Fußball WM
Barthez: "Der verrückteste Torwart"

Fabien Barthez gilt seit dem WM-Titel der Franzosen 1998 als Maskottchen der "Equipe Tricolore". Kritiker spotteten, der Torhüter stehe nicht wegen seiner Leistung zwischen den Pfosten, sondern einfach als Glücksbringer.

Kapitän Laurent Blanc gab Fabien Bathez vor acht Jahren beim WM-Triumph der Franzosen vor und nach jedem Spiel einen Kuss auf seine Glatze. Spätestens seit diesem Ritual und dem ersten Titel im Heimatland gilt der Torhüter als Maskottchen der "Equipe Tricolore". Bei der Endrunde in Deutschland schaffte es Barthez erneut ins Finale - auch wenn seine Kritiker spotteten, er hätte nicht mehr wegen seiner Leistung, sondern lediglich als Glücksbringer zwischen den Pfosten gestanden.

Wenn man die Spiele der "Blauen" bei der WM verfolgt hat, kann man durchaus geneigt sein, die Meinung der Kritiker zu teilen. Im Gedächtnis ist vor allem eine Szene vom 1:0 im Halbfinale gegen Portugal. In der 77. Minute fliegt ein Freistoß von Cristiano Ronaldo genau auf Barthez zu. Der Schlussmann, am 28. Juni 35 Jahre alt geworden, fängt den Ball nicht - er baggert ihn wie ein Volleyballer in die Höhe. Luis Figo köpft im Anschluss über das Tor, und Barthez hat wieder mal Glück.

69 Prozent für Gregory Coupet

Bei den Anhängern der "Grande Nation" gibt es nur wenige, die Barthez bei der WM in Deutschland gerne als Nummer eins gesehen haben. Auf der Tribüne fiel ein Fan auf, der sich als Doppelgänger feiern ließ. Er stand mit seiner Sympathie für den Keeper von Olympique Marseille, einst mit Topmodel Linda Evangelista verbandelt, ziemlich alleine da. Selbst die große Mehrzahl der Fußball-Profis in Frankreich hätten Gregory Coupet bevorzugt. In einer Umfrage des Magazins "France Football" vor der WM hatten sich 69 Prozent für den Keeper von Meister Olympique Lyon ausgesprochen.

Doch das scherte Nationaltrainer Raymond Domenech wenig. Im Gegensatz zu Jürgen Klinsmann entschied er sich nicht für die bisherige Nummer zwei, obwohl diese augenscheinlich bessere Leistungen geboten hatte. Bei der Vorbereitung traf Domenech bei der Wanderung mit dem Team auf einen Gletscher in 3 000 Meter Höhe die Entscheidung für Barthez - wohl auch, weil der in Weltstar Zinedine Zidane den wichtigsten Fürsprecher auf seiner Seite hatte. Coupet, der neben Barthez wie ein Bodybuilder wirkt, konnte nur mit Engelszungen vom WM-Verzicht abgehalten werden.

"Verrücktester Torwart der Welt"

Barthez, der im Halbfinale seine 16. WM-Partie bestritt und damit Frankreichs WM-Rekordspieler Maxime Bossis ablöste, ließen die Diskussionen um seine Person kalt. Der Routinier, von seinem einstigen Weltmeisterkollegen, dem Ex-Münchner Bixente Lizarazu, als "verrücktester Torwart der Welt" bezeichnet, rauchte im WM-Quartier der Franzosen in Hameln lieber hin und wieder entspannt eine Zigarette und gab nur knappe Kommentare von sich. "Bei so einem Turnier zählt nur die Konzentration auf das tägliche Ziel", erklärte Barthez.

Leistungsmäßig konnte er die Nominierung nicht bestätigen, doch für das Team ist er unheimlich wichtig. "Gemeinsam mit Zidane und Lilian Thuram ist er unser Leader. Diese drei weisen uns den Weg", sagte Bundesliga-Profi Willy Sagnol von Bayern München.

Dass Frankreich das Endspiel erreicht hat, ist aber auch ein Verdienst der "Betonabwehr" mit Lilian Thuram und William Gallas. Die beiden Innenverteidiger gewannen zusammen 143 ihrer 159 Zweikämpfe. Was dennoch auf das Tor kam, hielt Barthez bis zum Finale bis auf zwei Ausnahmen - mit Geschick und Glück.

© SID

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