Fußball Verband
DFB-Präsident Zwanziger: "Regelung ist gerecht"

DFB-Präsident Theo Zwanziger hat die Forderungen der DFL im bevorstehenden Poker um einen neuen Grundlagenvertrag mit dem DFB zurückgewiesen und die bestehende Regelung als gerecht bezeichnet.

DFB-Präsident Theo Zwanziger hat den Forderungen der Deutschen Fußball Liga (DFL) im bevorstehenden Poker um einen neuen Grundlagenvertrag mit dem Deutschen Fußball-Bund (DFB) weitgehend eine Absage erteilt. "Man könnte noch sagen, da wäre ein halbes Prozent mehr oder weniger denkbar. Aber ansonsten ist die Regelung gerecht", machte Zwanziger im Vorfeld des DFB-Bundestages am Donnerstag und Freitag in Mainz im Interview mit der Tagezeitung Die Welt seinen Standpunkt deutlich.

Der Ligaverband zahlt derzeit jährlich mindestens 12,8 Mill. Euro an den DFB für die Nutzung überlassener Rechte und Zahlung eines jährlichen Pachtzinses von drei Prozent der Eintrittsgelder und Media-Einnahmen aus Meisterschaftsspielen der Lizenzligen. Der DFB hat sich verpflichtet, aus den Einnahmen der A-Länderspiele (TV-Rechte, Sponsoren, Eintrittsgelder etc.) abzüglich damit direkt zusammenhängender Aufwendungen eine Vergütung von 18 Prozent oder mindestens 12,0 Mill. Euro an den Ligaverband zu zahlen.

Als zusätzliche Einnahmequellen für die Vereine hält Zwanziger in Zukunft die Beteiligung von Investoren über die derzeitige "50+1"-Regelung hinaus für möglich. Die zur Verhinderung von Einflussnahme starker Finanziers auf die Politik von Klubs erlassene Vorschrift bringt nach Ansicht des DFB-Chefs "viel Stabilität. Aber man muss sehen, ob das die Wettbewerbsfähigkeit unserer Klubs im internationalen Vergleich auf Dauer beeinträchtigt. Bisher waren die Gründe noch nicht so massiv, dass man ein bewährtes System aufgeben sollte. Aber ich könnte mir eine Entwicklung dahin gehend vorstellen, dass man irgendwann sagt: Um international konkurrenzfähig zu sein, muss man neue Möglichkeiten schaffen".

Eine weitere Alternative zur Finanzierung der Vereins-Budgets sieht der Jurist Zwanziger in der Umbenennung von Vereinen nach ihren Sponsoren: "Bei dem Verbot der Namensführung gegenüber dem Verein bin ich mir nicht sicher, ob das überhaupt gerichtsfest ist. Das hat was mit Bevormundung zu tun, und die Vereine sind autonom. Ob wir als Verband also zwingend untersagen dürfen, dass ein Verein mit einem Sponsorennamen bei uns nicht Mitglied sein darf, erscheint mir juristisch fraglich."

Mit Blick auf die ebenfalls in Kürze anstehenden Gespräche über einen TV-Vertrag für die Länderspiele der deutschen Nationalmannschaft ab 2009, aus dem die Spiele des DFB-Pokals zugunsten einer "wirtschaftlich angemessenen Vermarktung des Pokals für den DFB und die Liga" ausgeklammert sein könnten, machte der DFB-Präsident aus seiner Präferenz für die derzeitigen Rechte-Inhaber ARD und ZDF nur eingeschränkt ein Hehl: "Es gibt keine Bestandsgarantie, aber eine Sympathie", sagte Zwanziger.

Der 62-Jährige verbindet seine Sichtweise jedoch eindeutig mit dem Wunsch nach künftig früheren Anstoßzeiten bei Länderspielen: "Wir tun uns mit dem ZDF leichter, die ARD hat nun mal die "Tagesschau" als Fixpunkt. Das können wir begreifen. Es wird dann aber meistens 20.45 Uhr, bis es zum Anstoß kommt. Das ist uns eigentlich zu spät, und wir werden es im Rahmen der Gespräche thematisieren." Zwanziger erhofft sich für den Fall einer Vertragsverlängerung auch mehr Sendezeiten für gesellschaftliche Botschaften des Fußballs an die Fans wie zuletzt den vom Verband produzierten sowie von ARD und ZDF ausgestrahlten Film über Bolzplätze: "Das passt auch zum kulturellen Auftrag der Öffentlich-Rechtlichen."

Als Lehre aus der öffentlichen Debatte über die Absage des Deutsch-Iraners Ashkan Dejagah für das U21-Länderspiel in Israel will der DFB-Boss beim Nachwuchs das Bewusstsein für Deutschlands Historie stärken: "Wir brauchen für jeden Jungen oder jedes Mädchen, der oder das ab den U15-Mannschaften erstmals zu uns kommt, eine geistige Auseinandersetzung mit dem, was Deutschland ist. Wer für Deutschland aufläuft, muss die Geschichte kennen. Wir müssen Wissenslücken füllen. Besonders bei den Talenten aus Migrationsländern. Sportdirektor Matthias Sammer und Manager Oliver Bierhoff arbeiten daran, wie wir das machen."

© SID

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