Fußball WM
Graham Poll gesteht Missgeschick ein

Nach seinem Missgeschick im Vorrundenspiel zwischen Kroatien und Australien hat der englische Schiedsrichter Graham Poll seinen Fehler zugegeben. Poll hatte dem Kroaten Josip Simunic dreimal die Gelbe Karte gezeigt.

Ganz nach dem Motto "mea culpa" hat der englische Fifa-Schiedsrichter Graham Poll seinen Fehler im Spiel zwischen Kroatien und Australien (2:2) am vergangenen Donnerstag zugegeben und mit einer Konzentrationsschwäche erklärt. "Er hat mir gesagt, dass er die zweite Gelbe Karte für den Kroaten Josip Simunic auf seinem Notizblock aus Versehen der Nummer drei der Australier zugeordnet hat. Deshalb hat Poll nicht erkannt, dass es eigentlich die zweite Gelbe Karte für Simunic und damit Gelb-Rot gewesen wäre", erklärte Fifa-Schiedsrichtersprecher Andreas Werz den regeltechnischen Fehler des 42-jährigen Briten.

"Poll ist sehr niedergeschlagen"

Die Schiedsrichter-Kommission der Fifa bestätigte indes am Samstag in einer Pressemitteilung den "Fehler" und auch die Tatsache, dass kein Mitglied des Gespanns diesen bemerkt hatte. "Poll ist sehr niedergeschlagen", meinte Fifa-Mediendirektor Markus Siegler, nachdem einen Tag zuvor bereits Fifa-Präsident Joseph S. Blatter den Profi-Referee schwer kritisiert hatte: "Das kann ich nicht verstehen, und das kann ich auch nicht verzeihen", meinte Blatter.

Werz geht davon aus, dass für den seit 26 Jahren pfeifenden Poll die WM vorzeitig beendet ist. "Graham sucht nicht nach Entschuldigungen, kann sich seinen Fehler aber noch nicht erklären", meinte Werz. Angel Maria Villar, Vorsitzende der "Schiri"-Kommission, stellte trotz der Schelte die bisherigen Verdienste Polls heraus. Er sei ein herausragender Schiedsrichter, der dank seiner großen Persönlichkeit und seiner Liebe zum Fußball auch diese Situation überstehen werde, erklärte Villar Llona.

Poll und der zweimalige Weltschiedsrichter Markus Merk (Kaiserslautern) nahmen am Samstag wie geplant nicht an der gemeinsamen Übungseinheit der Unparteiischen in Neu-Isenburg teil. Jeweils am zweiten Tag nach einem Einsatz haben die Referees offiziell trainingsfrei.

Muss Poll nach den Achtelfinals nach Hause?

"Unter normalen Umständen wird er bei dieser WM wohl kein Spiel mehr zu leiten bekommen", meinte Werz. Die Kommission der Unparteiischen wird den Briten voraussichtlich vorzeitig nach Hause schicken, wenn das Gremium bei seiner turnusmäßigen Tagung am Mittwoch in Berlin (14.00 Uhr) den Pool für das Viertel- und Halbfinale sowie das Endspiel benennt.

Die Nominierungskriterien sprechen gegen Poll. "Die bislang bei der WM gezeigten Leistungen stehen in erster Linie im Vordergrund. Aber auch die Ausgewogenheit der Verbände wird eine Rolle spielen", kündigte Werz an.

WM-Schiedsrichter ziehen positives Fazit

Trotz der jüngsten Negativ-Schlagzeilen zogen die Schiedsrichter nach der Vorrunde ein "überwiegend positives Fazit", wie der Russe Walentin Iwanow bestätigte. Der 44-Jährige verteidigte zugleich die konsequente Vorgehensweise und kündigte eine Fortsetzung der "Kartenflut" an. "Es gibt keinen Grund, nach der Vorrunde irgendetwas zu ändern. Wir haben klare Instruktionen der Fifa und werden weiter durchgreifen. Die Zuschauer wollen ja schließlich Fußball sehen und keine Ringkämpfe", konstatierte Iwanow.

In der WM-Gruppenphase hatten insgesamt 13 der insgesamt 18 des Feldes verwiesenen Spieler die "Ampelkarte" gesehen. Bei der WM 2002 in Japan und Südkorea wurden nur sechs Gelb-Rote Karten gezeigt. Der bisherige Negativ-Rekord war bei der Endrunde 1994 in den USA mit sieben "Ampelkarten" erzielt worden.

© SID

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