Fußball WM
Schmidt denkt an Rücktritt als Fifa-Berater

Horst R. Schmidt hat seinen möglichen Rücktritt als Fifa-Berater angekündigt. Der DFB-Schatzmeister überlegt zurzeit, nach dem Confed Cup das Gespräch mit der Fifa zu suchen.

Die Tätigkeit von DFB-Schatzmeister Horst R. Schmidt als Fifa-Berater für die Fußball-WM 2010 in Südafrika könnte schneller als erwartet zu Ende gehen. "Im Moment versuche ich für mich selbst, ein Fazit zu ziehen. Was habe ich bisher in den zweieinhalb Jahren gemacht? Dafür ist der Confederations Cup eine gute Gelegenheit. Danach muss ich mit der Fifa reden, was ich hier noch tun kann oder eben nicht", sagte der 67-Jährige im Interview des Sport-Informations-Dienstes (SID) am Rande des Confed Cups in Johannesburg.

Obwohl jetzt, ein Jahr vor Beginn der WM 2010 (11. Juni bis 11. Juli), eigentlich erst die heiße Phase beginnt, beurteilt der gebürtige Franke seine Rolle ganz realistisch: "Ich habe das Gefühl, je mehr Experten in den verschiedenen Bereichen tätig werden und je mehr man sein Projekt in den Griff bekommt, umso weniger braucht man mich. Das ist jedenfalls meine Einschätzung." Die organisatorische Vorbereitung der WM 2014 in Brasilien ist für ihn kein Thema mehr.

Noch Pläne beim DFB

Der Mann, der einen schon fast legendären Ruf als absoluter Experte bei der Vorbereitung von WM-Turnieren besitzt und bereits vor 35 Jahren zu den Machern der WM 1974 in Deutschland gehörte, sieht doch starke Überschneidungen mit seinen Aufgaben im Deutschen Fußball-Bund. "Meine Periode als Schatzmeister im DFB läuft noch bis 2010. Ich habe in Frankfurt noch das eine oder andere Projekt zu begleiten. Dazu gehört auch das Nationale Fußball-Museum", berichtete Schmidt.

Dennoch haben die südafrikanischen Organisatoren Ende 2006 Horst Rudolf Schmidt mit offenen Armen empfangen, der auf Wunsch des Weltverbandes Fifa installiert wurde. Zunächst war er weitgehend auf sich allein gestellt, inzwischen ist der Mitarbeiterstab deutlich gewachsen.

Das deutsche Knowhow von der WM 2006 ist jedenfalls auch am Kap der guten Hoffnung gefragt. "Es ist naheliegend, dass der vorherige Ausrichter im personellen Bereich seine Unterstützung einbringt", erklärte Schmidt, der den deutschen Anteil in Südafrika nicht an die große Glocke hängen möchte. Tatsächlich sind aber in allen wichtigen Bereichen erfahrene deutsche Experten eingebunden, die zum Gelingen der ersten WM auf dem afrikanischen Kontinent beitragen sollen.

Confed Cup zufriedenstellend

Der WM-Test Confederations Cup ist aus Sicht Schmidts bislang zufriedenstellend verlaufen: "Es zahlt sich die Erfahrung aus, die die Organisatoren in den letzten Jahren mitnehmen konnten. Dies findet seinen Niederschlag und deshalb gibt es auch keine großen Fehler."

Die Kriminalität in Südafrika werde voraussichtlich auch in den nächsten Monaten die größte Aufmerksamkeit auf sich ziehen. Schmidt ist aber zuversichtlich, dass die entscheidenden Weichen gestellt wurden: "Es wird ein Thema bleiben. Das Problem wurde in einer vorbildlichen Weise angepackt. Die Sicherheitsorgane haben das Thema so ernst genommen, wie man das nur erwarten konnte und sich entsprechend auch personell aufgestellt. Ich sehe kein Risiko."

Aufgetretene Defizite beim Confed Cup, wie zum Beispiel das Park-and-Ride-Transportsystem, sollten bis zum nächsten Jahr abgestellt sein. "Das ist ebenfalls erkannt. Zu bedenken ist, dass dieses Angebot sehr kurzfristig eröffnet wurde und deshalb auch die Kommunikation nicht angemessen möglich war", sagte Schmidt im SID-Interview, "ich finde es sehr positiv, dass sich die Organisatoren überhaupt dazu entschlossen haben, ein solches Transportsystem einzuführen. Das hätte ich vor einem Jahr noch nicht für möglich gehalten. Da befindet man sich auf einem guten Weg."

Vergleich mit WM 2006 nur bedingt tauglich

Laut Schmidt sind Vergleiche zwischen 2006 und 2010 nur bedingt tauglich. "Das Spektrum des Organisationskomitees unterscheidet sich von dem in Deutschland schon daher, weil man von anderen Strukturen auszugehen hatte. In Südafrika kann man auf die ganze Breite einer gewachsenen Fußballstruktur eben nicht zurückgreifen. Man muss sich deshalb zwangsläufig mehr auf das Pflichtprogramm konzentrieren, zusätzliche Aktivitäten wie ein Kulturprogramm oder zahlreiche Kampagnen bleiben dann auf der Strecke. Davor muss man Respekt haben, auch wenn der eine oder andere Vorschlag nicht umgesetzt wurde", sagte der langjährige DFB-Generalsekretär.

Schmidt traut dem WM-Gastgeber auf jeden Fall eine Vorreiterrolle in Afrika zu: "Südafrika kann beweisen, dass es für die Entwicklung Afrikas eine Lokomotive darstellen kann. Ich bin davon überzeugt, dass die WM in Südafrika für den gesamten Kontinent einen wichtigen Zukunftsbeitrag zu leisten vermag."

© SID

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