Fußball WM
Polnisches Team steht unter Schock

Jubel auf der einen, Bestürzung auf der anderen Seite. Die polnische Nationalmannschaft war nach dem Last-Minute-K.o. gegen Deutschland im Tal der Tränen. "Ich fühle mich einfach nur schrecklich", so Coach Pawel Janas.

Das Last-Minute-Tor traf Polen mitten ins Fußball-Herz. Schockiert und frustriert sanken die Spieler nach dem Schlusspfiff auf den Rasen. Keeper Artur Boruc zog sich sein Hemd über den Kopf und war untröstlich, Ebi Smolarek erlebte ausgerechnet in seinem "Heimspiel" in Dortmund einen der "bittersten Momente" seiner Karriere, und Trainer Pawel Janas meinte mit Tränen in den Augen: "Ich fühle mich einfach nur schrecklich."

Polen kann die Koffer packen

Das Tor von Oliver Neuville in der ersten von insgesamt drei Minuten der Nachspielzeit "hat uns die letzte Chance zerstört", ergänzte der 53 Jahre alte Coach. Den Sprung ins Achtelfinale hatte er spontan abgehakt, "denn ich glaube nicht an Wunder". Am Donnerstag wurden die Befürchtungen Realität: Nach zwei Gruppenspielen ohne Sieg und Torerfolg (zuvor 0:2 gegen Ecuador) war das WM-Aus der Polen nach der Vorrunde wie schon 2002 in Südkorea und Japan besiegelt, weil die Südamerikaner auch Costa Rica (3:0) schlugen und zusammen mit Deutschland ins Achtelfinale einzogen.

"Wenn man verliert ist das immer schlimm, aber wenn man so verliert, ist das einfach brutal", sagte Smolarek, Stürmer des Bundesligisten Borussia Dortmund. Die Stimmung in der Mannschaft sei buchstäblich auf dem Nullpunkt. "Wir haben gekämpft und viel besser gespielt als gegen Ecuador, aber es hat nicht gereicht. Wir brauchen uns zumindest für diese Vorstellung nicht zu schämen", ergänzte er.

"Deutschland ist eben WM-Gastgeber..."

Es sei eben der berühmte kleine Unterschied gewesen, der das Spiel entschieden habe - und natürlich die Gelb-Rote Karte gegen Radoslaw Sobolewski wegen wiederholten Foulspiels (75.), resümierte Stürmer Michal Zewlakow: "Er wurde des Feldes verwiesen, als unsere Kräfte nachließen. Der Schiedsrichter hat nichts falsch gemacht, aber ich hätte mir gewünscht, er wäre auch gegen die Deutschen so konsequent gewesen. Aber Deutschland ist eben WM-Gastgeber...".

Nach tubulenten Tagen mit Kritik, Häme und Krisengesprächen im WM-Quartier nach der blamablen Vorstellung gegen Ecuador besann sich die Mannschaft ohne überragende Techniker oder Führungsspieler auf ihre Stärke und präsentierte sich als Kollektiv. Doch am Ende war die chronische Angriffsschwäche der Grund für die elfte Niederlage im 15. Duell (außerdem vier Unentschieden) gegen Deutschland. Die Abwehr wehrte sich lange erfolgreich gegen das drohende WM-Aus.

Boruc in Topform

Torhüter Boruc von Celtic Glasgow verhinderte mit Glanzparaden am Fließband eine frühere Entscheidung, fiel aber ebenso durch sein allzu provozierendes Zeitspiel auf. Gegen den Treffer des Gladbachers Neuville aus kurzer Distanz nach einer Flanke des Dortmunder Lokalmatadors David Odonkor war der 26-Jährige jedoch machtlos. "Ich wusste sofort, jetzt ist alles Aus", verriet Buroc.

Im letzten Gruppenspiel am kommenden Dienstag (16.00 Uhr) in Hannover gegen Costa Rica "wollen wir ein gutes Spiel machen, das sind wir unseren fantastischen Fans einfach schuldig", sagte Janas. Es dürfte für den WM-Teilnehmer von 1982 und 1986 auch das letzte Spiel als Verbandscoach sein, denn die Rufe nach der Ablösung des eigenwilligen und medienscheuen Trainers nach vier Jahren im Amt werden immer lauter. Vorgeworfen wird ihm besonders seine taktische Konzeptlosigkeit.

Kämpferischer Janas

Janas will indes nicht freiwillig seinen Platz räumen. "Wir haben jetzt noch das dritte Spiel und werden uns danach zusammensetzen und eine Entscheidung treffen. Ich würde aber gern mit dieser Mannschaft weiter arbeiten", sagte er am Donnerstag.

Ein Nachfolger steht angeblich schon parat. Nach Äußerungen der polnischen Funktionäre soll Henryk Kasperczak das Nationalteam übernehmen und zur EM 2008 in der Schweiz und Österreich führen. Der 50-Jährige begleitet den WM-Tross derzeit in seiner Funktion als Verbandsmitglied. Fest steht: Den designierten Janas-Nachfolger erwartet viel Arbeit, soll Polen jemals wieder annähernd an die Erfolge der 70er-Jahre anknüpfen, als Ex-Nationalspieler Kasperczak bei der WM 1974 in der legendären Wasserschlacht von Frankfurt zwar ebenfalls mit 0:1 gegen Deutschland verlor, aber damals das Endspiel nur knapp verpasste.

© SID

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