Fußball
Wie korrupt ist die Bundesliga?

Die Affäre um vermeintlich illegale Transferzahlungen bei Werder Bremen nährt Gerüchte um Korruption in der Bundesliga.

DÜSSELDORF. Ausgerechnet Werder Bremen. Wie kaum ein anderer Bundesligaklub stehen die Norddeutschen für Seriosität und Integrität, für solides Wirtschaften und sportlichen Erfolg. In den vergangenen Wochen hat die grün-weiße Weste jedoch einige hässliche Flecken bekommen: Vorstandschef Jürgen Born trat zurück, weil er beim Wechsel eines peruanischen Spielers im Jahr 2001 möglicherweise 50 000 Dollar in die eigene Tasche gesteckt hat.

Entsprechende Hinweise fanden sich in den Unterlagen des an dem Transfer beteiligten peruanischen Spielervermittlers Carlos Delgado, seine Ehefrau spielte diese der Presse zu. Born bestreitet die Vorwürfe. Für weiteren Wirbel sorgt der Bremer Spieler Claudio Pizarro. Er geriet als Teilhaber von Image, der Firma seines Landsmanns Deldago, in die Kritik. Pizarro soll bei Spielertransfers mitkassiert haben, was aktiven Profis laut Statuten des Weltverbandes Fifa untersagt ist.

Dass es ausgerechnet Werder Bremen zu treffen scheint, nährt einen schlimmen Verdacht: Wie Gespenster huschen seit Jahren Gerüchte über illegale finanzielle Doppelpässe zwischen Vereinsfunktionären und Spielervermittlern durch die Bundesliga. Das böse Wort der Korruption schwebt über dem beliebtesten deutschen Sport. Der Rechtsanwalt und Berater von Michael Ballack, Michael Becker, formuliert es ironisch: „In der Fußballszene gibt es genauso wenig Korruption wie etwa bei Siemens oder Volkswagen oder bei den kommunalen Bauämtern...“ Es gehe in dem Geschäft um viel Geld, da sei es nicht verwunderlich, wenn einige schwach würden.

Im Profi-Fußball nennt sich das „Kickback“ – und funktioniert in etwa so: Ein Verein lädt einen interessanten Spieler zum Kennenlernen zu sich ein. Während des Gesprächs unterbreitet ihm der Klubfunktionär ein unmoralisches Angebot: Wenn der Spieler den Transfer nicht über seinen bisherigen Berater abwickle, sondern über einen bestimmten, dem Funktionär nahestehenden Vermittler, könne er deutlich mehr Geld verdienen. Stimmt der Spieler zu, ist der Weg für den Kickback frei: Der Funktionär schreibt eine Rechnung über die Beraterprovision auf den ihm nahestehenden Vermittler. Dieser überweist über einige Umwege einen großen Teil der Summe zurück auf das Konto des Klubmanagers – und freut sich über seinen Teil des leicht verdienten Geldes.

Mehrere Vermittler bestätigen, dass es in der Bundesliga solche Geschäfte gibt. Nachgewiesen wurden diese freilich bisher nicht. Für die Kontrollgremien des Vereins oder für die Deutsche Fußball Liga (DFL) sind Kickback-Zahlungen aber nur schwierig aufzudecken: Der Deal sieht von außen sauber aus, schließlich sind stattliche Provisionen für Spielerberater bei Transfers üblich. Welcher Berater dabei eingeschaltet wurde, interessiert die Kontrolleure meist nicht, solange dieser eine Fifa-Lizenz besitzt.

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