Fußball WM
Fifa studiert Material über Tumulte

Der Fußball-Weltverband Fifa ermittelt nach den Tumulten im Anschluss an das WM-Viertelfinalspiel Deutschland gegen Argentinien weiter. Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) hat einen eigenen Bericht für die Fifa angefertigt.

Jagdszenen im Berliner Olympiastadion und Nationalmannschafts-Manager Oliver Bierhoff mittendrin: "Es gab ein paar Wortgefechte und auch ein kleines Gerangel, mehr aber nicht. Ich bin auf den Rasen geeilt, um zu schlichten", sagte der 38-Jährige einen Tag nach den unschönen Szenen auf dem Rasen des Berliner Olympiastadions. Am Freitag hatte die deutsche Nationalmannschaft im Elfmeterschießen mit 4:2 gegen den zweimaligen WM-Champion den Einzug ins Halbfinale perfekt gemacht. Die unschönen Jagdszenen warfen einen dunklen Schatten auf den Fußball-Thriller.

Der Weltverband Fifa kündigte unterdessen an, die Vorfälle genauestens unter die Lupe nehmen zu wollen. "Wir werden jetzt genau die Berichte und die Fernsehbilder auswerten. Erst dann wird gegebenenfalls die Disziplinarkomission eingeschaltet", sagte Fifa-Mediendirektor Markus Siegler. Sollte dies die deutsche Mannschaft betreffen, werde es ein Eilverfahren geben. Die DFB-Auswahl spielt bereits am Dienstag (21.00 Uhr) in Dortmund im Halbfinale gegen Italien.

Gegen Anstifter Leandro Damian Cufre, der mit einem Tritt in den Unterleib des deutschen Innenverteidigers Per Mertesacker die Tumulte ausgelöst hatte und dafür mit der Roten Karte bestraft wurde, werde ein ganz normales Verfahren eingeleitet, so Siegler. Der deutsche Teammanager sei noch nicht ins Blickfeld der Untersuchungen gerückt, erklärte der Fifa-Sprecher. "So weit wir das bislang beurteilen können, wollte er nur beruhigen."

Bierhoff glaubt derweil nicht, dass es zu nachträglichen Sanktionen kommt: "Die Fifa hat auch von uns einen Bericht angefordert. Das wird keine Folgen haben". Unterdessen bestätigte der frühere DFB-Kapitän, mit seinem Eingreifen wohl Schlimmeres verhindert zu haben. "Ich war ein gutes Ablenkungsmanöver für Per Mertesacker." Der Hannoveraner hat sich dennoch am Oberschenkel einen Stollenabdruck seines Widersachers zugezogen.

Mutmaßliche Provokation von Borowski

Die Argentinier fühlten sich nach eigenen Angaben von einer Geste von Tim Borowski provoziert, der nach seinem verwandelten Elfmeter mit seiner Hand die Südamerikaner aufforderte, den Mund zu halten. "Die Argentinier hatten nicht gerade einen Heiligenschein auf. Sie haben während des Elfmeterschießens versucht, uns aus der Ruhe zu bringen. Das war eher eine beruhigende Geste von mir", erklärte Borowski hinterher. So sollen die Argentinier jedem deutschen Schützen spanische Schimpfworte mit auf dem Weg zum Elfmeterpunkt gegeben haben.

Bundestrainer Jürgen Klinsmann, der ebenso wie Bierhoff zur Schlichtung des Streits auf den Rasen herbeigeeilt war, wollte die Szenen nicht überbewerten. "Ich hatte keinen Überblick, was genau passiert ist. Aber das sind nach so einem Krimi eben Emotionen, die schon einmal vorkommen können. Das ist schnell vergessen."

Bierhoff wollte den erhöhten Pegel an Stresshormonen unterdessen nicht als Entschuldigung für die unschönen Szenen gelten lassen: "Das war schade, denn sie geben kein gutes Bild ab. Die Fans feiern friedlich im Stadion und auf den Straßen, da sollten auch Spieler und Verantwortliche als Vorbild vorangehen."

Fifa-Chef Joseph S. Blatter hat indes verärgert über die Tumulte reagiert. "Ich bin sehr wütend darüber. Es gab keinen Anlass zu diesen Auseinandersetzungen. Wir werden Schritte einleiten gegen die Provokateure", sagte Blatter dem BBC-Radio Fivelive.

© SID

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