Fußball WM
Krug hält WM-Manipulationen für ausgeschlossen

Im Mittelpunkt werden bei der WM nicht nur die Spieler, sondern vor allem auch die Schiedsrichter stehen. Hellmut Krug, Schiedsrichter-Abteilungsleiter des DFB, glaubt, dass die 22 Referees ein gutes Bild abgeben werden.

Als Schiedsrichter-Abteilungsleiter des DFB wird Hellmut Krug bei der WM-Endrunde in Deutschland vor allem das Auftreten der Unparteiischen mit Argusaugen verfolgen. Dass es zu Manipulationen kommen könnte, hält der ehemalige Bundesliga-Schiedsrichter für nahezu ausgeschlossen.

sid: "Herr Krug, 22 Schiedsrichter wurden für die WM nominiert. Sind sie wirklich die Besten der Welt?"

Hellmut Krug: "Das wird sich erst während des Turniers zeigen. Die Entscheidung der Fifa, die Schiedsrichterzahl bei der WM von 36 auf 22 zu reduzieren und somit die individuelle Einsatzzahl für die Unparteiischen zu erhöhen, ist aber sicherlich richtig."

sid: "Wäre es denn nicht sinnvoller gewesen, verstärkt auf Schiedsrichter aus Topligen zu setzen, anstatt auf - mit Verlaub - Exoten aus Afrika und Asien?"

Krug: "Die Fifa besteht nun einmal aus sieben Konföderationen. Diese haben alle ihre Ansprüche und das Interesse, ihre besten Schiedsrichter zur Weltmeisterschaft zu senden. Auch deshalb hat die Fifa entschieden, jede Konföderation zu berücksichtigen."

sid: "Sind überhaupt alle Schiedsrichter körperlich fit? Wo lagen die Schwerpunkte in der Vorbereitung?"

Krug: "Das Hauptaugenmerk in der Vorbereitung lag bisher auf der körperlichen Fitness. Die WM-Kandidaten wurden nicht nur medizinisch auf Herz und Nieren untersucht, sondern mussten sich einem sehr anspruchsvollen Leistungstest unterziehen. Wer diesen nicht geschafft hat, kam als Schiedsrichter für die Weltmeisterschaft gar nicht erst in Frage. Deshalb steht fest, dass alle Unparteiischen bei der WM körperlich topfit sein werden."

sid: "Erhöhen Gespanne aus einem Land, oder zumindest einer Konföderation wirklich die Qualität? Gibt es dafür noch mehr Argumente als nur die gemeinsame Sprache?"

Krug: "Bei der Weltmeisterschaft werden Gespanne auflaufen, die in ihren jeweiligen Konföderationen bereits seit Monaten oder sogar Jahren gemeinsam Spiele leiten. Damit sollte gewährleistet sein, dass sie eingespielt sind und ihr Verständnis untereinander über die Sprache hinaus geht, sprich sie verstehen sich auch nonverbal."

sid: "Die Nominierung von Markus Merk stand nie in Frage. Was zeichnet ihn besonders aus?"

Krug: "Markus Merk ist unbestritten einer der besten Schiedsrichter der Welt und verfügt über unglaublich viel nationale und internationale Erfahrung. Er genießt weltweit eine große Reputation, und daher war seine Nominierung für die WM stets unbestritten."

sid: "Die WM setzt immer auch neue Trends im Bereich der Regeln. Wird es Regeländerungen geben?"

Krug: "Das abschließende Briefing für die Schiedsrichter wird erst unmittelbar vor der WM stattfinden. Dort werden dann gegebenenfalls Regeländerungen und Verschärfungen besprochen. Fest steht allerdings schon, dass ein Spieler, der nach einem Pfiff des Schiedsrichters gegen seine Mannschaft noch unsportlich den Ball spielt, um das Spiel zu verzögern, zu verwarnen ist."

sid: "Halten sie Manipulationen von Seiten der Schiedsrichter wie in den Fällen Hoyzer und De Santis bei der WM für möglich? Legen sie für alle WM-Schiedsrichter die Hand ins Feuer oder besteht die Gefahr?"

Krug: "Wir halten es für unmöglich, dass die Schiedsrichter bei der WM ein Spiel manipulieren wollen oder können. Wir sind davon überzeugt, dass die 22 Unparteiischen die Partien nach bestem Wissen und Gewissen leiten werden."

sid: "Wie ist das Zusammengehörigkeitsgefühl bei den Schiedsrichtern? Fühlen sie sich als Team? Ist die gegenseitige Unterstützung da?"

Krug: "Man kann sagen, dass die Schiedsrichter die 33. Mannschaft bei der Weltmeisterschaft stellen. Sie sind ein vollwertiges Team, in dem es wie in jeder Fußball-Mannschaft auch topgesetzte Leute und Ersatzmänner gibt. Und wie die Spieler hat auch jeder Schiedsrichter den Ehrgeiz, das Beste bei der WM zu erreichen, sprich sich durch gute Leistungen möglichst viele Einsätze zu sichern."

sid: "Wie wird das Leben im Quartier aussehen? Überspitzt gefragt: Kaserne oder Freizeitpark?"

Krug: "Die Weltmeisterschaft wird für die Schiedsrichter auf jeden Fall alles andere als ein Urlaub. Die Referees, die gerade nicht zu einem Einsatz unterwegs sind, werden betreut. Dabei gilt es, die richtige Balance zwischen Be- und Entlastung zu finden. Das heißt, die Schiedsrichter werden zum einen ausreichend trainiert, medizinisch betreut und ihre bisherigen Spiele nachbearbeitet, zum anderen wir ihnen aber auch ein Freizeitprogramm geboten."

sid: "Wie wird mit den Schiedsrichtern während der WM gearbeitet? Videostudium, Fehleranalyse, psychologische Betreuung?"

Krug: "Diese Punkte spielen in den vier Wochen der Weltmeisterschaft alle eine Rolle. Die Schiedsrichter haben aus jedem Bereich einen Ansprechpartner. Der Schiedsrichter-Ausschuss der Fifa ist anwesend, es gibt eine medizinische und eine trainingswissenschaftliche Abteilung. Eine absolut professionelle Betreuung, die die Leistungen der Schiedsrichter auf dem Feld positiv beeinflussen soll, ist also gewährleistet.

© SID

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