Fußball-Weltverband sikutiert über Tagesordungspunkt
Fifa prüft Einführung einer Ethikkommission

Beim 56. Fifa-Kongress stehen ab heute in München wichtige Tagesordnungspunkte auf dem Programm. Der Fußball-Weltverband will dabei unter anderem über die Einführung einer unabhängigen Ethikkommission beraten.

Der Weltfußball hatte in den vergangenen Wochen und Monaten einige negative Schlagzeilen zu verkraften. Wett- und Schiedsrichter-Skandale in Deutschland und Italien, juristische Scharmützel, wachsende Kommerzialisierung und Verstöße gegen den Ehrenkodex sogar durch Mitglieder des Exekutivkomitees haben den Weltfußball-Verband Fifa aufgeschreckt. Kein Wunder, dass Fifa-Boss Joseph S. Blatter gern vom "Fußball auf Abwegen" spricht und auf dem 56. Kongress des Fußball-Weltverbandes heute und am Donnerstag in der Messe München Maßnahmen gegen die Auswüchse ergreifen möchte.

Die 207 Mitgliedsverbände sollen die Einführung einer unabhängigen Ethikkommission als drittes Rechtsorgan neben der Disziplinar- und Berufungskommission beschließen. "Das ist ein wichtiger und wegweisender Schritt, weil wir nun ein Instrument in der Hand haben, mit dem sich der Fußball selber kontrolliert", erklärte Blatter.

Als fatal hatte sich das aus Mitgliedern des Exekutivkomitees, der "Regierung des Weltfußballs", bestehende bisherige Ethik-Gremium erwiesen. "Die Zusammensetzung war falsch", bekannte der mächtige Fifa-Chef offen.

Blatter meinte damit vermutlich den Fall Jack Warner (Trinidad und Tobago), Präsident der Fußball-Konföderation von Nord- und Mittelamerika sowie der Karibik Concacaf. Dem Vize-Präsidenten der Fifa wurde vorgeworfen, Trinidad/Tobagos Kontingent an Karten für die WM überteuert und nur über das familieneigene Reisebüro verkauft zu haben. Ein klarer Verstoß gegen den Ehrenkodex.

Mehr als eine Rüge gab es für Warner aber nicht, denn das Exekutivkomitee kann kein eigenes Mitglied entlassen. Dies können nur die Konföderationen, aber Warner hat den Concacaf-Verband, den er seit 1990 regiert, sicher im Griff. Abhilfe könnte eine unabhängige Ethikkommission schaffen. Einer wie Jack Warner, früher stets ein enger Vertrauter Blatters, muss sich auf diese neue Konstellation einstellen.

Welche Sanktionen die unabhängige Ethikkommission verhängen wird, ließ Blatter noch offen. "Wir wollen einen Schritt nach dem anderen bewältigen und keinen Schnellschuss machen", meinte der Schweizer, der zuversichtlich ist, eine optimale Besetzung für das Gremium zusammenzustellen: "Wir haben 250 Mill. Leute in der großen Fifa-Familie. Da müssten wir doch adäquate Persönlichkeiten finden." Auf jeden Fall soll die neue Ethikkommission bei einem positiven Votum auf dem Kongress noch in diesem Jahr ihre Arbeit aufnehmen.

Die Prozessflut, mit der sich die Fifa zuletzt konfrontiert sah, will der Fifa-Präsident zu schnell wie möglich beenden. "Wir werden nicht das Ende der Prozesse abwarten, sondern wollen vorher Lösungen finden", kündigte der 70-jährige Blatter an.

Zuletzt wollte der Zusammenschluss der 18 europäischen Top-Klubs, die Vereinigung "G14", 860 Mill. Euro Schadenersatz von der Fifa. Dieser Schaden sei in den letzten zehn Jahren an Lohnzahlungen entstanden, nachdem Spieler verletzt von Länderspielen zurückgekehrt seien und ihren Vereinen nicht zur Verfügung gestanden hätten. Die Klage wurde abgewiesen, der Europäische Gerichtshof allerdings um eine Grundsatzentscheidung gebeten.

Ähnlich verhält sich der Fall bei der Klage des belgischen Klubs SC Charleroi gegen die Fifa. Der Verein will eine Entschädigung von 1,25 Mill. Euro, weil sich Charlerois Marokkaner Abdelmajid Oulmers im November 2004 bei einem Länderspiel einen Bänderriss am linken Knöchel zugezogen hatte. Erst sieben Monate später stand er seinem Klub wieder zur Verfügung.

In diesem Fall hat die Fifa bereits reagiert und erste Weichen gestellt. Schon bei der WM gibt es einen Versicherungspool, der einspringt, sollte die normale Versicherung des Spielers nicht ausreichen. Das Exekutivkomitee wird zudem künftig enger mit der internationalen Profi-Spieler-Vereinigung Fifpro zusammenarbeiten.

"Bei den Versicherungsleistungen deutet sich eine Lösung an", sagte Fifa-Exekutiv-Mitglied und DFB-Präsident Gerhard Mayer-Vorfelder im Gespräch mit dem Sport-Informations-Dienst (sid). Der Kompromissvorschlag könnte so aussehen: Die Fifa oder der Veranstalter einer Welt- oder Kontinentalmeisterschaft könnte bei der Zahlung der Versicherungsprämie einspringen, sollte der nationale Verband nicht in der Lage sein, die Summe aufzubringen.

© SID

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