Fußball WM
Deutsches Trainer-Team setzt auf High-Tech

Minutiös und bis ins letzte Detail werden die Trainingsdaten der deutschen Nationalspieler Tag für Tag ausgewertet und in individuelle Übungen umgesetzt. Bundestrainer Jürgen Klinsmann setzt auf neueste Technik.

Die Zeiten, als der Co-Trainer vor dem Training lediglich die Hütchen aufstellte, die Trainingsbälle und die Leibchen bereit legte, sind bei der Nationalmannschaft längst vorbei. Doch am Dienstag erlebten selbst die Spieler noch eine Steigerung. Techniker installierten vor der Übungseinheit im Stade Geneve eine Spezialkamera unter dem Tribünendach, die ab sofort jede Bewegung der Profis, deren Laufverhalten und deren Körperspannung festhält.

Laptops am Spielfeldrand informieren minutiös über die Pulswerte der Spieler, die sich vor jeder Einheit Brustgürtel umschnallen, die den Pulsschlag über einen Sender direkt auf den Computer von Craig Friedmann übertragen. Der amerikanische Fitnessexperte informiert die Spieler und Coaches in den Trainingspausen über deren aktuelle Verfassung. Anhand der Werte kann die Intensität der Übungen sofort individuell verändert werden.

Alle technische Hilfsmittel nutzen

Bundestrainer Jürgen Klinsmann hat sich schon vor geraumer Zeit dazu entschlossen, möglichst alle technischen Hilfsmittel zu nutzen. Im Trainingslager in Genf werden deshalb seit Dienstag die Trainingseinheiten mit einer Weitwinkelkamera gefilmt, weitere Kameras werden in den nächsten Tagen installiert. "Wir haben es heute mir einer Generation von Spielern zu tun, die etwas viel leichter aufnimmt, wenn man es ihr in kurzen Sequenzen zeigt, als wenn man es ihr nur erklärt oder langwierige Videopräsentationen macht", erklärt Klinsmann den riesigen Aufwand.

Anhand des Materials, das täglich von Diplom-Sportlehrer Christofer Clemens von der Düsseldorfer Firma Mastercoach in Zusammenarbeit mit Klinsmanns Chefscout Urs Siegenthaler ausgewertet wird, erhält jeder Spieler eine DVD, auf der vor allem seine Schwächen zusammengefasst werden. "Somit wollen wir den Spielern praktisch vorführen, wo sie sich noch verbessern müssen und woran sie bis zum WM-Start noch inviduell arbeiten müssen", erläutert Klinsmann, "genauso wichtig ist es aber auch, ihnen zu verdeutlichen, was sie gut machen."

Auch taktisches Verhalten kann verbessert werden

Mit Hilfe modernster Technik soll nicht nur tagtäglich die körperliche Verfassung der Spieler überprüft, sondern auch das taktische Verhalten verbessert werden. Verschieben in der Abwehrkette, Pressing bei Bedarf, Eröffnung von Spielsituationen und noch viele andere Dinge werden digital festgehalten und analysiert. Mit Hilfe der Wärmebild-Kameras sind exakte physische Daten für jeden Spieler zu ermitteln: Wie viel ist er gelaufen? Wie oft ist er gesprintet? In welcher Intensität? Jedes Ereignis lässt sich herausfiltern: Tore, Befreiungsschläge, Zweikämpfe.

"Es ist wichtig, den Spielern auf den Punkt genau zu zeigen, was sie falsch machen und wo sie sich verbessern müssen. Das ist bei üblichen Videoaufnahmen zumeist sehr langatmig und überfordert die Spieler", sagt Jens Urlbauer, der Geschäftsführer von Mastercoach. Seit fünf Jahren arbeitet das Düsseldorfer Unternehmen mit dem Deutschen Fußball-Bund (DFB) zusammen.

Schon Völler machte erste Erfahrungen mit Mastercoach

Damals wurde noch in der Ära von Teamchef Rudi Völler die Ukraine, Gegner in den WM-Play-offs, mit diesem System beobachtet. Völler legte anschließend keinen Wert mehr auf dieses System, erst Klinsmann setzt wieder auf den Masterplan mit Mastercoach.

Insgesamt 30 Stadien in Europa sind bereits mit der Mastercoach-Technik ausgerüstet, darunter auch die Arenen der Bundesligaklubs Hamburger SV, VfL Wolfsburg und Bayer Leverkusen, wo die deutsche Elf am 30. Mai gegen Japan noch einmal entsprechend unter die Lupe genommen werden kann.

Genauso wichtig wie der Einsatz des Analyse-Systems ist Klinsmann aber auch das 1000qm große Fitnesscenter im Genfer Stadion, das mit den neuesten Geräten im Wert von rund 250 000 Euro ausgestattet ist und Anfang Juni ins WM-Quartier nach Berlin transportiert wird. Alleine die Spezial-Geräte der amerikanischen Firma Keiser waren in Containern verpackt drei Wochen auf hoher See, ehe sie in Genf ankamen.

© SID

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