Fußball-Weltmeisterschaft
„Anpfiff“ für den Einzelhandel

Wenn im Juni die Fußball-Weltmeisterschaft startet, werden die Tage auch für den Einzelhandel in Deutschland länger. In Köln öffnen viele Geschäfte schon seit Anfang April am ersten Sonntag des Monats ihre Ladentüren. Die Euphorie ist groß - auch der Immobilienmarkt in Köln erhofft sich einen Aufschwung.

KÖLN. Für den Kölner Einzelhandel hat die Fußball-WM schon Anfang April begonnen. Unter dem Motto "Anpfiff" öffneten viele Geschäfte in der Domstadt am ersten Sonntag dieses Monats ihre Ladentüren - darunter auch das von Architekt Renzo Piano geplante Modekaufhaus Peek & Cloppenburg. Gleichzeitig lockte der Veranstalter, das städtische WM-Büro, die Besucher mit einem breiten Rahmenprogramm: Als Highlight bot man eingeschworenen Fußballfans eine Sonderfahrt im legendären WM-Zug VT 01 von 1954, außerdem wurde ein Fußballturnier veranstaltet. Auf Kölns zentraler Einkaufsstraße, der Schildergasse, präsentierten sich derweil jene acht Nationen, deren Mannschaften im Kölner Rheinenergie-Stadion zur Vorrunde antreten werden. 800 000 Besucher zählten die Initiatoren am 2. April, etwa so viele wie am diesjährigen Rosenmontagszug.

"Die Fußball-WM ist eine Riesenchance für Köln", urteilt Heinrich Remagen, Kölner Einzelhändler und stellvertretender Vorsitzender von City Marketing Köln, einem vor zehn Jahren gegründeten Zusammenschluss von Händlern, Hoteliers, Gastronomen und anderen Dienstleistern der Stadt. Neben höheren Umsätzen erhoffen sich die Kölner dabei auch dauerhaft positive Impulse. "Die Fußball-WM wird den internationalen Bekanntheitsgrad der Stadt erhöhen", sagt Klaus Jenniges, Leiter des städtischen Amtes für Wirtschaftsförderung. "Allein die Tatsache, dass die brasilianischen Fans Quartier in Köln beziehen werden, ist als Werbefaktor für unsere Stadt unbezahlbar."

Zwischen 4 000 und 6 000 fußballbegeisterte Brasilianer werden in der Stadt am Rhein erwartet - und das, obwohl sie hier kein Spiel ihres Teams verfolgen können. Auf Grund seiner verkehrsgünstigen Lage, aber auch durch seine "weichen" Standortfaktoren habe die Stadt die Verantwortlichen des brasilianischen Reiseveranstalters Planeta Brasil überzeugt, freut sich Martin Tamm, Direktor des Kölner Hotels Crowne Plaza und Vorsitzender von "Take Five", dem Zusammenschluss der großen Kölner Kongresshotels mit inzwischen zwölf Mitgliedern. "Uns verbindet schließlich nicht zuletzt der Karneval", sagt Tamm. So hofft die Kölner Hotellerie darauf, dass es Ronaldinho & Co. möglichst bis ins Turnier-Finale schaffen, schließlich bleiben dann auch die Fans in der Stadt. Tamm rechnet mit etwa 100 000 zusätzlichen Übernachtungen, die die Weltmeisterschaft Kölner Hoteliers bescheren könnte. "Zum Schlagerspiel England gegen Schweden am 20. Juni sind alle Häuser bereits ausgebucht", sagt er. Doch nicht nur Einzelhandel und Hotellerie profitieren vom Fußball-Großereignis. Auch für den Immobilienstandort erhofft sich Wirtschaftsförderer Klaus Jenniges den einen oder anderen Impuls. "Ausländische Investoren, die im Augenblick in Deutschland sehr aktiv sind, kennen vielleicht eine Hand voll Städte", sagt er. Wer Köln noch nicht kenne, werde die Stadt durch die Fußball-WM kennen lernen, eine Chance, die nicht zu unterschätzen sei.

Tatsächlich gehört die Domstadt bislang nicht in die Riege der deutschen "Immobilienhochburgen" - und das, obwohl Köln die viertgrößte bundesdeutsche Stadt ist. "Zu Unrecht", findet Wirtschaftsförderer Jenniges, auch wenn er einräumt, dass der Stadt ein paar mehr der internationalen Großunternehmen gut zu Gesicht stünden. Immerhin drehen sich derzeit in der rheinischen Metropole mehr Kräne als anderswo in der Republik: "Mehrere Großprojekte sind in den vergangenen Monaten begonnen worden", sagt Jens Hoppe, Leiter der Kölner Niederlassung des internationalen Immobilienberaters Atisreal. Dies zeige, dass Projektentwickler an den Standort Köln glaubten: "Die Nachfrage nach modernen, hochwertig ausgestatteten Büroflächen wird in den kommenden beiden Jahren steigen."

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