Fußball-WM in Katar
Deutscher Bauaufseher dementiert Todesopfer

Ein deutscher Bauaufseher hat Berichte über Todesopfer beim Stadionbau für die Fußball-Weltmeisterschaft 2022 in Katar für seine Baustelle zurückgewiesen. Auch ein Anwalt geht gegen die Berichte vor.
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DüsseldorfAm Bericht einer britischen Tageszeitung über Sklavenarbeit und mindestens 44 tödliche Arbeiterunfälle am Fußball-WM-Austragungsort Katar tauchen nun erhebliche Zweifel auf. Der mit der Bauaufsicht beauftrage deutsche Unternehmer Olaf Hoffmann sagte dem Handelsblatt (Freitagausgabe): „Auf den Baustellen in Lusail City ist in den vergangenen zwei Jahren kein einziger Arbeiter gestorben“. Dabei war die am Reißbrett entworfene 35-Quadratkilometer-Retortenstadt, die das größte der neun WM-Stadien beherbergen soll, in dem Skandalbericht als einzige Baustelle namentlich genannt worden.

Die von Hoffmann geleitete Offenbacher Dorsch-Gruppe hat den Auftrag, Verstöße gegen Sicherheitsbestimmungen zu dokumentieren und sie mit Strafzahlungen zu ahnden. Ein Interesse, die Situation schönzureden, ist deshalb bei Hoffmann nicht erkennbar.

Schon am Dienstag war ein Anwalt, der nepalesische Gastarbeiter in Katar betreut, mit der britischen Tageszeitung „The Guardian“ auf einer Pressekonferenz hart ins Gericht gegangen. Der Bericht über die Ausbeutung seiner Landsleute auf den WM-Bauplätzen sei „in allen Einzelheiten falsch“, kritisierte er. Ähnlich äußerte sich die Menschenrechts-Kommission des WM-Austragslands Katar.

Wegen der hohen Zahl von Todesfällen und angeblicher Sklavenarbeit hatten zuletzt die Grünen gefordert, Katar die Weltmeisterschaft 2022 zu entziehen. Auch der Weltfußballverband Fifa diskutierte am Mittwoch Konsequenzen aus der Berichterstattung.

Angesichts von Medienberichten über Sklavenarbeit in Katar, dem Austragungsland der Fußball-Weltmeisterschaft 2022, hat das Golfemirat eine internationale Anwaltskanzlei eingeschaltet. Wie das katarische Arbeitsministerium am Donnerstag weiter mitteilte, sollen alle Vorwürfe unabhängig geprüft und ein Bericht über deren Wahrheitsgehalt erstellt werden.

Am Montag werde eine internationale Delegation in Katar erwartet. Sie werde sich mit den Arbeitsbedingungen befassen, hieß es. Die Regierung Katars hatte einen Zeitungsbericht zurückgewiesen, wonach ausländische Arbeiter für die großen Bauprojekte zur Fußball-WM in dem Land wie Sklaven behandelt werden.

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  • Ohne die Arbeitsbedingungen im einzelnen zu kennen und bewerten zu wollen, halte ich die Diskussion über die angeblich hohe Anzahl von Todesfällen für irreführend. Zitat der IGB-Generalsekretärin aus der Süddeutschen Zeitung online (26. September 2013 17:56):
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    "Die katarischen Behörden tun in dieser Sache nichts, was Substanz hat", sagte die IGB-Generalsekretärin Sharan Burrow. Die Zahlen zeigten, dass "mindestens ein Gastarbeiter pro Tag in Katar stirbt". Laut IGB befinden sich derzeit 1,2 Millionen ausländische Arbeiter in Katar, eine weitere Million wird bis zur WM erwartet.
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    Eine Sterblicheit von einem Menschen pro Tag bei 1,2 Mio Arbeitern ist nicht besonders hoch. Vergleich: Deutschland, 2011, Männer 20-24 Jahre: 56,3 pro 100000 und Jahr, Quelle: http://www.gbe-bund.de
    <=> 1,85 Menschen pro Tag.

  • Für diese ganz Katarherrscherbrut und deren abhängige Vasallen, wie der zwielichtige Hoffmann, sind Menschen doch nur Abfall und höchstens zur Zwangsarbeit zu gebrauchen. Dies erinnert stark an Deutschland in den Jahren 1933 bis 1945.

  • "The Guardian" ist eine der seriösesten Tageszeitungen Europas. Die saugen sich das nicht aus den Fingern! Im Gegenteil: Ich glaube diesem Unternehmer Olaf Hoffmann KEIN WORT! Es ist doch sehr offensichtlich was jetzt gespielt wird: Die FIFA/Blatter aktiviert im Hintergrund "alle politischen Kontakte"- so soll auf den Guardian Druck ausgeübt und Mundtot gemacht werden. Kennen wir das nicht irgendwo her? Stichwort NSA-Affäre?

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