Fußball WM
Blatter überdenkt Sinn der Nationalhymne

Nach den schwerwiegenden Zwischenfällen nach dem Play-off-Rückspiel zur WM 2006 zwischen der Türkei und der Schweiz denkt Fifa-Boss Joseph Blatter laut über die Abschaffung der Nationalhymne vor Fußballspielen nach.

Demnächst könnten Länderspiele ohne das Abspielen der Nationalhymne vor Anpfiff über die Bühne gehen. Zumindest denkt Weltverbands-Chef Joseph S. Blatter als Konsequenz aus den schwerwiegenden Zwischenfällen nach dem Play-off-Rückspiel zur WM 2006 in Deutschland zwischen der Türkei und der Schweiz in Istanbul darüber nach, auf das Abspielen zu verzichten. "Das war eine derartige Respektlosigkeit und eine Verletzung des nationalen Stolzes. Ich frage mich, ob es überhaupt noch Sinn macht, Nationalhymnen abzuspielen", erklärte der Fifa-Präsident dem Schweizer Magazin Illustrierte mit Blick auf die Pfiffe und dem Gejohle beim Abspielen der Nationalhymnen vor dem Anpfiff in Bern und Istanbul (12. und 16. November).

Das Verhalten der Zuschauer beim Abspielen der Hymnen hat offenbar mit zur Eskalation nach dem Rückspiel am Bosporus beigetragen. Dabei war es zu handgreiflichen Auseinandersetzungen zwischen Spielern und Betreuern beider Teams sowie Sicherheitskräften gekommen.

Risikospiele demnächst auf neutralem Terrain?

Gegenwärtig läuft eine Untersuchung der Vorfälle. "In dem Moment, in dem man offensichtlich Nationalismus gepaart mit Leidenschaft und Emotionen hat, hat man zugleich eine explosive Situation. Deswegen denken wir darüber nach, die Praxis mit den Nationalhymnen abzuschaffen." Darüber hinaus stellte der Eidgenosse auch Überlegungen an, derartige Risikospiele generell auf neutralem Terrain austragen zu lassen.

"Das ist Blödsinn. Hymnen gehören zu Länderspielen einfach dazu. Nur weil die Schweiz Theater hatte, muss er als Schweizer jetzt auch Theater machen. Er kann ja auch gleich die Länderspiele abschaffen", echauffierte sich Bayern Münchens Manager Uli Hoeneß gegenüber der Bild-Zeitung. Auch DFB-Präsident Gerhard Mayer-Vorfelder, selbst Mitglied der Fifa-Exekutive, hält nichts von diesem Vorschlag: "Die Hymnen sind ein Bestandteil der Identifkation mit der Nationalmannschaft."

Fifa-Sprecher Andreas Herren wies in einer Stellungnahme darauf hin, dass es sich zunächst um persönliche Überlegungen Blatters handele. Solche Vorschläge werden nicht behandelt bis man ein Urteil zu den Untersuchungen der Vorfälle in Istanbul habe.

Urteil erst nach der WM-Auslosung

Der Fifa-Sprecher erklärte in diesem Zusammenhang außerdem, dass ein Urteil noch vor der Auslosung der WM-Gruppen in Leipzig am neunten Dezember nicht zu erwarten sei. Herren: "Eine große Zahl von Personen muss zu den Vorfällen in Istanbul befragt werden, so um die 30. Die Untersuchung wird aller Voraussicht nach nicht bis zum neunten Dezember abgeschlossen sein. Es wird viel Zeit und Energie in Anspruch nehmen."

© SID

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