Fußball WM
Michel wird Elfenbeinküste wohl den Rücken kehren

Trainer Henri Michel wird das Nationalteam der Elfenbeinküste wohl nach der WM nicht mehr weiter betreuen. "Der Verband hat mich bisher nicht gefragt, ob ich weitermachen will", sagte der 58-Jährige.

Der Nationaltrainer der Elfenbeinküste, Henri Michel, hat sich über seine insgesamt vierte WM-Teilnahme nur wenig freuen können. "Wir sind nach Deutschland gefahren, um sehr weit zu kommen, aber wir haben eine Lehrstunde gekriegt. Es reicht einfach noch nicht. Meine Mannschaft ist sehr talentiert, aber es fehlt ihr noch die Cleverness", analysiert der Coach der Elfenbeinküste den verpassten Einzug ins Achtelfinale, fügte aber gleich hinzu: "Für die Zukunft ist das eine hoffnungsvolle Mannschaft. Sie wird noch viel erreichen können."

"Afrikanischem Fußball genug gegeben"

Bei diesem Unterfangen wird Michel allerdings nicht mehr dabeisein, seine Mission endete am Mittwoch mit der Partie gegen Serbien und Montenegro. "Der Verband hat mich bisher nicht gefragt, ob ich weitermachen will", äußert sich Michel knapp zu seiner Zukunft, die wohl nicht mehr auf dem Schwarzen Kontinent liegen wird: "Ich habe dem afrikanischen Fußball genug gegeben."

Wohl wahr, schon Kamerun (1994) und Marokko (1998) hatte der 58-Jährige bei der WM betreut. Auch bei Tunesien (2002) stand er schon in der Verantwortung, wurde aber noch vor der Endrunde in Japan und Südkorea wegen des schlechten Abschneidens bei der Afrikameisterschaft entlassen. Sein erstes von vier WM-Turnieren als Trainer absolvierte Michel 1986 mit seinem Heimatland Frankreich, das er in Mexiko zum dritten Platz führte. Nur der Serbe Milutinovic war einmal häufiger als Trainer bei einer WM dabei.

Auf sein Image als "Weltenbummler" ist Michel stolz: "Fußball ist wie eine Passion. Ich habe auf meinen vielen Stationen eine Menge gelernt, auch bei der Elfenbeinküste. Ich musste begreifen, wie sie funktionieren, wie sie Probleme lösen, wie sie die Sachen angehen."

"Defensive zu sehr vernachlässigt"

Dieser Lernprozess war für Michel nicht immer sehr einfach. Vor allem den technisch hoch talentierten Jungstars ein gescheites Defensiv-Verhalten beizubringen, wurde für den Coach zum schier unüberwindlichen Problem. "Wir haben die Defensive zu sehr vernachlässigt", nannte Michel auch als Grund für das frühe WM-Aus: "Da fehlt uns noch die Erfahrung."

An der Elfenbeinküste standen die Fans dem Coach stets distanziert gegenüber, daran änderte auch die erstmalige WM-Qualifikation in der Geschichte der Ivorer nichts. Eine verfehlte Personalpolitik, dazu taktische Fehler, wurden ihm nur all zu oft nachgesagt. Allein der Erfolg - beim Afrika-Cup landete die Elfenbeinküste zudem auf dem zweiten Platz - hielt Michel noch im Amt.

"Den Spielern gehört der Ruhm"

Nach der wochenlangen Kritik an seiner Person verzichtete Michel darauf, an den Jubelfeiern nach der WM-Teilnahme teilzunehmen. "Den Spielern gehört der Ruhm", sagte Michel, der im Libanon lebt, der Heimat seiner Frau. Einen Zweitwohnsitz besitzt er noch in Paris.

Als Spieler absolvierte Michel 58 Länderspiele (vier Tore) für Frankreich und machte sich als Stratege im Mittelfeld einen Namen. Dabei nahm er unter anderem an der Weltmeisterschaft 1978 in Argentinien teil.

© SID

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