Fußball WM
Blatter wünscht sich Beckenbauer in Fifa-Exekutive

Fifa-Boss Joseph S. Blatter hat in einem Interview mit dem Sport-Informations-Dienst den Wunsch geäußert, Franz Beckenbauer als ein Mitglied der Fifa-Exekutive begrüßen zu dürfen. "Das wäre toll", so Blatter deutlich.

Fifa-Präsident Jospeh S. Blatter hat sich für ein Engagement Franz Beckenbauers in der Fifa-Exekutive ausgesprochen. Der 70-Jährige kann sich vorstellen, Beckenbauer 2007 als Nachfolger von DFB-Präsident Gerhard Mayer-Vorfelder zu begüßen. Im Exklusiv-Interview mit dem Sport-Informationsdienst (sid) erklärte Blatter: "Das wäre toll, aber ich habe darauf keinen Einfluss. Die Uefa wählt ihre Vertreter. Aber Beckenbauer mit seinem Charme und jugendlichem Elan - das hätte was. Wenn ich durch die Welt reise und nehme zwei Vertreter des Exkos mit, dann gilt das Protokoll. Ist Beckenbauer dabei, dann steht auch der Präsident hinten an. Die Leute wollen Fußballer sehen, Beckenbauer stünde der Fifa gut zu Gesicht."

Blatter kandidiert für dritte Amtsperiode

Blatter, 1998 in Paris als Nachfolger des Brasilianers Joao Havelange zum achten Fifa-Präsidenten gewählt, hatte seinerzeit dafür plädiert, die Amtszeit eines Fifa-Bosses auf acht Jahre zu begrenzen. Jetzt kandidiert er selber für eine dritte Amtsperiode. Zur Begründung führt er an: "Zwischen 1998 und 2002 wurde alles getan, um die Umsetzung meiner Ideen zu verhindern. Bei meiner Arbeit wurden mir massiv Knüppel zwischen die Beine geworfen. Im Grunde habe ich vier Jahre mit internen Grabenkämpfen verloren, konnte mit der Umsetzung meiner Konzepte erst 2002 nach der Wiederwahl in Seoul beginnen."

Blatter sprüht vor Elan, jetzt, da der Kongress den Weg zu einer Ethik-Kommission geebnet und die Umsetzung der Empfehlungen der Task Force beschlossen hat. Der Schweizer enthüllt im sid-Gespräch sein zukünftiges Programm: "Die große Überschrift heißt: Umsetzung der gesellschaftlichen und sozialen Verantwortung des Fußballs. Die Fifa ist ja nicht nur Geld und Einfluss, die Fifa ist zunächst Fußball. Das heißt Erziehung, Hoffnung, Schule des Lebens. Der Fußball hat auch vielfache Berührungspunkte mit Kultur, Wirtschaft und Politik. Da sollten wir gerade mit der Politik schon zu einem Memorandum kommen, in dem beide Seiten sich verpflichten, die Eigenständigkeit der anderen Seite anzuerkennen."

"Müssen die bösen Geister bannen"

Angesichts der vielen Probleme - Korruption, Wetten, versuchte Einflussnahme von Politik und Wirtschaft - fasst der Mann aus dem Kanton Wallis sein Programm kurz und bündig zusammen: "Wir müssen die bösen Geister bannen."

Finanziell macht die Fifa in den nächsten vier Jahren einen Quantensprung. Von 2003 - 2006 nahm sie 1,8 Mrd. Dollar ein, von 2007 - 2010 werden es drei Mrd. sein. Bei der Fifa wird diese beachtliche Steigerung damit erklärt, dass durch die Globalisierung und die vielen Ausländer in den Vereinen die Nationalmannschaften wieder an Wert gewinnen. Da Weltmeisterschaften nur alle vier Jahre stattfinden und die Fifa in Zukunft nur noch mit sechs statt 15 Sponsoren arbeitet, entsteht weitere Exklusivität, die teuer bezahlt werden muss.

Auch die Fernsehrechte explodieren. Blatter: "Die beiden letzten Weltmeisterschaften standen im Zeichen des Pay-TV. 2010 wird wieder viel mehr im Free-TV übertragen, weil die frei empfangbaren Sender das Bezahlfernsehen überbieten mussten, um den Fußball - die WM - präsentieren zu können." Ob die Rechte zu teuer eingekauft wurden, interessiert den Fifa-Boss nicht: "Das ist nicht unser Problem. Wir müssen uns um den Spielkalender kümmern, damit nicht zu viel Fußball im Angebot ist und das Spiel so entwertet wird."

Die Mehreinnahmen sollen in Entwicklungsprogramme und in die Aus- und Fortbildung von Trainern gesteckt werden. Die Zuschüsse an jeden Verband (207 x 1 Mill. Dollar in vier Jahren) und die Konföderationen (6 x zehn Mill. Dollar) werden nicht angehoben. Außerdem werden Rücklagen gebildet, weil nicht klar ist, ob der Boom auch 2014 und 2018 anhält - und die Entwicklungsprogramme sollen auf keinen Fall gefährdet werden.

"Der Fußball polarisiert"

Als Bundespräsident Horst Köhler die Weltmeisterschaft eröffnete, nahm er nur ein einziges Mal das Wort Fifa in den Mund, und prompt gab es Pfiffe. Blatter erklärt sich das schlechte Image so: "Der Fußball polarisiert, er weckt die Emotionen. Bier ja, Bier nein, Rauchen ja, Rauchen nein, Sicherheit ja, Datenschutz unterhöhlt, Ticket zu teuer, Platz zu schlecht, Stadien gefährlich, und am Schluss ist die böse Fifa auch noch an der Prostitution in Deutschland Schuld. Wenn diese durchsichtigen Polemiken, wo sich Gruppierungen, die sonst kaum wahrgenommen werden, offensichtlich auf Kosten des Fußballs profilieren wollen, dann auch noch durch die Medien transportiert werden: Dann wird das Image der Fifa beschädigt. Was meine Person betrifft, geht das schon in Richtung Rufmord. Glauben Sie mir: Manchmal tut das weh."

Als Konsequenz will die Fifa in Zukunft die "verborgene Geschichte der Fifa" ins Rampenlicht rücken: "Es gibt zwei Ansätze: Die Fifa hat eine derartige Bedeutung gewonnen, dass wir die Berichterstattung über sie nicht mehr nur Sportjournalisten überlassen können. Wir überlegen, demnächst auch Journalisten der Bereiche Politik, Kultur und Soziales einzubeziehen. Außerdem haben wir uns in den Fernsehverträgen für 2010 Zeitfenster festschreiben lassen, in denen wir unsere Botschaften verbreiten dürfen."

© SID

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