Fußball WM
Große Nationen in Bedrängnis

Internationale Schwergewichte wie Frankreich und Portugal stehen vor entscheidenden Spielen in der WM-Qualifikation unter Zugzwang. Besonders bei den Franzosen herrscht dicke Luft.

Brüchiger Burgfrieden in Frankreich, lähmende Verunsicherung in Portugal: Während sich das Fußball-Mutterland England und Europameister Spanien heute bereits vorzeitig das WM-Ticket sichern können, steht anderen zuvor favorisierten Nationen das Wasser bis zum Hals. Stars wie Cristiano Ronaldo oder Franck Ribery droht bei der WM 2010 in Südafrika die Zuschauerrolle, wenn ihre Teams nicht schnellstens die Kurve bekommen.

Vor allem bei Vize-Weltmeister Frankreich geht es vor dem wichtigen Qualifikationsspiel in Belgrad gegen Serbien drunter und drüber. Zunächst berichtete die Zeitung Le Parisien, Kapitän Thierry Henry habe Trainer Raymond Domenech vor versammelter Mannschaft bloßgestellt und ihm "langweiliges Training" und "fehlende Taktik" vorgeworfen. Wenig später dementierte Henry die angebliche Revolte. Es habe lediglich "eine konstruktive Diskussion zwischen Spielern und dem Trainer gegeben".

Was genau angesprochen wurde, wollte der 112-malige Nationalspieler nicht verraten. Man kann jedoch davon ausgehen, dass der Stürmer-Star des Champions-League-Siegers FC Barcelona kritische Worte über die momentane Verfassung der "Equipe Tricolore" gefunden hat.

Gute Stimmung trotz schlechter Ausgangslage

Domenech, dem von der Verbandsspitze der Rücken gestärkt wurde, spielte den Vorfall herunter: "Die Stimmung ist wunderbar. Aber am Ende zählt nur, was auf dem Platz passiert." Genau das könnte dem umstrittenen Coach zum Verhängnis werden: Bei einer Niederlage würden sich die um vier Punkte besseren Serben direkt qualifizieren und "Les Bleus" könnten sogar im Kampf um den Play-off-Platz in Bedrängnis geraten.

Von so eine Perspektive kann Portugal nur träumen. Eine Niederlage beim Tabellenzweiten Ungarn würde praktisch schon das Aus von und Co. bedeuten. Trainer Carlos Queiroz versuchte, seine zuletzt mutlosen "Brasilianer Europas" wachzurütteln: "Wir müssen an uns glauben. Das Spiel ist noch nicht vorbei." Um die Wende einzuleiten, müsste jedoch Weltfußballer Cristiano Ronaldo seine Form wiederfinden. Zuletzt wirkte der Sonnyboy durch die Provokationen des Gegners und die Last des Kapitänsamtes verunsichert.

Noch vor zwei Jahren lag auch die englische Nationalmannschaft am Boden, doch seitdem der Italiener Fabio Capello das Traineramt übernommen hat, läuft es auf der Insel wieder rund. Im Spiel gegen Kroatien im Londoner Wembleystadion wollen die "Three Lions" nicht nur das WM-Ticket perfekt machen, sondern sich auch für das 2:3 von 2007 revanchieren. Damals qualifizierten sich die Kroaten statt England für die EM. "Lasst uns die Sache gegen Kroatien jetzt zu Ende bringen", sagte Liverpool-Star Steven Gerrard.

Spanier haben den Gruppensieg vor Augen

Anders als England und Serbien ist Spanien auch auf Schützenhilfe der Türken (gegen Bosnien-Herzegowina) angewiesen, um sich bereits heute zu qualifizieren. Doch wirkliche Zweifel bestehen weder an einem Heimerfolg gegen Estland noch am Gruppensieg. Trainer Vicente Del Bosque warnte sein Team aber vor Bruder Leichtfuß: "Komplimente können dich schwächen, wenn sie das Einzige sind, was dich zufriedenstellt."

Auch die Slowakei und Dänemark könnten sich bereits zwei Spieltage vor Qualifikationsschluss den WM-Endrundenplatz sichern. Slowenien müsste gegen Nordirland gewinnen und gleichzeitig die Verfolger Slowenien und Polen Unentschieden spielen. Dänemark müsste in Albanien gewinnen und Ungarn sowie Schweden (in Malta) patzen.

Deutschlands Rivale um den Gruppensieg, das von Erfolgscoach Guus Hiddink trainierte Russland, steht im Spiel in Wales vor einer unangenehmen Aufgabe. Hiddink warnte seine Spieler, bereits jetzt an das wohl entscheidende Duell gegen die DFB-Elf am 10. Oktober zu denken: "Wir müssen hochkonzentriert sein."

© SID

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