Fußball WM
"Oranje" hat vor niemandem Angst

Die Niederlande hat am Freitag durch den 2:1-Sieg gegen die Elfenbeinküste den vorzeitigen Achtelfinaleinzug gefeiert. Voller Selbstbewusstsein verkündet "Oranje": "Wir brauchen vor keiner Mannschaft Angst zu haben."

Mit einem Abendessen zusammen mit ihren Ehefrauen oder Freundinnen feierten die niederländische Nationalmannschaft am Freitagabend den vorzeitigen Einzug ins WM-Achtelfinale. Am Samstag ging Bondscoach Marco van Basten dann wieder zur Tagesordnung über und bat die mit großem Selbstvertrauen strotzenden Nationalspieler zur nächsten Trainingseinheit. "Wir können bei dieser WM sehr weit kommen", sagte Torschütze Robin van Persie, und Sturmpartner Arjen Robben ergänzte: "Wir brauchen vor keiner Mannschaft Angst zu haben."

Die beiden Streithähne vom Auftaktspiel hatten sich wieder lieb, und der erste Druck ist nach dem Überstehen der so genannten "Todesgruppe" C von der Elftal gewichen, doch van Basten dämpfte nach dem glücklichen 2:1 (2:1) gegen die Elfenbeinküste gleich die aufkommende Euphorie. "Wir gehen Schritt für Schritt", erklärte der ehemalige Weltklassestürmer: "Wir haben noch viel Arbeit vor uns." Da konnte ihm Fußball-Idol Johan Cruyff nur beipflichten. "Das muss noch deutlich besser werden", mahnte der Chefkritiker.

Die Spieler hatten den Einzug unter die besten 16 vor den etwa 25 000 Fans und Prinz Pieter-Christian im Stadion bei einer "Oranje"-Party ausgelassen mit einer Polonaise gefeiert, viele Anhänger im Land starteten zu einem Autokorso, doch bei den Medien hielten sich Begeisterung und Kritik die Waage.

"Wir sind durch! Todesgruppe schnell überlebt", titelte der Telegraaf: "Aber die Leistung war alles andere als eindrucksvoll." Das NRC Handelsblad sprach gar von einem "ärmlichen Spiel" und riet: "Die Spieler hätten ein bisschen zurückhaltender feiern sollen."

Robben wieder "Man of the Match"

Immerhin tankte die Offensivabteilung neues Selbstvertrauen. Robben wurde wie schon zum Auftakt beim 1:0 gegen Serbien-Montenegro als "Man of the Match" ausgezeichnet, van Persie brachte "Oranje" mit einem fulminanten Freistoß (23.) in Führung, und der bei Bayern München als Neuzugang gehandelte Ruud van Nistelrooy markierte nur vier Minuten später unter den Augen von Münchens Vorstandsboss Karl-Heinz Rummenigge seinen ersten WM-Treffer. "Das war ein großartiges Gefühl. Das war das wichtigste Tor meiner Karriere", meinte der Stürmerstar.

Weiter Rückendeckung bekam van Nistelrooy, der in der zweiten Halbzeit mit leichten Knieproblemen ausgewechselt wurde, von van Basten: "Er hatte bei Manchester United ja keine leichte Saison. Dieses Tor gibt ihm und der gesamten Mannschaft Auftrieb."

Der Einsatz von van Nistelrooy im letzten Vorrundenspiel am Mittwoch (21.00 Uhr) in Frankfurt/Main gegen den ebenfalls bereits für das Achtelfinale qualifizierten zweimaligen Weltmeister Argentinien ist nicht gefährdet. "Seine Auswechslung und die Behandlung mit Eis waren reine Vorsichtsmaßnahmen", meinte van Basten, der gegen die starken Argentinier den Gruppensieg anpeilt: "Natürlich wollen wir gewinnen - das ist für einen Sportler Pflicht."

Eventuell B-Elf am Start

Offenbar gibt es bei den Holländern aber Überlegungen, das prestigeträchtige Duell gegen die Gauchos nur mit einer B-Elf zu bestreiten. Es sei durchaus denkbar, dass die mit einer Gelben Karte vorbelasteten Spieler nicht auflaufen würden, sagte van Nistelrooy nach dem Training am Samstag. In Giovanni van Bronckhorst, John Heitinga, Arjen Robben, Joris Mathijsen, Mark van Bommel und Khalid Boulahrouz vom Hamburger SV droht gleich sechs Spielern im Fall einer zweiten Gelben Karte eine Sperre für das Achtelfinale.

Davon nicht betroffen wäre Rafael van der Vaart, der gleich doppelten Grund zur Freude hatte. Der Mittelfeldregisseur vom Hamburger SV wurde in der zweiten Halbzeit eingewechselt und kam damit zu seinem ersten Länderspiel in diesem Jahr - anschließend wurde er von Ehefrau Sylvie geherzt. Nur auf den Besuch seines Sohnes Damian Rafael musste er verzichten. "Er ist noch ein bisschen zu klein. Aber ich bin auch so glücklich, weil ich endlich wieder gespielt habe", sagte van der Vaart, den zuletzt chronische Probleme am operierten Sprunggelenk geplagt hatten.

Die hoch gehandelten Spieler vom WM-Neuling Elfenbeinküste, für die es durch Bakary Kone (38.) lediglich zum Anschlusstor gereicht hatte, kündigten nach dem frühen Aus bereits trotzig einen neuen Angriff bei der WM in vier Jahren in Südafrika an. "Wir werden wiederkommen, und dann werden wir stärker sein", prophezeite Didier Drogba. Für den Stürmerstar vom englischen Meister FC Chelsea ist die WM nach der zweiten Gelben Karte vorzeitig vorbei. Drogba ließ sich von Teamkollege Robben trösten. "Für Didier tut es mir unheimlich Leid", sagte Robben: "Aber jetzt kann er schön in den Urlaub fahren, und ist dann nächste Saison bei Chelsea wenigstens richtig fit."

© SID

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