Fußball WM
Die "Mission impossible" des Leo Beenhakker

Leo Beenhakker hat Trinidad und Tobago zur WM geführt. Jetzt will der niederländische Coach auch während der WM in Deutschland mit dem Neuling mit Furore sorgen.

Leo Beenhakker ist ein weit gereister Mann, doch die vergangenen 14 Monate waren selbst für den passionierten Weltenbummler eine besondere Erfahrung. "So viele Bonusmeilen wie in dieser Zeit habe ich mir noch nie verdient", sagt der Niederländer scherzhaft, wenn es um sein derzeitiges Engagement als Coach der Nationalmannschaft von Trinidad und Tobago geht. Die x-te Trainerstation seiner Karriere - auch er selbst hat die genaue Zahl nicht im Kopf - war von Anfang an ein Abenteuer und ist es bis jetzt geblieben: "Mission impossible" nennt es der 63-Jährige.

Mit der ersten WM-Qualifikation in der Geschichte des kleinen Antillen-Staats hat Beenhakker das scheinbar Unmögliche geschafft. "Niemand hat vor einem Jahr so recht daran geglaubt, doch der Coach hat uns den Glauben zurückgegeben", beschreibt Mannschaftskapitän Dwight Yorke die Leistung des als Motivationskünstler bekannten Fußball-Lehrers.

Vom letzten Platz in die Relegation

In den ersten sieben Monaten seiner Amtszeit führte Beenhakker die Karibik-Kicker vom letzten Tabellenrang der Nord- und Mittelamerika-Gruppe in die Ausscheidung gegen das Relegations-Team aus Asien, wo man sich letztlich gegen Bahrain durchsetzte.

Was das Erreichen der WM-Endrunde bei der Bevölkerung bewirkt habe, sei sogar für einen "alten Hasen" wie ihn überraschend gewesen: "Es war interessant zu sehen, wie Fußball eine ganze Nation verändern kann. Trinidad und Tobago ist eigentlich ein Cricket-Land, aber durch die Qualifikation ist das ganze Volk dem Fußball-Fieber verfallen." So sei die Aufregung in dem 1,3 Millionen Einwohner zählenden Inselstaat vor dem ersten Spiel ihrer "Soca Warriors" gegen Schweden (Samstag, 18.00 Uhr/Dortmund) riesengroß: "Während der Spiele wird das öffentliche Leben stillstehen."

Schwierige Informationsbeschaffung

Die "Trinis" so weit zu bringen, forderte von Beenhakker in den vergangenen Monaten allerdings auch vollen Einsatz. Weil seine Spieler nicht nur überwiegend im Ausland, sondern dort zudem häufig in unteren Ligen aktiv sind, sei es nicht leicht, sie zu beobachten und Informationen zu bekommen. "Da kam es mir entgegen, dass ich gerne unterwegs bin", sagt der frühere niederländische Bondscoach und Meistertrainer von Ajax Amsterdam und Real Madrid.

Sein Interesse für andere Kulturen und sein Drang nach neuen Herausforderungen waren weitere Argumente für das Engagement fern der Heimat. Und so anders sei die Arbeit dann auch wieder nicht, erklärt Beenhakker - bei Bedarf in jeder der sechs verschiedenen Sprachen, die er beherrscht: "Es gibt zwar auf der Welt viele unterschiedliche Kulturen, aber nur eine Fußball-Kultur. Die muss man lernen, wenn man Erfolg haben will." In Trinidad und Tobago haben sie schnell gelernt.

Trotz allem hat der gebürtige Rotterdamer seinen Spielern auch ihre Eigenheiten gelassen. Um Heimatgefühle aufkommen zu lassen, ertönen zu den Trainingseinheiten karibische Rhythmen, zwei Steel Drum Bands begleiten das Team die gesamte Zeit in Deutschland. Angesichts der sportlichen Außenseiterrolle des WM-Exoten setzt Fußball-Philosoph Beenhakker vor allem auf die Spielfreude seiner Akteure: "Sie werden das Turnier mit einem ständigen Lächeln bestreiten und sich über das kleinste Erfolgserlebnis freuen. Und mir geht es genauso."

© SID

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