Fußball WM
Kroatischem Störenfried droht empfindliche Strafe

Dem kroatischen Fan, der kurz vor Ende der Vorrundenpartie zwischen Brasilien und Kroatien (1:0) auf das Spielfeld gelaufen war, droht nun eine empfindliche Geldstrafe.

Das Albtraumszenario der Sicherheitskräfte wurde schon am fünften Spieltag Realität: Was das Organisationskomitee mit aller Macht verhindern wollte, trat schon am fünften Tag der Fußball-WM beim Spiel zwischen Titelverteidiger Brasilien und Kroatien (1:0) ein. In der 86. Minute, um 22.43 Uhr, stürmte ein kroatischer Fan auf den Rasen des Olympiastadions, fiel vor Dado Prso auf die Knie und ließ sich dann von dem besonnen reagierenden Angreifer der Glasgow Rangers widerstandslos vom Feld führen.

Wie der alkoholisierte Flitzer allerdings das Sicherheitssystem im Endspiel-Stadion aushebeln und den 2,70 m tiefen und 1,80 m breiten Graben am Innenraumrand überwinden konnte, war nicht nur den Verantwortlichen schleierhaft. "Es waren 2000 Ordner im gesamten Stadionbereich, im Innenraum mehr als 100. Es ist uns unerklärlich, wie er aufs Feld kommen konnte", sagte OK-Pressesprecher Gerd Graus, der mit Blick auf die Ausmaße des Grabens meinte: "Das muss ein Leistungssportler gewesen sein."

Der Mann habe einen Ordner umgerannt und einen weiteren umkurvt. Warum ihm niemand aufs Spielfeld gefolgt ist, werde derzeit geprüft. "Bei aller Bewunderung für die leichtathletische Leistung war das kein Kavaliersdelikt. Es gibt Stadionverbot, einen Strafantrag und eventuell eine Geldstrafe", erklärte Graus.

Polizei hielt den Mann in Gewahrsam

Die Polizei hielt den Mann über Nacht in Gewahrsam. "Er wurde unter dem Tatvorwurf des Hausfriedensbruches festgenommen. Momentan läuft es auf ein beschleunigtes Verfahren heraus, an dessen Ende eine Geldstrafe denkbar wäre", sagte Michael Grunwald, Sprecher der Staatsanwaltschaft Berlin. Ob der Weltverband Fifa zivilrechtliche Schritte einleitet, ist noch unklar.

Die erste Reihe im Olympiastadion war nicht wie in den anderen WM-Städten aus Vorsicht mit ausgewählten und vertrauenswürdigen Personen (z.B. Schiedsrichter) besetzt worden. "Wir dachten, der Graben würde reichen", sagte Graus.

Strenge Einlasskontrollen sollten zudem verhindern, dass Feuerwerkskörper oder andere gefährliche Gegenstände ins Stadion gelangten. Auch diese Maßnahme schlug fehl, obwohl 823 Feuerwerkskörper an den Stadiontoren konfisziert worden waren. Im kroatischen Block wurden während des Spiels drei bengalische Feuer gezündet. Die Täter sollen nun mittels Videobeweis überführt werden.

Die kroatischen Spieler blieben betont gelassen, zumal der Störer, der ein Trikot mit dem Namen des Bremer Angreifers Ivan Klsnic trug, nicht bewaffnet war. "Das sollte man nicht überbewerten. Das war ein Junge, der ein bisschen viel getrunken hat", meinte der Berliner Josip Simunic.



© SID

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