Fußball
Van-Gaal-Poker geht weiter

Der Poker um einen möglichen Wechsel des niederländischen Trainers Louis van Gaal zum FC Bayern München nimmt groteske Züge an. Der 57-Jährige warb zwar bereits bei seinen Spielern um Verständnis für den angestrebten Wechsel nach München. Doch unter Druck setzen will er seinen aktuellen Verein AZ Alkmaar nicht. Und so sagt er: „Alles ist in der Schwebe.“

HB AMSTERDAM. Der FC Bayern München muss auf seinen Wunschtrainer wahrscheinlich länger als gedacht warten. Er wolle seinen Club AZ Alkmaar wegen eines eventuellen Wechsels nach München "nicht unter Druck setzen", sagte der niederländische Coach. "Ich glaube nicht, dass das diese Woche noch etwas wird", zitierte "De Telegraaf" den 57-Jährigen. "Alles ist in der Schwebe", sagte van Gaal am Rande eines Empfangs zum Saisonabschluss beim AZ Alkmaar. Beeinflussen kann der FC Bayern die Entscheidung nach van Gaals Worten derzeit nicht. "Das ist eine Sache für die fünf Leute, die diesen Club leiten. Wir haben immer alles in diesem Fünferkreis besprochen und gelöst. Und ich finde, dass es auch hier einen Ausweg geben muss."

In Medienberichten hieß es, van Gaal sei sehr daran gelegen, den AZ Alkmaar "erhobenen Hauptes durch die Vordertür verlassen zu können". Kern der Auseinandersetzung ist sein Vertrag, der ihn eigentlich noch bis Mitte 2010 an den AZ Alkmaar bindet. Bei dem Empfang zeigten sich der Trainer und der Clubchef und Besitzer des AZ Alkmaar, Dirk Scheringa, der sich bislang gegen van Gaals Weggang ausgesprochen hat, erstmals seit langem wieder in freundschaftlicher Umarmung.

Holländische Zeitungen veröffentlichten am 12. Mai ein Foto, auf dem van Gaal den lachenden Clubchef auf die Wange küsst. "Dirk, wir beide mögen uns", habe der Coach bei der angeblich spontanen Versöhnungsgeste während des Clubempfangs zu Scheringa gesagt. Kurz zuvor hatte er seinen Spielern erklärt: "Bayern München ist für mich nun mal ein Traumclub." Van Gaal würde beim deutschen Rekordmeister gern einen Zweijahres-Vertrag bis 2011 unterzeichnen. Die Bayern lehnen eine Ablösezahlung weiterhin ab, Manager Uli Hoeneß schlug bereits am Montag im "Kicker" auch skeptische Töne an: "Ich halte den Wechsel im Moment für sehr gefährdet." In bislang unbestätigten Medienberichten ist inzwischen davon die Rede, dass sich Alkmaar-Boss Scheringa eine Ablösesumme in Höhe von 2,5 Mill. Euro für van Gaal vorstelle.

Van Gaal wirkte am Abend teils pessimistisch: "Ich weiß nicht, ob ich wirklich nach Deutschland gehen kann", sagte er seinen Spielern. Es koste ihn in dieser Situation "viel Energie, um glaubwürdig zu bleiben". AZ-Clubchef Scheringa betonte, er werde im Tauziehen mit den Bayern um seinen Meistermacher nicht nachgeben. Van Gaal, der kürzlich mit dem AZ Alkmaar den Titel in der Ehrendivision geholt hat, habe bekanntlich bei AZ Alkmaar einen Vertrag bis 2010.

Zugleich kündigte Scheringa nun sofort ein persönliches Gespräch mit van Gaal über das Bayern-Thema an. Das Ergebnis könne möglicherweise umgehend bekanntgemacht werden, hieß es in Clubkreisen. Scheringa wies jedoch einen Bericht zurück, nach dem der Trainer sich bei der Übernahme des AZ Alkmaar vertraglich ausbedungen habe, dass er als Belohnung für den Meistertitel vorzeitig gratis zu einem anderen Club wechseln könne.

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