Fußball WM
Grenzübergang erlebt friedlichen Polen-Ansturm

Der meistbefahrene Grenzübergang an der deutsch-polnischen Grenze, "Swiecko II", erlebt vor dem WM-Gruppenspiel zwischen Deutschland und Polen den zweiten friedlichen Fan-Ansturm innerhalb weniger Tage.

Den Ansturm der polnischen Fußball-Fans während der WM 2006 haben sich die Sicherheitskräfte am meistbefahrenen Grenzübergang an der deutsch-polnischen Grenze anders vorgestellt: Ihre rot-weißen Flaggen wehen aus den Autofenstern, gerne nutzen sie den Zwischenstopp für ein kleines Tänzchen oder bitten den Grenzbeamten um Erinnerungsfotos. Euphorie statt Eskalation rund um "Swiecko II". Rund 4 000 Fans werden hier bis wenige Stunden vor dem Anpfiff der Partie zwischen Gastgeber Deutschland und Polen am Mittwoch um 21.00 Uhr in Dortmund erwartet, und die müssen sich auf eine gründliche Passkontrolle gefasst machen.

Der Übergang wirkt baufällig, PKW und Busse werden in fünf Spuren abgefertigt. "Zur ersten Partie der Polen in Gelsenkirchen kamen 4 000 Fans über diese Grenze. Wir gehen davon aus, dass es am Mittwoch einen ähnlichen Ansturm gibt", sagt Bodo Kaping, Amtsleiter der Bundespolizei in Frankfurt/Oder. Zwar würden sich noch etliche polnische Anhänger in Deutschland aufhalten, doch der spontane Trip zum Public-Viewing ins Nachbarland ist auch jenseits der Oder in Mode gekommen. Und schließlich ist am Tag danach Feiertag in Polen. Das wollen viele ausnutzen.

Die Kontrollen wurden für die WM verschärft. Die Beamten gleichen die Pässe mit der Gewalttäter-Datei Sport der polnischen Kollegen ab. Bei Auffälligkeiten muss rechts rangefahren werden, im schlimmsten Fall droht die Einreiseverweigerung. "Wir haben bislang weniger als zehn Personen zurückgewiesen", erklärt Kaping und ist selbst überrascht von der Ruhe: "Es ist bislang die günstigste Prognose eingetroffen."

Hooligan-Ansturm aus Polen ausgeblieben

Der befürchtete Hooligan-Ansturm ist ausgeblieben. Vor der WM hatte ein Treffen von je 50 gewaltbereiten Fans aus Deutschland und Polen im brandenburgischen Briesen für Aufsehen gesorgt. "Weitere Treffen sollten folgen, doch es hat nichts stattgefunden", sagt Kaping. Polnische Hooligans würden sich meist nur im Dunstkreis ihrer Liga-Vereine aufhalten. Kaping: "Sie haben keine Basis und Logistik in Deutschland. Außerdem wäre eine Reise nach Deutschland für viele von ihnen zu kostspielig."

Die Einsatzkräfte am Grenzübergang berichten bislang von störungsfreien Tagen. "Die Begeisterung für die WM steht im Vordergrund. Einige der Fans stimmen bereits im Auto Jubelgesänge an und wagen bei dem kurzen Halt auch mal ein Tänzchen. Wir erfüllen auch Wünsche nach Fotos mit unseren Beamten. Das trägt zur Deeskalation bei", sagt Bundespolizei-Pressesprecher Jens Schobranski.

Trotz des großen Andrangs halten sich die Wartezeiten an "Swiecko II" in Grenzen. "Das geht zügig. Wir waren nach 15 Minuten Wartezeit durch", sagt Daniel aus Karlsruhe, der mit seinen Freunden einige Tage im 300km entfernten Turek war. Andre aus Ludwigsfelde brachte gar ein Andenken aus Polen mit: "Ich war gerade drüben tanken. Der Tankwart hat mir für meine alte Deutschland-Fahne eine neue polnische Flagge gegeben", erzählte der Brandenburger und grüßte die "Grenzer" mit Rot-Weiß.

Bundespolizei lobt Zusammenarbeit mit polnischen Kollegen

Nicht nur an "Swiecko II" werden die Polen nach Deutschland fahren. "Insbesondere beim Zugverkehr hat sich die Zusammenarbeit mit unseren polnischen Kollegen bewährt. Sie sprechen die Sprache der Fans und können beruhigend auf sie einwirken", lobt Kaping die Kooperation mit den Behörden aus dem Nachbarland.

Der Übergang "Swiecko II", der seinen Namen von der ersten polnischen Stadt hinter der Grenze erhielt, ist der meistbefahrene Grenzübergang zu Polen. LKW bilden täglich kilometerlange Schlangen, auf der Verkehrsachse Berlin, Warschau, Moskau gibt es für den Verkehr keinen günstigeren Übergang.

Auch in Dortmund arbeiten die Beamten vor dem WM-Spiel auf Hochtouren. Im Amtsgericht sind sieben Richter eingesetzt, vier mehr als üblich, die Staatsanwaltschaft setzt sieben statt vier Vertreter ein, damit mögliche Verfahren schnell abgewickelt werden. Etwa 5 000 Polizisten werden im Einsatz sein. Große Aufmerksamkeit gilt dem Hauptbahnhof um 16.37 Uhr, dann kommt der Sonderzug aus Warschau an.

Der für den Sport zuständige Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble wird sich die Partie gemeinsam mit seinem Amtskollegen Ludwik Dorn anschauen. Bisher könne man von gelungenen WM-Auftakttagen sprechen, so der Minister: "Die Sicherheitsbehörden sind aber weiter wachsam, kooperieren eng und werden dafür sorgen, dass wir unser WM-Fest ungestört weiterfeiern können." Das BMI bestätigte, dass die polnischen Behörden eine Liste mit 800 aktenkundigen Gewalttätern übermittelt haben.

© SID

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