Fußball WM
Portugal zwischen Selbstkritik und Unverständis

Die negativen Stimmen nach dem dürftigen Auftaktsieg der Portugiesen gegen Angola sind bei Luis Figo nicht gut angekommen. Allerdings waren auch selbstkritische Töne aus den Reihen des Titelaspiranten zu hören.

Wichtige Punkte und wenig Glanz: Mit einer durchwachsenen Leistung ist der selbsternannte Titelaspirant Portugal in die Weltmeisterschaft gestartet und hat beim 1:0 (1:0)-Erfolg gegen Außenseiter Angola noch viele Fragen zur eigenen Leistungsstärke offengelassen. Dennoch ging Torvorbereiter Luis Figo die unterschwellige Kritik in den Fragen der Reporter nach der Partie mächtig gegen den Strich. "Was haben Sie erwartet? Dass wir 5:0 oder 6:0 gewinnen? Die Ergebnisse bei dieser WM waren bisher alle sehr knapp. Angola hat gezeigt, dass es nicht so schlecht ist wie viele gedacht haben", sagte der 33 Jahre alte "Man of the Match" zum hart erkämpften Sieg des Vize-Europameisters gegen den WM-Neuling in Köln.

Portugiesen lassen Können nur kurz aufblitzen

Figo, der Letzte aus Portugals "Goldener Generation", machte den Unterschied aus. Dem Tor des Abends durch Pauleta in der vierten Minute ging eine Weltklasseaktion des Kapitäns voraus. Figo legte den Ball rechts an Jamba vorbei, zog mit zwei, drei energischen Schritten und dem entsprechenden Körpereinsatz links vorbei und, anstatt selber zu schießen, chippte er den Ball zentimetergenau auf den linken Fuß von Pauleta. Sofort brandeten "Figo, Figo"-Sprechchöre auf.

Zwar kontrollierten die Portugiesen danach vor 45 000 Zuschauern im ausverkauften Kölner WM-Stadion die leidenschaftlich engagierten Spieler aus der ehemaligen Kolonie, mussten sich aber wegen der mangelnden Chancenauswertung in der zweiten Halbzeit sogar gellende Pfiffe gefallen lassen.

Scolari "diplomatischer als Figo"

Nationaltrainer Luiz Felipe Scolari war zurückhaltender als sein wichtigster Spieler. "Ich bin diplomatischer als Figo, sonst bin ich überall auf Seite eins der böse Bube. Deshalb behalte ich meine Meinung lieber für mich", sagte der Coach der brasilianischen Weltmeisterelf von 2002 und fügte trotzig hinzu: "Das erste Spiel ist immer das wichtigste. Deshalb wollten wir in erster Linie drei Punkte holen. Das haben wir geschafft. Das erste Spiel ist nun vorbei. Jetzt kommen nur noch sechs."

Nach einer Dusche zeigte sich Luis Figo in der Mixed-Zone aber auch selbstkritisch und lobte vor allem den 750:1-Außenseiter. "Sie haben uns das Leben phasenweise schwer gemacht. Aufgrund unserer Chancen hätten wir mehr Tore erzielen müssen", meinte der Star von Inter Mailand.

Sein Teamkamerad Cristiano Ronaldo hatte nach Figo-Ecke einmal Pech mit einem Kopfball an die Latte, doch der Stürmer von Manchester United traf mit seiner Schnelligkeit und seinen Tricks ansonsten immer die falsche Entscheidung und wurde nach schon 60. Minuten ausgewechselt.

"Mit gefällt es natürlich nicht, ausgewechselt zu werden und war natürlich unzufrieden darüber. Aber wenn der Coach der Meinung ist, dass es das Beste für das Team ist, werde ich das akzeptieren", sagte der 21-Jährige leicht angesäuert. Bundesliga-Profi Fernando Meira vom VfB Stuttgart hob angesichts der historischen Bedeutung des Duells mit ehemaligen Kolonie den sportlichen Charakter hervor: "Es war ein besonderes Spiel gegen Angola, aber es war fair. Bei der letzten Begegnung gab es noch vier Rote Karten gegen Angola, das war heute zum Glück nicht der Fall."

"Sicher kein Spiel um Leben und Tod"

Dass es sich vor allem um Sport handelt, zeigten auch die Kommentare von Angolas Nationalcoach Luis de Oliveira Concalves. "Meine Mannschaft hat mit sehr viel Stolz gespielt. Unser Ziel ist es, unsere Konkurrenten ein wenig zu ärgern", meinte der 45-Jährige und kündigte für das zweite Spiel an: "Mexiko ist der Favorit gegen uns. Aber wenn wir die Chance auf das Achtelfinale haben, wollen wir sie nutzen. Es ist aber sicher kein Spiel um Leben und Tod, sondern nur ein Fußballspiel."

© SID

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