Fußball WM
Probleme bei der Ticket-Vergabe weiter ungelöst

Eine außergerichtliche Einigung zwischen dem Deutschen Fußball-Bund (DFB) und dem Bundesverband der Verbraucherschützer (vzbv) ist gescheitert, nun droht dem DFB in Sachen Ticket-Vergabe eine Niederlage vor Gericht.

Im Vorfeld der WM in Deutschland gibt es für den Deutschen Fußball-Bund (DFB) noch viele Baustellen. Dem Verband droht im Streit um die Vergabe der Eintrittskarten eine Niederlage vor Gericht, ein Imageschaden und ein finanzieller Verlust. "Natürlich hätten wir uns einen anderen Ausgang gewünscht. Eine Übereinstimmung im Sinne eines Vergleichs war leider nicht möglich, obwohl wir uns in vielen Fällen einig waren. Jetzt müssen wir abwarten, wie das Gericht entscheidet", hatte DFB-Generalsekretär und WM-OK-Vizepräsident Horst R. Schmidt nach mehrstündigen Verhandlungen am Donnerstag mit dem Bundesverband der Verbraucherschützer (vzbv) in der Diskussion um die umstrittene Kartenvergabe bei der WM 2006 (9. Juni bis 9. Juli) erklärt.

Von einem möglichen Imageschaden im Ausland wollte der DFB-Generalsekretär unterdessen nichts wissen. "Ein Imageschaden ist dadurch entstanden, dass wir verklagt worden sind." Bereits im Vorfeld hatte Schmidt gesagt: "Der Bundeszentrale Verbraucherschutz geht es nicht um gute Lösungen im Interesse der Verbraucher. Hier geht es der Institution und einzelnen Personen darum, die Plattform WM 2006 in populistischer Art und Weise zu nutzen."

Keine Einigung bei der Zins-Frage

Dabei schien zunächst eine Einigung nach der ersten Anhörung vor dem Frankfurter Landgericht wahrscheinlich. Doch am Ende konnte bei der Frage nach der Verzinsung bereits geleisteter Zahlungen keine Einigung erzielt werden. "Wir wollten anstatt dem Verbraucher Zinsen zurückzuerstatten, pauschal einen Betrag an eine gemeinützige Einrichtung zahlen. Damit der Betrag nicht durch Bankgebühren aufgefressen wird", sagte DFB-Anwalt Dr. Stefan Hanloser.

Die vzbz forderte hingegen, dass die Zinsen direkt dem Verbraucher zukommen. Zuvor hatte der Bundesverband der Verbraucherschützer beim Landgericht Klage auf einstweilige Verfügung eingereicht. Damit wollte der vzbv unter anderem erreichen, dass die Tickets jederzeit zurückgegeben werden können und zudem klargestellt wissen, dass die erhobenen Gebühren nicht rechtmäßig seien. Zurzeit werden Gebühren von 5 Euro auf die Optionstickets, die einem noch keine Eintrittskarte für ein Spiel garantieren, und zwischen 20 bis 50 Euro auf die teambegleitenden Eintrittskarten (TST) erhoben.

Jeßberger warnt den DFB vor schlechter Publicity

"Es gibt einen Fall, in dem eine Frau ein TST-Ticket für Südafrika bestellt hat. Dafür musste sie 1 000 Euro zahlen. Vom DFB hat sie, nachdem Südafrika die Qualifikation nicht geschafft hat, aber nur 850 Euro zurückbekommen", monierte Verbraucherschützerin Helke Heidemann-Peuser.

Da am Donnerstag keine gütlichen Einigung, welche die Kammer des II. Zivilgerichts unter dem Vorsitz von Richter Franz-Martin Jeßberger den Parteien geraten hatte, erzielt werden konnte, muss das Gericht nun am Mittwoch (9.00 Uhr) ein erstes Urteil fällen. Dabei werden dem DFB offenbar seitens des Gerichts keine guten Karten eingeräumt.

"Ihr Konzept ist sinnvoll und aus betriebswirtschaftlicher Sicht nachvollziehbar, aber das spielt für die Kammer nur eine untergeordnete Rolle", hatte Jeßberger Horst R. Schmidt und dem Geschäftsführenden DFB-Präsidenten Theo Zwanziger bereits zu Beginn der Anhörung im Sinne einer außergerichtlichen Einigung mit auf den Weg gegeben. Gleichzeitig warnte Jeßberger: "So ein Urteil kommt im Ausland nur in Bruchstücken an. Dann kann es schnell heißen, der DFB haut seine Kunden übers Ohr."

DFB erwägt weitere Rechtsmittel

Sollte das Gericht der Klage auf eine einstweilige Verfügung stattgeben, muss der DFB auf die beanstandeten Klauseln im Zuge der Ticketvergabe verzichten und eine Unterlassungserklärung unterzeichnen. Kunden, die keine Tickets erhalten, aber trotzdem Gebühren bezahlt haben, könnten sich bei einer Klage auf dieses Urteil berufen.

Theo Zwanziger und Horst R. Schmidt haben aber schon angekündigt, im Fall eines negativen Ausgangs, weitere Rechtsmittel einzulegen. Der Gang vor das Oberlandgericht wäre der nächste Schritt.

© SID

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