Fußball WM
Im Nationalteam hui, bei Bayern pfui

Unter Jürgen Klinsmann im Mittelmaß versunken, unter Joachim Löw in der Erfolgsspur: Die Nationalspieler von Bayern München, die unter dem früheren Bundestrainer Klinsmann mit dem deutschen Rekordmeister in der Krise stecken, blühen unter dem ehemaligen Klinsmann-Assistenten Joachim Löw beim DFB-Team regelmäßig auf.

"Wir gehen auf die Spieler ein, stellen sie gemäß unserer Philosophie richtig ein und trainieren entsprechend", sagte Löw lapidar und verkniff sich jegliche Kritik an den Bayern und erst recht an seinem früheren Chef.

Schließlich habe man auch in dieser Saison, in der die Bayern in der Bundesliga auf Platz elf abgesackt sind, schon Spiele gesehen, in denen Miroslav Klose, Philipp Lahm, Lukas Podolski und Bastian Schweinsteiger gute Leistungen gezeigt hätten, betonte der Bundestrainer. Zumindest bei Podolski und Klose muss man diese Einschätzung nicht teilen.

Podolski spricht Klartext

"In der Nationalmannschaft spiele ich, bei den Bayern nicht", beantwortete Podolski am Montag knapp und prägnant die Frage, was für ihn den Unterschied zwischen den Bayern und der Nationalmannschaft ausmache. Der ehemalige Kölner, der in seinen 58 Länderspielen bereits 31 Treffer erzielt hat und seine Klasse nicht nur durch sein 1:0 gegen Russland (2:1) wieder unter Beweis gestellt hatte, war nach dem WM-Qualifikationsspiel am Samstag in Dortmund aber schon deutlicher geworden: "Hier habe ich das Vertrauen. Der Trainer hat mir wieder die Chance gegeben, und das Vertrauen habe ich mit einem guten Spiel zurückgezahlt", meinte der Münchner Edelreservist mit einem Seitenhieb auf seinen Klub. Dort nehmen sich Klinsmann, Manager Uli Hoeneß und vor allem Klubchef Karl-Heinz Rummenigge Podolski häufiger verbal zur Brust.

Dieses Dilemma hat auch Franz Beckenbauer offensichtlich erkannt. "Podolski spielt in der Nationalelf immer selbstbewusster als bei Bayern. Seine Körpersprache zeigt: Bei der Nationalelf fühlt er sich zu Hause", schrieb der Bayern-Präsident in der Bild. Hoffnung konnte er Podolski, der hinter Luca Toni und Klose nur die dritte Geige spielt, aber nicht machen: "Ob Poldi der Treffer hilft, beim nächsten Bundesliga-Spiel in der Start-Elf zu stehen, kann nur Jürgen Klinsmann entscheiden."

Klose, der für seinen Arbeitgeber derzeit kein Scheunentor trifft, hatte bereits nach seinem Dreierpack beim 3:3 des Vize-Europameisters in Finnland Mitte September Löw in den höchsten Tönen gelobt: "Er hat immer zu mir gehalten, das hat mir sehr geholfen." Der Bundestrainer ist ohnehin davon überzeugt, "dass sich Vertrauen immer auszahlt".

"Das kann man nicht vergleichen"

Auch Schweinsteiger und Lahm, die in den vier Länderspielen nach der Euro im DFB-Trikot durchweg überzeugen konnten, haben bei ihrem Klub derzeit Probleme. "Nationalmannschaft und Verein sind zwei verschiedene Sachen, das kann man nicht vergleichen", meinte Lahm.

Schweinsteiger, trotz seiner erst 24 Jahre zwischenzeitlich bereits mit der Kapitänsbinde in der DFB-Auswahl geadelt, sprach von "der glänzenden Atmosphäre", die in der Nationalmannschaft herrsche. "Deshalb freue ich mich auf jedes Länderspiel", sagte der 60-malige Nationalspieler.

Dass sich der frühere Lausbub unter Löw prächtig entwickelt, sieht auch Beckenbauer so: "Ich habe oft seine schlechten Flanken mit dem linken Fuß kritisiert. Die Kritik scheint angekommen zu sein. Früher wäre seine Flanke zum 2:0 hoch auf der Tribüne gelandet. Diesmal auf Ballacks Fuß. Das passt", bewertete der Fußball-Kaiser Schweinsteigers Leistung gegen die Russen, die er am Mittwoch im nächsten WM-Qzualifikationsspiel gegen Wales in Mönchengladbach (20.45 Uhr/live im ZDF) bestätigen sehen will.

© SID

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