Fußball-Wettskandal
Auch DFB-Schiedsrichter im Visier der Ermittlungen

Im größten Wettskandal in der Geschichte des europäischen Fußballs werden immer mehr Details bekannt. Laut übereinstimmenden Medienberichten soll nun auch ein Schiedsrichter des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) ins Visier der Ermittler geraten sein. Drei Spieler aus Osnabrück stehen ebenfalls unter Verdacht. Alle beteuern ihre Unschuld.
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HB FRANKFURT/MAIN. Laut übereinstimmenden Medienberichten stehen drei Spieler unter Verdacht, die vergangene Saison für den aus der Zweiten Liga abgestiegenen VfL Osnabrück aktiv waren. Auch gegen den Viertligisten SSV Ulm soll es offenbar mehrere Verdachtsmomente geben, ebenso gegen einen DFB-Schiedsrichter.

Bei den Spielern soll es sich um die beiden Ex-Bundesliga-Profis Thomas Cichon und Thomas Reichenberger handeln, außerdem um Marcel Schuon. Reichenberger, der als einziger von den dreien noch in Osnabrück aktiv ist, sagte laut „Bild“: „Der Trainer hat mich informiert über die Vorwürfe. Es gibt aber die Richtlinie des Vereins, sich nicht dazu zu äußern. Außerdem ist unser Spiel jetzt gegen Dortmund II definitiv wichtiger.“

Cichon, der mittlerweile in Südafrika spielt, sagte laut „Welt Online“: „Ich weiß nicht, dass gegen mich ermittelt wird. Wer mich kennt, der weiß, was los ist, damit habe ich nichts zu tun. Das ist reine Spekulation.“

Bei Schuon, der mittlerweile beim Drittligisten SV Sandhausen unter Vertrag ist, stand am Donnerstag die Polizei vor der Tür. „Das stimmt“, bestätigt Sandhausen-Präsident Jürgen Machmeier laut „Sport Bild online“. Schuon wurde deswegen nicht für die Partie am Samstag gegen Bremen II nominiert. „Wir wollen nur Spieler einsetzen, die voll bei der Sache sind“, sagte Machmeier. Der Verein habe mit Schuon und dessen Lebensgefährtin intensiv gesprochen. „Er hat uns versichert, dass er nichts gemacht hat“, sagte Machmeier.

Laut „Spiegel“ ist der Regionalligist SSV Ulm offenbar tiefer in den Wettskandal verwickelt als bislang bekannt. Nach Informationen des Magazins stehen vier Regionalligaspiele des baden-württembergischen Traditionsvereins aus der Endphase der vergangenen Saison unter Manipulationsverdacht. SSV-Vizepräsident Mario Meuler sagte: „Wir gehen davon aus, dass niemand mit dieser Sache etwas zu tun hat.“ Auch ein Schiedsrichter des DFB solle bei einem Spiel der Regionalliga Süd im Mai Schmiergeld von den mutmaßlichen Wettbetrügern kassiert haben.

DFB und Ligaverband kündigen rigoroses Vorgehen an

Die Hauptbeschuldigten aus der sogenannten „Führungsebene“ stammen dem Magazin zufolge aus Berlin, Nürnberg, dem Ruhrgebiet und einer Stadt bei Osnabrück. Sie sollen von Deutschland aus etwa 200 Fußballspiele in Europa für ihr Wettgeschäft manipuliert haben. In Belgien soll die Bande sogar einen Zweitligisten mit korrumpierbaren Spielern unterwandert haben.

In Deutschland gibt es mit 32 Spielen von der Zweiten Bundesliga abwärts die meisten Verdachtsfälle. Insgesamt 17 Haftbefehle wurden vollstreckt, davon zwei in der Schweiz und 15 in Deutschland. Der Schaden wird derzeit auf etwa zehn Mio. Euro beziffert. Das ist nach Einschätzung der Ermittler aber „nur die Spitze des Eisbergs“. DFB und Ligaverband kündigten eine rigorose Verfolgung der Manipulationen an und sagten Polizei und Staatsanwaltschaft ihre Hilfe bei der Aufklärung zu.

Zwanziger: „Wo Geld ist, da ist auch Korruption“

Für Theo Zwanziger, den Präsidenten des Deutschen Fußball-Bundes (DFB), ist der Wettskandal im Fußball auch ein gesamtgesellschaftliches Phänomen. „Ich weiß nicht, wie viel Korruptionsverfahren es bei Siemens oder an anderer Stelle in der Gesellschaft gibt. Wo Geld ist, da ist auch Korruption. Der entscheidende Punkt ist, wie gehen die Sportler damit um“, sagte Zwanziger auf dem Turntag des Deutschen Turner-Bundes (DTB) am Samstag in der Rhein-Mosel-Halle in Koblenz. „Korruption und Bestechung haben wir auch, aber wer hat das denn nicht“, sagte der DFB-Präsident. Von 1,4 Mio. Fußballspielen würden jetzt 32 vom Staatsanwalt untersucht.

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