Fußball WM
Kein Videobeweis bei Zidanes Platzverweis

Die Rote Karte gegen Zinedine Zidane im WM-Finale war nicht Folge eines Videobeweises. Der vierte Unparteiische Luis Medina Cantalejo erklärte, die Tätlichkeit mit eigenen Augen gesehen zu haben.

Nachdem der letzte Ball seinen Weg ins Netz gefunden hatte, dachte selbst Franz Beckenbauer an die "Sorgenkinder" der Endrunde. "Die Schiedsrichter hatten es wirklich nicht leicht. Es gibt Tendenzen, da müssen wir aufpassen. Es ist geht schließlich um unseren Sport, den Fußball", sagte der deutsche WM-Organisations-Chef nach dem Sieg Italiens über Frankreich (1:1 n.V., 5:3 im Elfmeterschießen) in einem Spiel, das erneut nicht ohne Diskussion über die Leistung des Unparteiischen auskam.

Vor allem das unrühmliche Karriereende des französischen Kapitäns Zinedine Zidane rückte das Schiedsrichter-Gespann wie so oft bei der WM in den Blickpunkt. Auch der Weltverband Fifa erkannte sofort die Brisanz des Platzverweises gegen den Superstar und wies am Montag die aufgekommenen Spekulationen über einen möglichen Videobeweis umgehend zurück.

Cantalejo Augenzeuge des Kopfstoßes

Laut der Fifa zeigte Referee Horacio Elizondo (Argentinien) Zidane die Rote Karte nach einem Hinweis des vierten Unparteiischen Luis Medina Cantalejo (Spanien), der den Kopfstoß des Spielmachers gegen den Italiener Marco Materazzi in 110. Minute im Gegensatz zu Elizondo gesehen hatte. Cantalejo erklärte, dass er die Tätlichkeit Zidanes mit eigenen Augen, und nicht am Bildschirm, gesehen habe. Danach habe er seine Beobachtung mit Hilfe des Kommunikationssystem an den Schiedsrichter weitergegeben.

"Wenn es so war, dann ist es regeltechnisch hundertprozentig in Ordnung. Auch der vierte und der fünfte Offizielle dürfen ihre eigenen Beobachtungen immer an den Unparteiischen weiterleiten", sagte der deutsche Schiedsrichter-Lehrwart Eugen Strigel dem Sport-Informations-Dienst (sid). Die Spekulationen darüber, ob Cantalejo die Tätlichkeit Zidanes wirklich mit eigenen Augen oder erst in der Zeitlupe auf dem Monitor neben seinem Platz gesehen hat, werden allerdings trotz der Aussage des Spaniers nicht allzu schnell verstummen.

Gemischte Gefühle beim WM-Fazit

"Wenn die Aussage Catalejos nicht den Tatsachen entsprechen würde, dann wäre es regeltechnisch nicht in Ordnung gewesen. Dann hätten wir tatsächlich den Videobeweis gehabt", erklärte Strigel, den beim WM-Fazit gemischte Gefühle beschleichen: "Nachdem es am Anfang nicht so gut war, war das Ding ab der K.o.-Runde in Ordnung. Dann haben alle so gepfiffen wie vor der WM. Gerade im Finale gab es viele schwere Situationen, die alle richtig entschieden wurden."

Diese schwierige Situationen sind es auch, die Beckenbauer beunruhigen. Der "Kaiser" macht für die Probleme der Referees aber die Spieler verantwortlich: "Bei der kleinsten Berührung legen sie sich hin und fordern auch noch gelb für den Gegenspieler. Die Karte hätten sie eigentlich verdient. So sollte es nicht weitergehen. Wir müssen da zu einer Regelung kommen."

© SID

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