Fußball WM
Fans mit Jägermützen, Buschtrommeln und Kaffee

Bunt, auffällig und manchmal auch provokant: Die Fans bei der Fußball-Weltmeisterschaft werden für die Farbtupfer des Mega-Events sorgen.

Fans von der Insel decken sich vor ihrer "Invasion" mit grünen Plastikhelmen a la Erster Weltkrieg ein, die spöttelnden Oranje-Anhänger reisen lieber mit Jägermützen an, die Togolesen sorgten mit ihren Buschtrommeln schon beim Training für besondere Atmosphäre. Die insgesamt über 300 000 Schlachtenbummler der 31 Gastnationen haben sich ganz unterschiedlich auf ihren Trip zur WM-Endrunde vorbereitet. Auch der berühmteste Anhänger der Welt, der Spanier Manolo, hat sich zu seinem siebten Championat mit Pauke auf den Weg gemacht.

Schlecht informiert über die Wetterlage waren zahlreiche Südamerikaner, die gleich nach der Ankunft im kühlen Europa Pullover einkaufen mussten. Die brasilianischen Sambatänzerinnen hoffen für den Einsatz ihrer knappen grün-gelben Bikinis ohnehin noch auf richtig Sonnenschein. Selbst Superstar Ronaldo hatte sich vertan, besorgte sich im Vorbereitungscamp sogar Handschuhe. Richtig liegen wollen die Brasilianer mit ihren T-Shirts und Mützen: Dort ist bereits der sechste Stern für den sechsten WM-Titel aufgedruckt - "Hexa" lautet die Botschaft.

Englische Invasion in Frankfurt

Gemischte Gefühle löst der Ansturm der Engländer in Frankfurt/Main aus, dort bestreitet der Weltmeister von 1966 am Samstag seine erste Partie gegen Paraguay. Fast 50 000 Anhänger werden erwartet, nur ein Bruchteil hat logischerweise ein Ticket. Die Kommune rechnet mit "wilden Lagern", hält 50 Toilettenhäuschen für den eiligen Antransport in Grünanlagen bereit. In zwei Fan-Botschaften wird Quartiersuchenden geholfen.

Verkauft wurden in England neben geschmacklosen Helm-Attrappen auch T-Shirts mit der Aufschrift "World Cup 2006 in Germany - World War III" (Die WM 2006 in Deutschland - der dritte Weltkrieg). Teammanager Sven-Göran Eriksson forderte die Fans immerhin auf, das "sehr respektlose Lied von den Bombern" nicht zu singen: In "Ten German Bombers" wird der Abschuss deutscher Flieger vorgezählt.

Verbindungen zum zweiten Weltkrieg stehen bei den Briten aber hoch im Kurs: Die Yellow-Press erinnerte beispielsweise daran, dass im Teamquartier der Engländer (Schloss Bühlerhöhe) auch schon Hitler und Göbbels abgestiegen seien. Und die Sun wollte im WM-Logo der deutschen Polizei ein Hitlerbärtchen erkannt haben. Die Niederländer, allein in Leipzig werden zum ersten Match gegen Serbien und Montegro über 25 000 Begeisterte aus dem Nachbarland erwartet, lassen ihre orangefarbenen Wehrmachtshelme mit Aufschriften wie "Jetzt gehts lossss" wahrscheinlich daheim. Verbandsboss Henk Kesler machen diese Helme "richtig böse", er verbot sie auch für Freundschaftspiele. Inzwischen reagierten die Fanartikelhersteller, verkaufen zum Spott auf deutsche Traditionen grüne Jägerhütchen, ein orangenes Hutband symbolisiert das Herkunftsland.

Arabische Musik beim Training des Iran

Ungewöhnliche Atmosphäre gab es beim Training des Iran: Arabische Musik diente zur Beschallung, es fehlten eigentlich nur die Bauchtänzerinnen. Große Verwunderung herrschte bei den Anhängern aus Ecuador. In Bad Kissingen störten die teilweise in kurzen Hosen angereisten Fans vor allem die aus ihrer Sicht exorbitanten Preise. Karamellpudding für 4,50 Euro oder Reis mit Hühnchen für 9 Euro erscheint den weniger betuchten Gästen mächtig teuer. Lebensmittelvorräte brachte freilich keiner mit, auch nicht die Reisenden aus Costa Rica. Die Ticos verschenkten aber großzügig beim Training Tüten mit duftenden Kaffeebohnen aus der Heimat.

Die ukrainische Botschaft in Berlin gab 3 500 Visa aus. Die in Deutschland lebenden Ukrainer und auch Russen vergrößern freilich die Anhängerschar der Blau-Gelben. Ihr Nationalgetränk Wodka ist in Deutschland zu erschwinglichen Preisen ausreichend vorhanden, so dass nicht mit "Schmuggelware" gerechnet wird. Aus dem angrenzenden Tschechien kommen nach Angaben der dortigen Behörden neben den rund 20 000 Ticket-Besitzern noch einmal soviele Fußballfans, die beim Public Viewing WM-Atmosphäre schnuppern wollen.

© SID

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