Fußball WM
Fifa ermittelt nicht gegen deutsche Spieler

Nach den Tumulten zwischen argentinischen und deutschen Profis nach dem WM-Viertelfinale wird die Fifa nicht gegen deutsche Spieler ermitteln. Teammanager Oliver Bierhoff steht hingegen weiter im Fokus der Untersuchung.

Für Argentinien bedeutet die Viertelfinal-Niederlage (4:2 n.E.) gegen Deutschland nicht nur das Aus bei der WM 2006. Das Spiel könnte für die "Albiceleste" noch weitere Konsequenzen nach sich ziehen, nachdem es nach dem Elfmeterschießen zu Tumulten auf dem Rasen gekommen war. Deutsche Spieler haben hingegen nichts zu befürchten, da der Fußball-Weltverband Fifa nicht gegen deutsche Kicker ermitteln wird. Das gab Fifa-Mediendirektor Markus Siegler am Sonntag auf einer Pressekonferenz in Berlin bekannt.

Fifa ermittelt gegen Bierhoff

Allerdings werde noch untersucht, "welche Rolle deutsche Offizielle gespielt haben könnten", so Siegler. Gemeint ist offenbar Nationalmannschafts-Teammanager Oliver Bierhoff, der versuchte zu schlichten und sich trotzdem den Zorn einiger argentinischer Akteure zuzog. "So weit wir das bislang beurteilen können, wollte er nur beruhigen", hatte Siegler am Samstag erklärt. Auch DFB-Mediendirektor Harald Stenger hatte sich schützend vor die deutschen Spieler gestellt.

Fifa-Präsident Joseph S. Blatter erklärte am Sonntag: "Den einzigen Vorwurf, den man den Deutschen machen kann, ist, dass Offizielle aufs Spielfeld gelaufen sind. Da gehören sie nicht hin." Gleichzeitig nahm er allerdings auch Bierhoff in Schutz: "Er wollte ja nur schlichten."

Die Fifa leitete unterdessen ein Verfahren gegen den argentinischen Nationalspieler Maxi Rodriguez (Atletico Madrid) ein. Dieser hatte sich bei den handgreiflichen Auseinandersetzungen zu einem Faustschlag gegen den Münchner Bastian Schweinsteiger hinreißen lassen. Der argentinische Ersatzspieler Leandro Cufre hatte unmittelbar nach seinem Tritt gegen Per Mertesacker die Rote Karte gesehen. Er muss mit einer langfristigen Sperre durch die Disziplinarkommission der Fifa rechnen Rodriguez´ Attacke war hingegen von Schiedsrichter Lubos Michel (Slowakei) nicht geahndet worden.

Blatter: "Ich bin sehr wütend darüber"

Fifa-Chef Joseph S. Blatter haben die Jagdszenen im Olympiastadion von Berlin nach dem Viertelfinale sauer gemacht. "Ich bin sehr wütend darüber. Es gab keinen Anlass für diese Auseinandersetzungen. Wir werden Schritte einleiten gegen die Provokateure", sagte Blatter dem BBC-Radio Fivelive.

Mittendrin im Getümmel befand sich Bierhoff, der einen argentinischen Betreuer am Kragen packte und Cufre energisch die Meinung sagte. Der EM-Held von 1996 behauptete sich bei den unschönen Auseinandersetzungen dank seines Gardemaßes von 1,91metern. "Es gab ein paar Wortgefechte und auch ein kleines Gerangel, mehr aber nicht. Ich bin auf den Rasen geeilt, um zu schlichten", sagte der 38-Jährige.

Bierhoff glaubt nicht, dass es zu nachträglichen Sanktionen kommt: "Die Fifa hat auch von uns einen Bericht angefordert. Das wird keine Folgen haben." Der frühere DFB-Kapitän bestätigte, mit seinem Eingreifen wohl Schlimmeres verhindert zu haben: "Ich war ein gutes Ablenkungsmanöver für Per Mertesacker." Der Hannoveraner behielt als Andenken einen Stollenabdruck am Oberschenkel vom Tritt seines Widersachers.

Argentinier fühlten sich von Borowski provoziert

Die Argentinier fühlten sich nach eigenen Angaben von Tim Borowski provoziert, der die Südamerikaner nach seinem verwandelten Elfmeter mit einer Geste aufforderte, den Mund zu halten. "Die Argentinier hatten nicht gerade einen Heiligenschein. Sie haben während des Elfmeterschießens versucht, uns aus der Ruhe zu bringen. Das war eher eine beruhigende Geste von mir", erklärte Borowski hinterher. So sollen die Argentinier jedem deutschen Schützen spanische Schimpfworte mit auf dem Weg zum Elfmeterpunkt gegeben haben.

Bundestrainer Jürgen Klinsmann, der ebenso wie Bierhoff zur Schlichtung des Streits auf den Rasen geeilt war, wollte die Szenen nicht überbewerten: "Ich hatte keinen Überblick, was genau passiert ist. Aber das sind nach so einem Krimi eben Emotionen, die schon mal vorkommen können. Das ist schnell vergessen." Bierhoff wollte den erhöhten Pegel an Stresshormonen allerdings nicht als Entschuldigung für die unschönen Szenen gelten lassen: "Das war schade, denn sie geben kein gutes Bild ab. Die Fans feiern friedlich im Stadion und auf den Straßen, da sollten auch Spieler und Verantwortliche als Vorbild vorangehen."

© SID

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