Fußball WM
Blatter: "Es wird eine afrikanische WM"

Erstmals in der Geschichte wird 2010 ein afrikanisches Land Gastgeber der Fußball-WM sein. Fifa-Boss Joseph S. Blatter spricht von "einer anderen Weltmeisterschaft. Es wird eine afrikanische Weltmeisterschaft."

"Goodbye Germany" - "Welcome in South Africa!" Kaum ist das Ende der WM 2006 in Deutschland in Sicht, rückt die XIX. Fußball-Weltmeisterschaft 2010 in Südafrika in den Blickpunkt. Erstmals in der dann 80-jährigen Historie wird ein Land vom Schwarzen Kontinent Gastgeber der WM sein. "Es wird eine andere Weltmeisterschaft. Es wird eine afrikanische Weltmeisterschaft", erklärte Fifa-Boss Joseph S. Blatter.

Was diese Botschaft bedeutet, zeichnete sich bei der Präsentation des Logos am vergangenen Freitag in Berlin ab. Tanz, Musik und Pathos werden eine große Rolle spielen, wenn Südafrika mit riesigem Stolz die Welt empfängt. "Diese WM kann für Afrika eine Bedeutung haben wie für Deutschland der WM-Triumph 1954 im Finale gegen Ungarn", sagte Südafrikas Staatspräsident Thabo Mbeki.

"Auferstehung Afrikas"

Tatsächlich will und soll ganz Afrika von der Ausrichtung der Weltmeisterschaft profitieren. Für den 29. Januar des kommenden Jahres hat die Kommission der Afrikanischen Union das Thema WM eigens auf ihre Tagesordnung gesetzt. Deren Vorsitzender Alpha Oumar Konare aus dem Sudan spricht von der "Auferstehung Afrikas".

Die Hoffnung ist groß, dass vieles nach der Weltmeisterschaft besser wird auf dem "Kontinent des Schmerzes". Die "erfolgreichste Weltmeisterschaft aller Zeiten", die Mbeki verspricht, soll das Selbstvertrauen der Menschen und damit einhergehend das wirtschaftliche Wachstum steigern. Auf "mehr Gerechtigtkeit in der Welt" hofft UN-Generalsekretär Kofi Annan, ein gebürtiger Ghanaer.

Ob die enormen Erwartungen, die Südafrika und andere afrikanische Nationen an die Weltmeisterschaft knüpfen, erfüllt werden können, hängt auch von der eigenen Zuverlässigkeit ab. Die wird inzwischen ernsthaft in Frage gestellt, nachdem Blatter höchstpersönlich die Stirn öffentlich in Sorgenfalten gelegt hatte. "Warum müssen wir uns immer rechtfertigen? Weshalb traut man uns das nicht genauso zu wie Ländern auf anderen Kontinenten", fragte deshalb ein Journalist den südafrikanischen Staatspräsidenten.

Kaum sichtbare Fortschritte erkennbar

Man müsse sich nicht rechtfertigen, erwiderte Mbeki, und begann doch zu betonen, dass alle zehn Stadien, die Infrastruktur, die Rundfunktechnik, die Sicherheit und überhaupt alles, was dazugehört, pünktlich fertig sein werde. Beobachter haben aber seit dem Tag des Zuschlags am 15. April 2004 kaum sichtbare Fortschritte registriert. Zudem wurde ein ständiger personeller Wechsel in den unterschiedlichen WM-Gremium sichtbar, der für zusätzliche Reibungsverluste sorgte. Insgesamt sollen zwar knapp 700 Mill. Euro in Bau und Modernisierung der Stadien fließen. Bislang hat aber kein geplanter Neubau begonnen.

Es wartet in den kommenden vier Jahren also noch eine enorme Menge logistischer und körperlicher Arbeit auf das Ausrichterland. Und Blatter ist sicher: "Natürlich braucht Südafrika Hilfe." Die Fifa hat zugesagt, kräftig mit anpacken zu wollen. Gleichzeitig nimmt der Chef des Weltverbandes ganz Europa in die Pflicht. "Die deutsche Bundesregierung, der DFB, Großbritannien, Frankreich und die EU wollen ihr Wissen einbringen", sagte er.

Rund 1,6 Mrd. Euro sollen in verkehrstechnische Maßnahmen fließen, um die Mobilität der Delegationen sowie 500 000 erwarteten WM-Touristen zu garantieren. Finanziell gebe es keinerlei Probleme, teilte Mbeki am Samstag im Gespräch mit Bundeskanzlerin Angela Merkel mit. Die Regierung gilt als wichtigster Geldgeber des OK. Doch längst kursieren Gerüchte, die Fifa bereite eine Alternative vor, sollte das Projekt in Südafrika scheitern. Mit rhetorischer Cleverness zerstreut Blatter stets die Gerüchte.

"Werden unser Versprechen halten"

"Sie werden stolz sein. Und wir werden unser Versprechen halten. Genauso wie sie", sagte Issa Hayatou, Chef der afrikanischen Fußball-Konföderation und gleichzeitig Vize-Präsident der Fifa, in Richtung Blatter, der sich gegen alle Widerstände konsequent für das Rotationsprinzip bei der WM-Vergab einsetzte und Afrika damit die Chance auf die Ausrichtung erst ermöglichte. Bei der Vergabe der WM 2006 war die Kap-Republik mit 11:12-Stimmen der deutschen Bewerbung denkbar knapp unterlegen.

Auch sportlich wollen die Afrikaner auf dem eigenen Kontinent ein Zeichen setzen. Nichts weniger als der Titel soll es sein. "Der Pokal bleibt auf dem Kontinent", sagte Thabo Mbeki. Die Erwartungen sind auch in dieser Hinsicht enorm. Bislang haben es afrikanische Mannschaften nur bis maximal ins WM-Viertelfinale geschafft.

© SID

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