Fußball
Werder mit Sturm und Drang zum „achten Weltwunder“

Mauern verboten: Mit frechem Offensiv- Fußball und ohne Angst will Werder Bremen bei Champions-League-Titelverteidiger FC Barcelona den Überraschung-Coup feiern.

dpa BARCELONA. Mauern verboten: Mit frechem Offensiv-Fußball und ohne Angst will Werder Bremen bei Champions-League-Titelverteidiger FC Barcelona den Überraschung-Coup feiern.

„Wir werden uns sicherlich nicht hinten rein stellen, sondern so spielen, dass wir auf Tore aus sind“, kündigte Manager Klaus Allofs vor dem „Endspiel“ in der so genannten Todesgruppe forsch an. Schon ein Punkt im Camp Nou reicht Werder für den Sprung ins Achtelfinale, was angesichts der Top-Gruppengegner FC Chelsea und „Barca“ der größte internationale Erfolg der Hanseaten seit dem Sieg im Pokalsieger-Wettbewerb 1992 wäre - und zugleich ein passendes Geschenk für Allofs' 50. Geburtstag.

Für Werder wäre es „das achte Weltwunder“, wie Clubchef Jürgen L. Born es ausdrückt, für Barcelonas Weltauswahl um Ronaldinho wäre ein Scheitern eine große Blamage. „Der Druck ist für uns nicht so groß wie für die, wir können doch nur gewinnen“, sagte Allofs froh gelaunt vor dem Abflug und versprach eine kesse Sturm- und Drang-Taktik: „Grundsätzlich steht Bremen für Offensiv-Fußball, dann sind wir am stärksten.“ Auch die Spieler warnten vor einer Defensiv-Strategie. „Wenn wir uns hinten reinstellen, kriegen wir die Bude voll“, sagte Keeper Tim Wiese: „Am besten, wir spielen auf Sieg.“

Optimistisch, aber nicht übermütig präsentierten sich auch seine Kollegen. „Ich denke nicht an den Negativ-Fall“, sagte Torsten Frings, „aber ich weiß, dass wir dort trotz allem Außenseiter bleiben. Es gibt leichtere Aufgaben, als in Barcelona einen Punkt zu holen.“ Sollte es nicht klappen, „hätten wir trotzdem schon mehr erreicht als die meisten uns zugetraut haben“. Zehn Punkte in der Gruppe mit zwei der besten Mannschaften Europas haben das Selbstbewusstsein der Bremer weiter wachsen lassen, die im Falle einer Niederlage zumindest im Uefa-Cup spielen dürfen.

Werder hat sich im dritten Jahr in der Königsklasse deutlich weiterentwickelt. Die offensive Ausrichtung ist keine Flucht nach vorne, wie sie zuvor angesichts der Defensivschwäche zwangsläufig war. „Wir stehen in diesem Jahr kompakter als im letzten, als wir in Barcelona verloren haben“, erklärte Naldo, der beim 1:1 im Hinspiel gegen mit Per Mertesacker eine Weltklasse-Innenverteidigung bot. „Wir haben uns insgesamt verbessert, wir werden dort die Qualifikation klar machen.“ Dass sie mit „Barcas“ Stars mithalten und sie unter Druck setzen können, haben die Bremer im Hinspiel eindrucksvoll bewiesen. Angesichts des späten Ausgleichs zwei Minuten vor Abpfiff warnt Tim Borowski aber: „Wir sollten nicht den Fehler machen, daran zu denken, das kann ganz schnell nach hinten los gehen. Aber wir wissen nun natürlich, dass wir bis zur 90. Minute aufpassen müssen.“

Während bei Werder bis auf Kapitän Frank Baumann alle Stammspieler fit sind und wohl die Startformation des Berlin-Spiels beginnen wird, muss Barca-Coach Frank Rijkaard mit Samuel Eto'o, Lionel Messi und Javier Saviola auf einen kompletten Weltklasse-Sturm verzichten. Ein großes Problem für seinen Kollegen sieht Schaaf darin aber nicht. „Da kann man kaum von Wertverlust sprechen, er kann nachschieben ohne Ende“, meinte der Werder-Coach. Denn 19 Nationalspieler aus elf Ländern stehen im Barca-Kader.

Barcelonas Trainer Frank Rijkaard hat vor allem vor den vielen langen Spielern von Werder Bremen großen Respekt und will daher in der Champions-League-Partie vor allem auf schnelles Flachpass-Spiel setzen. „Das ist eine sehr physische Mannschaft. Sie sind sehr groß, anders als wir“, sagte der Coach am Montag in Barcelona. „Wir werden bestimmte Spielsituationen vermeiden müssen“, erklärte er zu Werders Kopfballstärke.

Superstar Ronaldinho verneinte, dass es angesichts des Drucks auf sein Team eine besondere Verantwortung für ihn gebe. „Es ist für mich wie immer“, sagte der Brasilianer. „Der einzige Unterschied ist, dass wir gewinnen müssen.“ Werder Bremen „kennen wir jetzt gut, sie spielen gefährliche Konter“.

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