Fußball WM
Die internationalen Pressestimmen zum WM-Finale

Der Sport-Informations-Dienst (sid) hat nach Italiens WM-Titeltriumph die internationalen Pressestimmen zusammengestellt. Unter die Lobeshymnen mischte sich die Enttäuschung über Zinedine Zidanes unrühmlichen Abschied.

Der unrühmliche Abschied von Frankreichs Fußball-Idol Zinedine Zidane im WM-Finale am vergangenen Sonntag in Berlin gegen Italien hat am Montag international in vielen Zeitungen den vierten Titelgewinn der "Squadra Azzurra"überlagert. Während die Gazetten außerhalb Frankreichs überwiegend den unwürdigen Abschied des früheren Weltfußballers beklagten, mischte sich in der Heimat des abgetretenen Superstars trotz allen Unverständnisses und Enttäuschung aber auch Dank für große Augenblicke in die Reaktionen.

Die internationalen Pressestimmen zum WM-Finale auf einen Blick:

Italien

Gazzetta dello Sport: "Es ist wahr! Wir sind Weltmeister. Italien - phantastisch! Die Welt gehört uns. Elfmeter-Triumph, Italien erobert seinen vierten WM-Titel. Lippi in Tränen: "Die schönste Freude meines Lebens"."

Tuttosport: "Heldenhaft! Frankreich ist besiegt. Italien erobert seinen vierten Titel. Danke, noch einmal Danke. Für immer Danke! Wir sind sprachlos. Wir sind verrückt vor Freude nach einer endlosen Wartezeit: 24 Jahre, drei Tage, 120 Minuten und fünf perfekte Elfmeter."

Corriere della Sera: "Das Italien der Weltmeister. Der Himmel über Berlin ist für die Italiener blau. Die Azzurri rächen sich nach Trezeguets Golden Goal bei dem EM 2000. Der Juve-Stürmer war gestern der einzige Spieler, der bei den Elfmetern scheiterte."

Repubblica: "Weltmeister! Italiens historischer Sieg. Uns gehört jetzt die Welt. Italien hat seine schönste Nacht erlebt. Die Franzosen sind besiegt. Finale mit Herzklopfen in Berlin. Nach 24 Jahren holt sich Marcello Lippis Nationalelf den Titel. Zidane ausgewiesen. Staatspräsident Napolitano dankt Lippi. Auf den Straßen explodiert das Fest."

Frankreich

L´Equipe: "Zinedine, Du weißt, das Schwerste an diesem Morgen ist nicht zu verstehen, warum die Blauen, Deine Blauen, das WM-Finale verloren haben, sondern Zigmillionen auf der ganzen Welt zu erklären, warum Du Dich so gehen lassen konntest. Andere Idole wie Muhammad Ali oder Pele haben niemals auf diese Weise die Regeln gebrochen. Das war eine dumme und nicht wieder gut zu machende Tat. Was willst du deinen und unseren Kindern sagen und all jenen, für die Du in alle Ewigkeit ein leuchtendes Beispiel geworden bist? Wie konnte eine solche Dummheit einem Mann wie Dir passieren?"

Liberation: "Grausam! Der Traum der Blauen ist zerplatzt. Die ganze Nation durfte mit den Blauen träumen - und wachte am Morgen nach dem Finale wieder mit ihrem Präsidenten Jacques Chirac auf. Frankreich ist ein Land der Gegensätze, das nicht einmal mehr, wenn Fußball gespielt wird, die Welt regieren kann."

Le Parisien: "Der blaue Engel hat sich in einen Teufel verwandelt. Dieser Abschied ist seiner nicht würdig gewesen. Wir können immer noch nicht glauben, dass der letzte Akt einer großen Künstler-Karriere ein Überfall gewesen sein soll. Es ist schlimm, so kurz vor dem Ziel zu stürzen. Trotzdem: Danke an alle für alles."

Le Figaro: "Der abscheuliche Kopfstoß beschmutzt das letzte Spiel eines zauberhaften Spielers. Diese Dummheit macht uns alle sprachlos. Trotzdem gebührt Zidane Dank für die vielen Augenblicke der Schönheit und Freude in über 100 Spielen für die Blauen.

La Republique du Centre: "Für Zidane war der Druck zu groß. Die Verehrung war zu viel für einen wie ihn, der für ein ruhiges und einfaches Leben gemacht ist."

L´Est Republicain: "Zidane verpfuscht sich seinen Abschied - und der französische Fußball ist von Unverständnis und Trauer erschüttert."

La Montagne: "Auch ein Zidane hat wie wir alle Momente von Schwäche und Wut."

L´Humanite: "Trotz allem: Bravo!"

Argentinien

Ole (Buenos Aires): "Die Könige der Abwehr. Es war der Triumph des Widerstands. Italien kassierte nur zwei Tore und darf nun den schönsten Pokal der Welt hochhalten. Was hat nur Zidane gestochen?"

Clarin (Buenos Aires): "Der Ruhm ist azurblau. Sie haben den Pokal, weil das Team im Unheil stark war. Sie nahmen einen unberechtigten Elfmeter gegen Australien an, warfen Deutschland ohne Glanz aus dem Turnier und hatten gegen Frankreich das Quäntchen Glück, das immer nur die Meister haben."

La Nacion: "Zidane beendet seine verrückte WM mit einem Akt des Wahnsinns. Italien schreibt Geschichte und erobert den Fußball-Himmel."

Australien

Sydney Morning Herald: "Nach diesem Finale bleibt eine brennende Frage: Was kann Materazzi gesagt haben, dass Zidane so die Nerven verlor?"

Brasilien

O Globo (Rio de Janeiro): "Es war die WM des nun viermaligen Weltmeisters Italien, die Show der Bilder, die WM des Ausfalls des weltbesten Spielers, des Torrekords von Ronaldo, des fehlenden Torhungers der Stürmer, der guten Defensiv-Mittelfeldspieler, der Freude des Gastgebers Deutschland."

Gazeta Esportiva (Sao Paulo): "Italien vertreibt die Krise. Die Spieler wichen dem Skandal, der das eigene Land erschüttert, aus und demonstrierten auf dem Feld den gewohnt pragmatischen Stil." Estado de Minas (Belo Horizonte): "Zidane beendete auf melancholische Art seine erfolgreiche Karriere."

Folha de Sao Paulo (Sao Paulo): "Italien überwindet Tabu und besiegt Franzosen im Elfmeterschießen."

Estado de Sao Paulo (Sao Paulo): "Die Farbe des Fußballs ist blau. Die Kombination aus Grün und Gelb ist out. Italiens vierter WM-Stern kam in einer heißen Sommernacht, die aus Berlin einen Stadtteil Roms gemacht hat, und glänzte beim von Fabio Grosso verwandelten Elfmeter."

Costa Rica

Nacion: "Das traurige Adios eines Genies. Lippi und seine Mannschaft berühren mit ihren Händen den Himmel."

England

The Times: "Frankreich zahlt Strafe für Zidanes finale Dummheit. Es gab kein Happy-End für Zidanes Märchen-Karriere. Der berühmteste Spieler der Blauen wird für immer Rot an seinem Namen haften haben."

Daily Mirror: "Ein Moment größter Dummheit bedeutete Zidanes Abgang als Star mit Schande. Seine Tat wird für immer als eine der kriminellsten Handlungen in Erinnerung bleiben, die ein Fußballer je begangen hat. Grosso hat für Lippi die WM gewonnen, aber Zidane hat Frankreich im Stich gelassen."

The Sun: "Vom Helden zur Null. Die internationale Karriere von Fußball-Legende Zinedine Zidane ist mit einer erstaunlichen Kopfstoß-Schande zu Ende gegangen. Ein hässliches Ende für eine WM, die zum Vergessen war. Nur eine Handvoll der 64 Spiele hatten Klasse."

The Guardian: "Italien gräbt Gold, während Zidane rot sieht. Italien ist Weltmeister nach einer Serie erstklassiger Elfmeter. Sie waren in keinem anderen Aspekt dieses Endspiels überlegen, dennoch gehört ihnen die Ehre. Zidane hat sein Leben als Straßenfußballer in einem harten Vorort von Marseille begonnen. Nun hat er es in einem der geschichtsträchtigsten Stadien Europas und vor Mill. Zuschauern weltweit als Straßen-Kämpfer beendet."

Daily Mail: "Zidanes Schande. Durchgeknallter Kopfstoß ruiniert seinen Abschied. Frankreich verirrt in einem roten Nebel. Was im Olympiastadion passiert ist, wird den französischen Kapitän für immer verfolgen. Ein Finale, das in Ekstase für Italien endete, endete in Schande für Frankreichs großartigsten Spieler."

Kroatien

Vercernji List: "Die Italiener im Delirium. Marcello Lippi, dieser studiöse und fleißige Mann, ging als großer Sieger in die Berliner Nacht. Denn er wusste es, er glaubte daran. Er hatte sein Team psychologisch darauf vorbereitet Weltmeister zu werden. Fabio Cannavaro erhob die goldene Göttin bis zum Himmel."

Montenegro

Vijesti: "Italien vergoldet! Die Jungs von Marcello Lippi schrieben eine der rührendsten Seiten in der Fußball-Geschichte. Während der Apennin durch den Fußball-Skandal bebt und das Schicksal großer Klubs und Spieler in den Händen von Richtern und Anklägern liegt, gelang den Azzuri - vorher von allen abgeschrieben und bemitleidet - die Eroberung der Welt."

Niederlande

De Volkskrant: "Zidanes Abgang mit einem törichten Kopfstoß. Ein Kurzschluss des großen Spieler sorgt für ein bizarres Ende seiner glanzvollen Karriere und beraubt Frankreich der Chancen auf den Titel. Italien erlebt einen Monat der extremen Gegensätze. Die Welt war bei der WM wirklich zu Gast bei Freunden, und Deutschland feiert seine Mannschaft mit einem Flaggen-Meer."

Algemeen Dagblad: "Der große Zidane beschmutzt mit einem Kopfstoß seine Karriere. Zidane hat dem Fußball und sich selbst einen hässlichen Dienst erwiesen. Italien erfüllt endlich im Elfmeterschießen seine Sehnsucht. Deutschland hat eine WM des Volkes erlebt."

De Telegraaf: "Italien siegt im Thriller und glänzt. Zidanes Rote Karte kippte das Finale. Welch ein beschämender Abgang für einen großen Spieler. Die WM war nur spitze durch die Fans und hätte ein besseres Finale verdient gehabt."

Portugal

Publico: "Zidane wird vom Helden zum Lump. Italien ein Weltmeister der Abwehrkunst."

A Bola: Frankreich kann nicht glauben, dass Zidane die Mannschaft so im Stich lässt, und stirbt im Elfmeterschießen."

Record: "Rot für Zidane am Abend der Azzurri."

Schweden

Aftonbladet: "Materazzi ist ein Schwein, aber am Sonntag wurde er zu einem meisterlichen Schwein. Zidane ist ein Genie, aber am Sonntag wurde er zu einem traurigen Dummkopf. Plötzlich war Frankreichs Mannschaft ohne Eltern und verlor das Finale."

Expressen: "Fußball ist ein Mannschaftsspiel. Zidane aber wurde böse und verteidigte den Respekt vor seiner Person mit einem Kopfstoß. Vor den Augen der ganzen Welt erhob sich Zidane über seine Mannschaft."

Schweiz

Basler Zeitung: Mag sein, dass der schwarz-rot-goldene Kostümball sich je länger, desto mehr vom eigentlichen Ereignis abkoppelte. Und ein bisschen selbstvergessen deuteten die Deutschen am Ende ihr kleines Finale zum größten Spiel des Turniers um. Jürgen Klinsmann war gleichzeitig Fitnesscoach und Motivator für eine ganze Nation. Was davon nach der WM übrig bleiben wird, ist vielleicht gar nicht so wichtig. Das Bild eines Landes und seiner Menschen zu beeinflussen, ist eines der Phänomene, die von den großen Fussballturnieren ausgehen können.

Berner Zeitung: "Grande Grosso - Grossos Treffer war der emotionale Schlusspunkt unter einem emotionalen Finale."

Blick: "Grande Italia - Weltmeister - Zidane-Eklat - Penalty-Krimi. Zidanes Brutalo-Attacke war Frankeichs Ende. Italien bezwang den Fluch und siegte im Penaltyschießen."

Serbien

Politika: "Azzurri im Elfmeterschießen auf den Welt-Thron! Die Italiener bekamen zurück, was sie auf gleiche Weise bei der WM 1994 verloren haben, als Brasilien im Elfmeterschießen erfolgreicher gewesen war.

Slowenien

Delo: "Azzurri zum vierten Mal auf dem Fußball-Olymp. Beide Mannschaften boten ausgezeichnete Leistungen, die eines Endspiels würdig waren. Beide Teams dominierten je eine Halbzeit lang: Italien in der ersten, und die Franzosen in der zweiten Spielhälfte.

Spanien

Marca: "Zidane: Der weltbeste Spieler bereitet sich den traurigsten Abschied, den man sich vorstellen kann. Die Squadra Azzurra kürt sich an Zidanes traurigstem Tag zum Weltmeister und macht jetzt Jagd auf Brasiliens Titel-Rekord."

As: "Italien der Sieger - Zidane der Verlierer. "Zizous" Ausraster war für Frankreich der Anfang vom Ende.

El Mundo Deportivo: "Das Vier-Sterne-Italien. Die Azzurri schreiben eine unvergessliche Geschichte.

Sport: Zidane ruiniert seine Karriere. Die Lotterie wollte, dass Italien Weltmeister wird."

Cadena Ser: "Die Italiener sind die Glücksritter der WM."

TVE: "Zidane wird vom Helden zur tragischen Figur. Italien hat wieder bewiesen, dass es eine Turniermannschaft ist."

USA

New York Times: "Das flaggenschwenkende Deutschland war das dominierende Ereignis dieser WM. Stereotypen über das Land wie beispielsweise die ausgeprägte Liebe zur Disziplin und Ordnung erwiesen sich als größter Irrtum eines Turnieres, das mit festivem Charakter und überschwänglicher Generosität der Deutschen ausgetragen wurde."

Espn: "Das war keine WM, die in Erinnerung bleibt. Abgesehen von ein paar erinnerungswürdigen Momenten wird man vor allem auf die fehlende fußballerische Qualität und die magelhafte Torquote zurückblicken."

© SID

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