Fußball WM
DFB-Team nimmt Halbfinale ins Visier

Nach dem überzeugenden Einzug ins WM-Viertelfinale geht der Blick der deutschen Nationalmannschaft jetzt wieder nach vorne. "Wir sind absolut in der Lage, ins Halbfinale zu kommen", sagte Bundestrainer Jürgen Klinsmann.

Ganz Deutschland ist weiterhin im Fußballfieber, selbst der oft gestrenge "Kaiser" Franz Beckenbauer war freudetrunken vor Glück. "Ich habe selten eine so starke deutsche Mannschaft gesehen, vor allem in der ersten Halbzeit", schwärmte der Weltmeistertrainer von 1990 nach dem überzeugenden und über weite Strecken begeisternden 2:0 (2:0) der deutschen Nationalmannschaft im WM-Achtelfinale gegen Schweden, bei dem Jürgen Klinsmann und seine "Spaßmacher" ein weiteres Kapitel ihres Sommermärchens geschrieben haben und nach wie vor vom vierten deutschen WM-Titel nach 1954, 1974 und 1990 träumen dürfen.

Nächster Gegner auf dem Weg dorthin ist am Freitag in Berlin (17.00 Uhr) der zweimalige Weltmeister Argentinien, der Mexiko im Achtelfinale mit 2:1 nach Verlängerung besiegte. Somit kommt es zur Neuauflage des Finalduells vor 16 Jahren, das die DFB-Auswahl in Rom mit 1:0 gewann.

"Stolz, Trainer dieser Mannschaft zu sein"

"Ich bin stolz, Trainer dieser Mannschaft zu sein. Ich kann mich nicht daran erinnern, wann eine deutsche Mannschaft mal so stark gespielt hat wie in der ersten halben Stunde", sagte der sichtlich gerührte Bundestrainer nach den 90 Minuten im Münchner WM-Stadion, in denen auch die Diskussionen um seine persönliche Zukunft fürs erste beendet wurden. "Wir sind bereit für das Viertelfinale. Wir sind auch absolut in der Lage, ins Halbfinale zu kommen. Auch Endspielträume sind weiter erlaubt, alles andere sehen wir nach der WM", meinte der 41-Jährige, der sich selbst das Semifinale als Minimalziel gesteckt hat.

Dafür müsste die deutsche Elf nach ihrem vierten Turniersieg am Freitag nächste Woche in Berlin (17.00 Uhr) gegen den Sieger der Partie Argentinien gegen Mexiko einen weiteren hinzufügen. "Wir haben gegen beide Teams beim Confed-Cup gespielt und wissen, dass wir in der Lage sind, beide Mannschaften zu schlagen", erklärte der Bundestrainer kurz nach dem Schlusspfiff, als die deutschen Fans in der Arena und in ganz Deutschland noch überschwänglich feierten.

"Noch drei Schritte zu machen"

Dass der WM-Gastgeber weiter auf einer rosa Wolke durch dieses Turnier schwebt, hatte er vor allem dem zweifachen Torschützen Lukas Podolski zu verdanken, der frühzeitig (4./12.) die Weichen auf ein Weiterkommen gestellt hatte. "Jetzt ist alles möglich, das war heute der erste Schritt, es sind noch drei zu machen", meinte "Prinz Poldi" nach dem Gala-Auftritt an seiner künftigen Wirkungsstätte. Der künftige Münchner stellte aber ebenso wie Klinsmann fest, dass der frühe und harte Platzverweis für Teddy Lucic (34./Gelb-Rot) der DFB-Auswahl in die Karten gespielt hatte. Und auch beim leichtfertig verschossenen Elfmeter von Henrik Larsson (53.) hatten die Hausherren das "verdiente" Glück auf ihrer Seite.

Unter dem Strich hatten die 66 000 Zuschauer im Stadion und viele Mill. in Deutschland und der Welt den besten Fußball einer deutschen Mannschaft bei einer WM seit der Endrunde 1990 in Italien gesehen, die mit dem Gewinn des dritten deutschen Titels endete. "Es herrscht eine Bombenstimmung, in der Kabine wird gesungen und getanzt. Der ganze Trainerstab ist mächtig stolz auf die Mannschaft, phantastisch, was sie geleistet hat", berichtete der gelöste Bundestrainer, nachdem Deutschland zum 14. Mal in Folge bei einem WM-Turnier in die Runde der besten Acht eingezogen war: WM-Rekord.

"Noch lang nicht am Ziel"

Neben Podolski überragte einmal mehr Miroslav Klose, der nicht nur beide Treffer eingeleitet hatte und verdient zum "Man of the Match" gewählt wurde. Der Bremer erinnerte mit seiner Leistung an die unglaubliche Energieleistung von Klinsmann im WM-Achtelfinale 1990 gegen die Niederlande (2:1). "Wichtig ist, dass wir weiter im Turnier sind. Wir haben uns viel vorgenommen, wir sind noch lang nicht am Ziel", sagte der von vielen Spitzenklubs umworbene Stürmerstar.

Auch Kapitän Michael Ballack äußerte sich erstmals im WM-Verlauf geradezu euphorisch: "Wir haben sensationell gespielt und alles umgesetzt, was wir uns vorgenommen haben." Der künftige England-Legionär war über die gesamte Distanz Chef im Ring, wobei er von seinem einmal mehr tadellosen Adjudanten Torsten Frings mustergültig unterstützt wurde. Auch die Abwehr-Viererkette, die gegen die schwedischen Starangreifer zum dritten Mal in Folge zu Null spielte, wurde von Klinsmann besonders gelobt: "Sie wird von Spiel zu Spiel besser."

"Das war imponierend"

Dass Deutschland die Partie von Beginn bis Ende domimierte, spiegelte auch die Statistik wieder: Spielanteil von 63 Prozent, 11:2 Torchancen, 26:5 Torschüsse. "Das war imponierend", befand auch Klinsmann. Dass es so gut lief, war auch dem bislang besten deutschen Start der WM-Geschichte zu verdanken. Beim ersten Treffer schlängelte sich Klose nach einem schönen Pass von Ballack durch zwei Schweden hindurch, scheiterte an Torhüter Andreas Isaksson, doch den Abpraller schoss Podolski abgebrüht ins Netz. Beim zweiten Treffer riss Klose die komplette schwedische Hintermannschaft auf, legte mit der Sohle ab, sein Sturmpartner vollendete.

Schneller war eine deutsche Mannschaft bei einer WM noch nie 2:0 in Führung gegangen. Nur einmal, im Entscheidungsspiel gegen die Türkei beim Endturnier 1954 (7:2), ging es genauso schnell. Damals trafen in der ersten Viertelstunde Ottmar Walter (5.) und Hans Schäfer (12.). Podolskis Treffer war zugleich der drittschnellste in der deutschen WM-Geschichte. In der Folgezeit hatten die Gastgeber noch jede Menge gute Chancen, bei denen zweimal der Pfosten (Ballack und Bernd Schneider) im Weg stand oder der starke Isaksson, der ein Desaster für sein Team verhinderte.

© SID

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