Fußball WM
Blatter besucht "Selecao", Parreira greift durch

Joseph Blatter hat Weltmeister Brasilien im Trainingslager in Weggis besucht und mit dem Titelverteidiger zu Mittag gegessen. Zudem kündigte "Selecao-Coach" Parreira eine harte Gangart während der Vorbereitung an.

Während ihres WM-Trainingslagers in Weggis (Schweiz) erhielten die Brasilianer Besuch von höchster Stelle. Fifa-Präsident Joseph S. Blatter war bei der "Selecao" zu Gast und speiste mit dem amtierenden Weltmeister zu Mittag. In einer Ansprache an die Spieler betonte der Schweizer das Talent der Spieler und deren Wichtigkeit für die Gesellschaft in einem Sport, der längst ein soziales Phänomen sei.

Blatter kam in Begleitung von Ricardo Teixeira, dem Präsidenten des brasilianischen Verbandes CBF, direkt aus Zürich. Der Fifa-Chef erhielt am Rande des Treffens ein Buch über die CBF-Historie sowie ein Dokumentationsband über alle Spiele des fünfmaligen Titelträgers von 1914 bis heute.

Unterdessen haben die Brasilianer die ersten Fallen auf dem Weg zum sechsten Titel ausgemacht. Nationaltrainer Carlos Alberto Parreira kündigte bei seiner Antrittsrede in Weggis eine harte Gangart gegen Ego-Trips seiner Stars und den Trubel um die "Selecao" an. "Ein Einzelner kann ein Spiel entscheiden, aber nur ein Team gewinnt die WM", redete der 63-Jährige den hoch bezahlten Profis ins Gewissen.

Parreira befürchtet Volksfeststimmung

Der Weltmeister-Coach von 1994 fürchtet zudem die Volksfeststimmung rund um die eigens für den fünfmaligen WM-Champion errichtete Trainingsarena mit 5 000 Sitzplätzen. "Wenn es notwendig wird, stoppen wir das Training. Wenn ich merke, dass die Spieler abgelenkt sind, werden wir umziehen. Wir stehen nur der "Selecao" gegenüber in der Pflicht", äußerte Parreira und machte klar, wer in der 3 886-Seelen-Gemeinde nun das Sagen hat. Die Skepsis von Parreira war aber zumindest am Mittwoch unbegründet. Rund 5 000 Fans bejubelten zwar die Superstars, ließen das Team aber in Ruhe arbeiten.

Vorerst gilt das Augenmerk des Fußballlehrers zudem ganz seinem Starensemble. Elf amtierende Weltmeister, Ronaldo von Real Madrid als Torschützenkönig der letzten WM-Endrunde, Adriano von Inter Mailand als Star des Konföderationen-Cups 2005 und - über allen - Ronaldinho vom FC Barcelona als aktueller Weltfußballer. Da ist viel Ego im Spiel. "Alles Siegertypen", urteilt Parreira.

"Möchte nicht vorzeitig zurückkehren, sondern als Weltmeister"

Angst vor dem Druck in der Favoritenrolle hat er nicht und so appelliert er an seine Stars: "Ich möchte nicht vorzeitig zurückkehren, sondern als Weltmeister." Auch die zweite Reihe erhielt ihre Botschaft. "Wer keinen Gruppengeist zeigt, wenn er auf die Reservebank muss, verdient nicht, dazuzugehören", so Parreira.

Sonderbehandlungen sind vorerst auch für Ronaldo tabu, der seit seinem am 8. April erlittenen Muskelfaserriss im rechten Oberschenkel pausiert. "Er muss sich wieder an den Rhythmus auf dem Platz gewöhnen. Deshalb wird er in beiden Spielen auflaufen", erklärte Parreira die Schonzeit für "Il Fenomeno" beendet und verspricht dessen Einsatz bei den Tests gegen den von Profis aus der Schweizer Liga verstärkten FC Luzern am 30. Mai in Basel und im Länderspiel gegen Neuseeland am 4. Juni in Genf.

"Haben schon einen Plan B"

Für Aufregung auf der Pressekonferenz im noch eher spärlich gefüllten Media-Center sorgte zudem die Warnung, die Fans vom Training auszuschließen, falls die Konzentration der Spieler unter dem zu erwartenden Lärm leide. "Wir haben schon einen Plan B mit zwei Ausweichplätzen", verlautete Verbands-Supervisor Americo Faria.

Bislang herrscht aber Zufriedenheit im Lager des Weltmeisters. "Es geht uns sehr gut hier, aber wirklich Ruhe haben wir nur im Hotel", beschrieb Parreira seine ersten Eindrücke. Kein Wunder, patroulliert doch vor der von einem Sichtschutzzaun umgebenen Fünf-Sterne-Herberge sogar ein Boot der Schweizer Polizei auf dem Vierwaldstättersee.

© SID

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