Fußball WM
Löw: "Müssen es so nehmen wie es kommt"

In Kapstadt findet am Freitag die Auslosung für die WM-Vorrunde statt. Im Gespräch mit dem Sport-Informations-Dienst (SID) spricht DFB-Coach Joachim Löw über seine Erwartungen.

Am Freitag werden in Kapstadt die Vorrundengruppen für die WM 2010 ausgelost. Auch Bundestrainer Joachim Löw wird mit Nationalmannschafts Oliver Bierhoff und Co-Trainer-Manager Hansi Flick vor Ort sein. Im Interview mit dem Sport-Informations-Dienst (SID) spricht Löw über das Kribbeln vor der Auslosung und die Vorbereitungen auf die erste WM auf afrikanischem Boden.

SID: "Sie werden am Freitag bei der Auslosung vor Ort sein, haben Sie Wunschgegner für die WM-Vorrunde?"

Joachim Löw: "Nein, wir müssen es einfach so nehmen, wie es kommt. Es ist ja ganz schon ganz gut, dass wir gesetzt sind. Aller Wahrscheinlichkeit nach werden wir einen europäischen und einen afrikanischen Gegner zugelost bekommen. Egal, mit wem wir uns in der Vorrunde messen müssen, es wird nicht einfach. Denn es erwartet uns wegen der ungewöhnlichen Bedingungen ein schwieriges Turnier. Wir müssen mit dem Höhenunterschied klarkommen und wir spielen in der Winterzeit, das sind schon große Unterschiede zu den bisherigen Turnieren."

SID: "Kribbelt es denn bei Ihnen vor der Auslosung ein bisschen?"

Löw: "Ja, denn ich freue mich wahnsinnig auf die Auslosung. Denn dann beginnt für mich das Turnier, dann geht die WM los. Am Freitag werden wir wissen, gegen wen wir spielen, wo wir spielen und vor allem wann wir spielen. Danach können wir mit den konkreten Planungen beginnen."

SID: "Was bedeutet das konkret?"

Löw: "Wenn wir wissen, wann wir in Südafrika anreisen müssen, können wir unsere Vorbereitung konkret planen. Falls wir zum Beispiel schon an den ersten beiden Tagen spielen müssen, werden wir überlegen, ob das vorgesehene Regenerations-Trainingslager terminlich überhaupt zu machen ist. Zudem wollen wir bis zum Jahresende dann auch festlegen, gegen welche Mannschaften wir in der direkten Vorbereitung spielen. Das sollen Gegner sein, die in ihrer taktischen Ausrichtung einen ähnlichen Charakter haben wie unsere Vorrundengegner."

SID: "Ist die Entscheidung denn schon gefallen, wo sich die deutsche Mannschaft auf die Endrunde vorbereiten wird?"

Löw: "Nein. Wenn das Regenerationstrainingslager durchgeführt werden kann, was wir uns alle wünschen, dann auf jeden Fall im Süden. Den Großteil der Vorbereitung werden wir dann entweder in Österreich oder der Schweiz bestreiten."

SID: "Werden Sie in Südafrika auch noch einmal das deutsche Quartier Velmore Grande inspizieren?"

Löw: "Vor der Auslosung werden Hansi Flick und Oliver Bierhoff sich das Hotel noch einmal anschauen und sehen, wie weit man dort mit den Bauarbeiten vorangekommen ist. Ich selbst werde dann im Februar noch einmal nach Südafrika fliegen und das Hotel begutachten, um dann möglicherweise noch einige Korrekturen festzulegen."

SID: "Sie hatten angekündigt, im Herbst einen Kreis von rund 30 WM-Kandidaten öffentlich zu machen. Wird das in diesem Jahr noch passieren?"

Löw: "Im Prinzip ist der Kandidatenkreis ja bekannt. Uns war wichtig, dass wir im Gegensatz zu 2008 den Kreis der WM-Kandidaten etwas einengen wollten. Sicherlich zählen auch Aaron Hunt und auch Thomas Müller weiter dazu. Wichtig ist, dass sich alle Kandidaten in den nächsten Monaten bei ihren Klubs weiter für die Nationalmannschaft empfehlen, denn wir haben vor der Bekanntgabe des WM-Aufgebotes nur noch ein Spiel gegen Argentinien im März. Sicherlich wird der ein oder andere auch in diesem Spiel noch eine Chance erhalten, aber wichtig sind die Leistungen bei den Klubs bis dahin."

SID: "Haben Sie sich schon Gedanken darüber gemacht, wer gegen Argentinien das Tor hüten wird und ob dieser Schlussmann dann auch bei der WM die Nummer eins sein wird?"

Löw: "Nein, darüber haben wir uns noch überhaupt keine Gedanken gemacht und werden dies aus Respekt vor Robert Enke auch in diesem Jahr nicht mehr tun."

SID: "Gibt es mittlerweile einen Termin mit dem Deutschen Fußball-Bund für die Gespräche über eine Vertragsverlängerung?"

Löw: "Nein, denn es gibt nach wie vor keine Eile. Nach der Auslosung wartet eine Menge Arbeit auf uns. Wenn wir die WM-Vorbereitung stehen haben, kann man mal darüber nachdenken, wann wir uns zusammensetzen."

SID: "Seit dem Selbstmord von Robert Enke sind rund drei Wochen vergangen, wie geht es Ihnen mittlerweile persönlich?"

Löw: "Es geht mir wieder besser. Die Trauer ändert sich allmählich in positive Erinnerung. Das war natürlich ein Schock für uns alle, eine unglaublich traurige Erfahrung, die wir machen mussten. Aber mit dem Spiel gegen die Elfenbeinküste haben wir den ersten Schritt in die Normalität gemacht. Wir müssen wieder positiv in die Zukunft schauen. Dabei werden wir Robert aber nicht vergessen, sondern uns immer wieder an die vielen schönen Momente mit ihm erinnern."

© SID

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