Fußball WM
Ecuadors Kicker zwischen Lust und Frust

Das Nationalteam Ecuadors glaubt trotz der missglückten WM-Vorbereitung weiter an sich. "Wir sind voll motiviert und in der Lage, Polen zu schlagen", verbreitet Coach Luis Fernando Suarez Optimismus.

In Hochstimmung ist Deutschlands Gruppengegner Ecuador wenige Tage vor WM-Beginn noch nicht. Daher versucht Trainer Luis Fernando Suarez momentan vornehmlich, seine Schützlinge aufzuheitern. In der Gastgeber-Kommune Bad Kissingen wird derweil Achtelfinal-Euphorie geschürt.

"Die Vorfreude in der Mannschaft steigt von Tag zu Tag. Wir sind voll motiviert und in der Lage, Polen zu besiegen", verkündete Suarez mit Blick auf das erste Spiel am Freitag (21 Uhr) in Gelsenkirchen und ließ seine Kicker zum Verdruss der mittlerweile 130 aus der Heimat angereisten Journalisten am Dienstagvormittag im noblen Teamhotel "Bristol" am Bad Kissinger Rosengarten ausruhen. Am Nachmittag sollte dann "El Tricolor" an der vom kolumbianischen Coach ausgeklügelten Siegtaktik feilen.

"Die Polen sind körperlich sehr stark und werden uns zusetzen. Unser Trumpf ist Schnelligkeit", erklärte Suarez. Der seit zwei Jahren für die "Tri" verantwortliche 46-Jährige will deshalb von der Defensiv-Variante abgehen, die er zuletzt beim blamablen 4:3 gegen eine deutsche Studentenauswahl vorführen ließ. "Ich werde eine schnelle Aufstellung bevorzugen. Wir werden die Polen attackieren, damit sie gar nicht erst ins Spiel kommen." Der Blick in die Statistik ist für den 39. der Fifa-Weltrangliste freilich wenig ermutigend. Das bislang einzige Duell gegen Polen endete im November 2005 mit einer 0:3-Pleite.

Ecuador-Kader erstmals komplett

Allerdings präsentierten sich die Südamerikaner drei Tage vor ihrem WM-Auftakt erstmals komplett einsatzfähig. Als Letzter meldete sich Carlos Tenorio nach ausgeheiltem Muskelfaserriss in der Wade beim vorletzten Teamtraining in Bad Kissingen vor dem Abflug in den Ruhrpott zurück. Auch die drei Teamstars Agustin "Tin" Delgado, Ulises de la Cruz und Kapitän Ivan Hurtado, die in den letzten Tagen mehrfach wegen angeblicher Blessuren mit Abwesenheit geglänzt hatten, präsentierten sich Auswahltrainer Luis Suarez fit und in Spiellaune.

Carlos Tenorio, der ansonsten bei Al-Sadd in Doha sein Geld verdient, könnte Argentinien-Legionär Ivan Kaviedes (Argentinos Juniors) den Stammplatz im Angriff streitig machen und an der Seite von Delgado gegen Polen stürmen. Sein Namensvetter Edvin Tenorio gilt für das Mittelfeld als gesetzt. Der Mann von Barcelona aus Ecuadors zweitgrößter Stadt Guayaquil hatte die Lacher auf seiner Seite, als er angesichts des strömenden Regens in Bad Kissingen bemerkte: "Das deutsche Wetter ist nicht unser Freund, aber die deutsche Mannschaft ist noch gefährlicher, denn das Wetter kann keine Tore schießen." Das nicht öffentliche Training begann aufgrund des starken Regens mit halbstündiger Verspätung.

"Da werden sich noch einige wundern"

Angebliche Querelen um Siegprämien und unzufriedene Stars wie Agustin "Tin" Delgado sind offiziell in den Bereich der bösen Presse-Enten verbannt worden. Und so schaltet sich auch Angreifer Carlos Tenorio im Sinne seines Trainers in die Debatte ein: "Da werden sich einige noch wundern. Wir sind viel besser drauf, als alle denken."

Darauf setzen auch die Bad Kissinger, die seit Tagen im ansonsten beschaulichen Kurort eine ungewohnte Fußball-Euphorie entfachen. 3 000 begleiteten am Pfingstmontag das Training ihrer neuen Lieblinge mit La Ola. Vor dem Hans-Weiß-Sportpark an der fränkischen Saale werden in einer zum Fanshop umgerüsteten Bretterbude Shirts in den Ecuador-Farben gelb-blau-rot ebenso glänzend verkauft wie diagonal gelb-blau gestreifte Krawatten. Für Oberbürgermeister Karl-Heinz Laudenbach kann kaum noch etwas schief gehen: "Ecuador wird in das Achtelfinale stürmen und weiter bei uns wohnen. Die Jungs verbreiten eine Lebensart, die uns allen gut tut."

© SID

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