Fußball WM
Anhänger der "El Tricolor" feiern ausgelassen

Ecuadors Sieg zum WM-Auftakt gegen Polen hat für ausgelassene Feiern in der Heimat gesorgt. Mehrere tausend Menschen strömten auf die Straßen der Hauptstadt Quito.

Volkfeststimmung in der Hauptstadt Quito. Zwei Stunden lang waren die Straßen der 1,8 Millionen-Metropole Quito wie leer gefegt, dann herrschte Volksfeststimmung. Als um 15.51 Uhr der zweite WM-Sieg in der Geschichte des Andenstaates feststand, strömten mehrere Tausend Menschen in den gelb-blau-roten Nationaltrikots auf die verregneten Straßen, tanzten, sangen ausgelassen und feierten ein friedliches Fest. "13 Millionen Menschen haben sehnsüchtig auf diesen Tag gewartet", sagte Carlos Tenorio, der beim 2:0 (1:0)-Sieg der Südamerikaner im Duell der deutschen Gruppengegner gegen Polen das Führungstor erzielt hatte (21.): "Sie hatten viele Sorgen. Wir haben ihnen ein paar davon genommen. Jetzt werden sie bis in die Morgenstunden feiern und trinken."

Bei der Ehre gepackt

Nationaltrainer Luis Suarez hatte die Spieler vor dem Anpfiff in einem flammenden Appell noch einmal bei der Ehre gepackt und ihrer Verantwortung bewusst gemacht. "Ich habe gesagt: Denkt an eure Familien und an all die armen Menschen zu Hause", erzählte der Kolumbianer nachher: "Tragt sie während der gesamten 90 Minuten im Herzen und sorgt dafür, dass sie wieder etwas Freude haben."

Der Aufruf wirkte. Die Ecuadorianer überzeugten nicht nur taktisch und spielerisch, sondern vor allem kämpferisch. Kapitän Ivan Hurtado musste nach 69 Minute ausgewechselt werden, nachdem er bereits zwei Krämpfe hatte.

Als Agustin Delgado neun Minuten vor dem Ende den zweiten WM-Sieg in der Geschichte Ecuadors nach dem letztlich wertlosen 1:0 vor vier Jahren gegen Kroatien erzielte, jubelten die etwa 2000 Landsleute in Gelsenkirchen noch gegen mehr als 30 000 frustrierte und pfeifende Polen an. Abwehrspieler Ulises de la Cruz überlieferte seinen Mitspielern aber noch in der Kabine die frohe Botschaft aus der Heimat: "Ich habe mit meinen Eltern gesprochen. "Sie haben gesagt, dass alle feiern. Es muss unglaublich sein."

"Spektakulärer Sieg"

Staatspräsident Alfredo Palacio, der seinen Landsleuten einen halben Urlaubstag zugestanden hatte, um das Spiel gegen Polen im TV zu sehen, ließ unmittelbar nach dem Match ein Glückwunsch-Schreiben an das Nationalteam übermitteln. "Das war ein spektakulärer Sieg und für alle Ecuadorianer ein Beispiel, was man gemeinsam erreichen kann." In dem Andenstaat lebt fast die Hälfte unter der Armutsgrenze.

Suarez hat nun jedoch die Aufgabe, sein Team in aller Ruhe auf die nächste Partie am Donnerstag in Hamburg gegen Ecuador vorzubereiten. "Bis morgen früh dürfen wir uns freuen und stolz sein", meinte der Coach: "Aber dann müssen wir wieder hart arbeiten. Denn wir sind noch nicht weiter. Im Gegenteil: Es wird für uns schwerer, weil jetzt alle auf uns aufmerksam geworden sind."

Seine Mannschaft scheint dies verinnerlicht zu haben. "Die Partie gegen Costa Rica wird nun die wichtigste in unserer Geschichte", sagte Carlos Tenorio: "Costa Rica zu schlagen wird nicht leicht, und Deutschland ist sehr stark. Und vom Reden hat noch keiner gewonnen." Die Ausgangslage ist jedoch optimal: Sollte "El Tricolor" Costa Rica schlagen und Deutschland am Tag zuvor Polen, wäre das direkte Aufeinandertreffen am 20. Juni in Berlin nur noch ein Finale um den Gruppensieg. Und in Quito müsste man dann wohl einen National-Feiertag ausrufen.

© SID

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