber der Fortschritt muss schneller kommen“, sagte Wörns und forderte hochkarätigen Ersatz für den zu Atletico Madrid strebenden Rosicky und dessen Landsmann Jan Koller. Dass der Stürmer nach sieben Monaten Pause wegen eines Kreuzbandrisses in der Schlussphase sein Comeback gab, ging angesichts der turbulenten Nachspiels in Hannover fast unter.

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