Fußball
Vereine reagieren auf Wettskandal

Mündliche Befragungen, schriftliche Erklärungen, juristischer Beistand - nach den unliebsamen Schlagzeilen der vergangenen Tage über den Fußball-Wettskandal haben erste Vereine Maßnahmen eingeleitet.

dpa DÜSSELDORF. Vor allem die durch die Affäre im Fokus stehenden Clubs sind um Schadensminimierung bemüht. Nach den Spielern des deutschen Regionalligisten SSV Ulm müssen nun auch die Profis des Schweizer Zweitligisten FC Thun schriftlich versichern, nichts mit illegalen Wettmachenschaften zu tun zu haben.

Darüber hinaus erwägt auch Drittligist VfL Osnabrück eine schriftliche Erklärung aller Spieler. "Das macht vielleicht Sinn, warum nicht. Wenn einer nichts zu verbergen hat, kann er ein solches Schriftstück ja ruhigen Gewissens unterschreiben. Wir besprechen derzeit mit unseren Anwälten unser weiteres Vorgehen", sagte Manager Lothar Gans.

Alle drei Clubs sollen laut Medienberichten in die Affäre verwickelt sein. Demnach stehen vier Spiele der Ulmer, zwei Partien der Schweizer und zwei Begegnungen der Osnabrücker unter Manipulationsverdacht. Alle Spieler des SSV Ulm haben bereits ein entsprechendes Schriftstück unterzeichnet. "Sollte sich später etwas anderes ergeben, folgt die sofortige Kündigung", sagte Vizepräsident Mario Meuler.

Auch beim Viertligisten SC Verl wurde über das weitere Vorgehen beraten. Ein 34 Jahre alter Mann aus Lippstadt soll laut Haftbefehl versucht haben, auf Verler Spieler einzuwirken, um den Spielausgang zu beeinflussen. Nach Angaben seines Anwalts seien die Partien aus der vergangenen Saison bei Borussia Mönchengladbach II (4:3) am 30. Mai 2009 und gegen den 1. FC Köln II (0:1) am 6. Juni 2009 betroffen. Ein von Gladbach eingeschalteter Anwalt soll prüfen, ob eventuelle Ermittlungen auch die Borussia betreffen. "Wir haben unseren Anwalt beauftragt, herauszufinden, ob da etwas dran ist. Ansonsten kann ich dazu nichts sagen, weil wir nichts wissen", kommentierte Borussia-Sportdirektor Max Eberl.

In den von den Ermittlungen bisher nicht betroffenen Bundesliga-Vereinen steigt die Sensibilität für das Thema. Seit dem Bestechungsskandal um Schiedsrichter Robert Hoyzer vor vier Jahren ist es den Profis im deutschen Fußball untersagt, selbst oder durch Dritte auf Partien ihrer Spielklassen zu wetten. Diese Regelung hatte der Deutsche Fußball-Bund (DFB) am 28. April 2005 auf dem außerordentlichen Bundestag in Mainz in die Musterverträge der Vertrags- und Lizenzspieler aufgenommen.

Nach Einschätzung von Wolfgang Holzhäuser bietet diese Regelung jedoch keinen vollen Schutz vor Manipulationen. "Es ist schwer, sich gegen solche Praktiken zur Wehr zu setzen", bekannte der Geschäftsführer des Bundesliga-Tabellenführers Bayer Leverkusen. In Leverkusen haben sich seit der Hoyzer-Affäre alle Spieler vertraglich verpflichtet, etwaige betrügerische Angebote an Holzhäuser oder Sportchef Rudi Völler zu melden. Als zusätzliche Sicherheit hat der Club bei einem Kölner Strafrechtler eine Hotline eingerichtet, bei der sich die Spieler auch anonym melden können. "Damit haben wir alles getan, was möglich ist", sagte Holzhäuser.

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