Fußball WM
Fifa lehnt WM-Ausschluss des Iran ab

Der Fußball-Weltverband Fifa hat den Forderungen aus der Politik nach einem Ausschluss des Iran von der Weltmeisterschaft in Deutschland (9. Juni bis 9. Juli) eine klare Absage erteilt.

Nach den anitsemitischen Äußerungen des iranischen Präsidenten Mahmud Ahmadinedschad hatten deutsche Politker einen Ausschluss des Iran von der Fußball-Weltmeisterschaft 2006 in Deutschland (9. Juni bis 9. Juli) angeregt. Doch der Weltverband Fifa hat diesen Forderungen nun eine klare Absage erteilt. "Man muss strikt zwischen Politik und Sport trennen. Hier handelt es sich um Äußerungen eines politischen Amtsträgers, auf die die internationale Gemeinschaft reagieren muss", erklärte Fifa-Sprecher Andreas Herren am Donnerstag auf Anfrage des Sport-Informations-Dienstes (sid).

Nach den neuerlichen antisemitischen Äußerungen des iranischen Präsidenten hatten einzelne Grünen -, SPD - und FDP-Politiker die Fifa aufgefordert, den Iran von dem Turnier auszuschließen. Der Präsident Irans hatte am Mittwoch erneut den Holocaust geleugnet und ihn als "Märchen" bezeichnet. "Der Iran hat sich offiziell qualifiziert, und der iranische Verband hat sich nichts zuschulden kommen lassen. Der Sport kann nicht der Politik vorgreifen", kommentierte Herren die Forderungen einzelner Politiker.

Stimmen für Ausschluss mehren sich

Unterdessen ist man sich in der Politik uneins darüber, wie mit diesem Thema verfahren werden soll. "Irans Teilnahme ist gefährdet, wenn sich der Präsident weiter in dieser unerträglichen Weise äußert", sagte der SPD-Bundestagsabgeordnete Swen Schulz der Bild-Zeitung, und der FDP-Menschenrechtsexperte Florian Toncar forderte: "Wir müssen prüfen, ob das iranische Team ausgeladen werden muss." Auch mehrere Grünen-Politiker hatten die Fifa aufgefordert, Iran von dem Turnier auszuschließen. "Das würde eine ernsthafte Debatte im Iran auslösen", sagte der Co-Vorsitzende der Grünen im Europaparlament, Daniel Cohn-Bendit. Der Fraktions-Geschäftsführer der Grünen im Bundestag, Volker Beck, sagte der Netzeitung, man müsse dem Iran auf diese Weise zeigen, "dass es so nicht geht und so nicht ohne Konsequenzen bleibt".

Kurz nach der Auslosung der WM-Gruppen hatte bereits WM-Botschafter Wolfgang Overath einen möglichen Ausschluss der iranischen Nationalelf von der WM angeregt. Der Weltmeister von 1974 und heutige Präsident des Bundesligisten 1. FC Köln hatte angesichts der ersten Israel-feindlichen Aussagen von Ahmadinedschad erklärt: "Eigentlich sind solche Äußerungen eines ersten Mannes im Staat ein Grund, ein solches Land nicht teilnehmen zu lassen."

Hermann will keinen Ausschluss

Dagegen ist der sportpolitische Sprecher der Grünen-Fraktion im Bundestag, Winfried Hermann, strikt dagegen, den Iran von der WM auszuschließen. "Ich halte nichts von diesem Vorschlag", sagte Hermann der Netzeitung, "wenn man die Regierung Irans und die Zustände im Iran kritisieren will, muss man das auf anderen politischen und wirtschaftlichen Wegen tun". Die Olympia-Boykotte von Moskau und Los Angeles hätten gezeigt, dass sie nichts gebracht hätten. Dem Sport und den Sportlern hätten sie aber "erheblichen Schaden" zugefügt.

Das erste WM-Spiel der Iraner gegen Mexiko findet am 11. Juni in Nürnberg statt. Innerhalb der Gruppe D trifft der Iran zudem am 17. Juni in Frankfurt auf Portugal und am 21. Juni in Leipzig auf Angola.

© SID

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%