Fußball WM
DFB-Präsident Zwanziger "will Weltmeister werden"

Dr. Theo Zwanziger hat im Gespräch mit dem Sport-Informations-Dienst (sid) betont, dass es weiterhin das Ziel des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) sei, Weltmeister im eigenen Land zu werden.

Im Gespräch mit dem Sport-Informations-Dienst (sid) hat der Geschäftsführende Präsident des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) Dr. Theo Zwanziger nochmals unterstrichen, dass der WM-Titel nach wie vor das Ziel der DFB-Auswahl bei der WM im eigenen Land ist. Zudem erklärte Zwanziger, dass das Präsidium alle Wünsche des Trainerstabes berücksichtigt habe.

sid: "Im Vorfeld der WM sind kritische Stimmen laut geworden, die die WM-Vorbereitung der deutschen Mannschaft hinsichtlich der Unterbringung und des großen Betreuerstabes als übertrieben betrachten. Was entgegnen sie den Kritikern?"

Dr. Theo Zwanziger: "Wir haben vor zwei Jahren, als wir in die organisatorische und sportliche Vorbereitung für diese WM gegangen sind, klar gesagt, dass wir bereit sind, das Menschenmögliche zu tun, damit die Mannschaft eine optimale Vorbereitung hat. Und wir haben uns alle im Präsidium darauf verständigt, die Wünsche des Trainerstabes zu berücksichtigen. Das haben wir gemacht."

sid: "Geht der Deutsche Fußball-Bund (DFB) deshalb an seine finanziellen Grenzen?"

Zwanziger: "Solche Behauptungen sind schlichtweg Unsinn. Uns war allen klar, dass die WM im eigenen Land eine besondere Herausforderung ist und wir deshalb besondere Kraftanstrengungen unternehmen müssen. Dies ist alles mit dem Präsidium abgestimmt und zudem in unserem Kassenbericht auch transparent."

sid: "Es heißt schon, der DFB müsse nach der WM den Rotstift ansetzen?"

Zwanziger: "Fakt ist, dass bei den vergangenen Turnieren in der Regel ein Überschuss erwirtschaftet wurde, der von uns gemeinnützigen Zwecken zur Verfügung gestellt wurde. Das ist diesmal nicht zu erwarten. Der Etat für diese WM unterscheidet sich sicherlich zu anderen. Bei der WM 2010 in Südafrika wird das schon wieder ganz anders aussehen. Der DFB kommt aber nicht in eine finanzielle Schieflage, das ist lächerlich. Wir müssen auch keinen Rotstift ansetzen. Es gibt in Deutschland nur eine Organisation, die das nicht braucht, und das sind wir. übrigens schon seit den Zeiten von Egidius Braun."

sid: "Drei Fitnesstrainer aus den USA, insgesamt der größte Tross, der eine deutsche Mannschaft je begleitet hat. Ist dieser Gigantismus denn nötig?"

Zwanziger: "Alle Welt hätte es doch lächerlich gefunden, wenn wir darüber gestritten hätten, ob wir zwei oder drei Fitnesstrainer mitnehmen. Deshalb haben wir solche Diskussionen gar nicht erst geführt."

sid: "Ihr Amtskollege Gerhard Mayer-Vorfelder hat unlängst erklärt, das Erreichen des Viertelfinales sei für Deutschland bereits ein großer Erfolg. Teilen Sie diese Meinung?"

Zwanziger: "Die Zielrichtung hat Jürgen Klinsmann bei seinem Amtsantritt vorgegeben. Wir wollen Weltmeister werden. Und die Zielsetzung von Klinsmann ist auch meine. Mit etwas anderem befasse ich mich nicht. Sicherlich gibt es auch andere Favoriten, aber mit den Menschen in Deutschland, die unserer Mannschaft den Rücken stärken, ist alles möglich. Was soll ich vom Achtelfinale, Viertelfinale oder Halbfinale erzählen - das Ziel ist: Wir wollen Weltmeister werden."

sid: "Im Vorfeld der WM haben Sie viele Anstrengungen unternommen, den Vertrag mit Klinsmann vorzeitig zu verlängern. Mittlerweile fordern auch viele Experten, dass Klinsmann unabhängig vom Ausgang der WM bleiben muss. Starten Sie vor der WM noch einen neuen Versuch?"

Zwanziger: "Nein, jetzt macht das keinen Sinn mehr. Mein Wunsch ist aber nach wir vor, mit Klinsmann nach der WM weiterzuarbeiten. Er hat aber Recht in der Sache, dass es Unsinn ist, seinen Vertrag jetzt schon zu verlängern. Jetzt spielen wir erst mal die WM und dann sehen wir weiter. Er weiß aber, dass ich seinen Weg und seine Philosophie teile."

sid: "Wenn die Sache schief gehen sollte, muss der DFB dann umdenken?"

Zwanziger: "Was heißt denn schief gehen? Genauso wie wir, wollen auch noch andere Weltmeister werden. Man weiß doch nie genau, was rauskommt. 1992 hat man die Dänen aus dem Urlaub geholt und sie sind im Finale gegen uns Europameister geworden. Das entbindet uns aber nicht davon, uns sorgfältig vorzubereiten. Auch wenn es sportlich nicht laufen sollte, werden wir wirtschaftlich keine Probleme haben."

sid: "Und sportlich..."

Zwanziger: "Auch nicht. Der deutsche Fußball lebt. Das haben wir zuletzt bei unserer U17, aber auch bei der U21 von Dieter Eilts, die bei der EM ohne die jungen A-Nationalspieler auskommen muss, gesehen. Das wird auch Jürgen Klinsmann registrieren und solche Überlegungen in seine Zukunftsplanung mit einfließen lassen."

sid: "Klinsmann hatte sich Hockey-Bundestrainer Bernhard Peters als Sportdirektor gewünscht, Sie haben sich im Präsidium für Matthias Sammer entschieden. Ist Peters dennoch weiter im Gespräch?"

Zwanziger: "Natürlich, schließlich bemühen wir uns um die besten Kräfte zum Wohle des deutschen Fußballs. Deshalb ist vor allem Matthias Sammer regelmäßig im Gespräch mit Bernhard Peters. Ich selbst habe zuletzt auch noch einmal mit DHB-Präsident Stephan Abel gesprochen, der mir versichert hat, dass er Peters keine Steine in den Weg legen wird. Wir haben jetzt aber zunächst einmal die Fußball-WM und dann die Hockey-WM vor der Tür, die beiden Turniere müssen wir erst einmal spielen. Danach schauen wir, dass Sammer mit Peters klarkommt - und ich bin sicher, wir werden auch in diesem Punkt eine Lösung finden."

sid: "Matthias Sammer hatte zuletzt mit einem Interview für Unruhe gesorgt, in dem er angedeutet hat, bei der möglichen Suche nach einem neuen Bundestrainer ein entscheidendes Wort mitsprechen zu wollen. Dies wiederum hat Nationalmannschaftsmanager Oliver Bierhoff auf den Plan gerufen."

Zwanziger: "Ich habe darüber mit beiden gesprochen. Das Interview war vollkommen okay, nur die Überschrift passte nicht zum Inhalt. Wir sind uns im Präsidium darüber völlig einig, dass sowohl Sammer als auch Bierhoff Aushängeschilder des deutschen Fußballs sind, die sich gegeneinander nicht ausspielen lassen dürfen. Bei ganz wichtigen Entscheidungen werde ich mich immer von beiden beraten lassen. Deshalb habe ich sie ja schließlich geholt. Letztendlich entscheidet aber das Präsidium."

© SID

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