Fußball
Willkommener Bundesliga-Alltag für Nationalspieler

dpa DüSSELDORF. Selten haben Nationalspieler den Bundesliga-Alltag so herbeigesehnt. Drei Tage nach der viel diskutierten 1:4-Schlappe in Italien kommt der Rückzug in die Normalität gerade recht.

Die heftige Kritik im Anschluss an das WM-Testspiel war für viele Profis aus der Klinsmann-Elf ebenso demütigend wie der desaströse Auftritt in Florenz. Der Kampf um Punkte soll helfen, das arg beschädigte Selbstwertgefühl wiederherzustellen und die peinliche Lehrstunde möglichst schnell vergessen zu machen. „Die Spieler müssen ab sofort beißen, im Training, in der Bundesliga, international. Jetzt ist Vollgas gefordert“, sagte Bayern-Torhüter Oliver Kahn.

Mehr denn je sind psychologische Fähigkeiten gefragt - nicht nur bei Klinsmann. Auch die Vereinstrainer wollen rund drei Monate vor der WM ihren Beitrag leisten. Stellvertretend für viele Bundesliga- Kollegen regte Peter Neururer eine intensivere Zusammenarbeit auf allen Ebenen an. „Wir sollten die Kräfte bündeln“, sagte der Coach von Hannover 96 vor der Partie seiner Mannschaft gegen Schalke 04. Seinem gegen Italien überforderten Manndecker Per Mertesacker sprach er demonstrativ Mut zu: „Ich bin überzeugt, dass wir ihn wieder aufbauen können.“

Am 24. Bundesliga-Spieltag gilt den WM-Kandidaten besondere Aufmerksamkeit. Mit Argusaugen wird beobachtet, ob sie nach dem Offenbarungseid gegen die Squadra Azzurra eine positive Reaktion zeigen. Vor allem Michael Ballack, der beim 1:4 ebenfalls weit unter seinen Möglichkeiten blieb, steht im Mittelpunkt. Vor dem Gipfel zwischen Spitzenreiter Bayern München und dem Tabellendritten Hamburger SV wird weniger über die sportliche Brisanz der Partie als vielmehr über den angeblich bevorstehenden Wechsel des Münchner Regisseurs zum FC Chelsea geredet.

Genervt vom anhaltenden Ballyhoo um Ballack forderte Karl-Heinz Rummenigge, der Vorstandsvorsitzende des FC Bayern, die Konzentration auf das Wesentliche: „Jetzt sollten wir die Gelegenheit nutzen, um mit einem weiteren Heimsieg einen ernsthaften Mitkonkurrenten weiter auf Distanz zu halten.“ Gelingt dem Rekordmeister im zwölften Heimspiel der zwölfte Sieg, wäre zumindest die direkte Qualifikation für die Champions League bei dann 14 Punkten Vorsprung auf den derzeitigen Tabellendritten HSV so gut wie sicher.

Die beeindruckende Heimbilanz des Gegners kann HSV-Coach Thomas Doll nicht schrecken: „Wir werden selbstbewusst nach München reisen und uns kernig präsentieren.“ Nach dem 0:2 gegen den VfB Stuttgart droht seiner Mannschaft ein weiterer Rückschlag im Kampf um den zweiten Tabellenplatz. Mit einem Sieg in Leverkusen könnte Werder Bremen seinen Vorsprung von zwei Zählern ausbauen.

Ein Platz im Scheinwerferlicht ist auch Falko Götz sicher: Nach zwölf Pflichtspielen ohne Erfolg steht der Trainer von Hertha BSC mächtig in der Kritik. Gelingt auch gegen den seit 18 Spielen sieglosen 1. FC Köln vor heimischer Kulisse kein Dreier, droht der Rauswurf. „Ich weiß, dass der Vereins nicht ewig Zeit hat. Die schönsten Konzepte taugen nichts, wenn die Ergebnisse nicht stimmen“, bekannte der Fußball-Lehrer. Sieben Platzverweise für seine Mannschaft in den vergangenen acht Partien dokumentieren den Trend. Noch hält sich Manager Dieter Hoeneß in der Trainerfrage betont zurück: „An dieser Diskussion beteilige ich mich nicht.“

Im Kampf um den Klassenverbleib hat für die beteiligten Clubs die Zeit der Endspiele längst begonnen. Eine dieser vorentscheidenden Partien steht in Nürnberg an. Mit einem Sieg über den Vorletzten MSV Duisburg will die Mannschaft von Trainer Hans Meyer den drohenden Sturz auf einen Abstiegsrang abwenden. „Ich halte nicht viel vom geflügelten Wort vom Sechs-Punkte-Spiel. Aber ein Sieg wäre sehr wichtig“, sagte Meyer. Ähnlich angespannt ist die Stimmung in Mainz: Ein Trainingslager in Nierstein soll letzte Kräfte für den anstehenden Existenzkampf mobilisieren. „Mit dem Trainingslager habe ich einen brutalen Strich unter die bisherige Saison gezogen. Jeder weiß jetzt, worum es geht“, sagte Trainer Jürgen Klopp vor dem Spiel bei Borussia Dortmund.

Der 1. FC Kaiserslautern kann am 4. März dagegen nicht in den Kampf um Punkte eingreifen. Die Deutsche Fußball Liga (DFL) sagte das Spiel gegen den VfB Stuttgart ab. Durch die starken Schneefälle der letzten Tage könne die Sicherheit auf den Anfahrtswegen und Zuschauerrängen nicht gewährleistet werden, sagte ein DFL-Sprecher. Das Spiel soll am 7. März um 18.00 Uhr nachgeholt werden, teilte ein Sprecher des 1. FC Kaiserslautern mit.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%